Wir wollen jetzt mal nicht übermäßig euphorisch klingen, aber der Skoda Octavia Scout scheint das vollkommene Auto zu sein. Mal abgesehen vom Porsche-Jagen auf der Nordschleife fällt es schwer, sich eine Situation vorzustellen, die er nicht beherrscht. Das passiert selten, wenn ein Auto nicht nur einem, sondern mehreren Konzepten gerecht werden will.
Der Octavia bietet Laderaum satt
Zunächst ist der Skoda Octavia Scout ein Kombi – ein großer dazu mit 1,6 Kubikmeter maximalem Ladevolumen. Es lässt sich über die breite Heckklappe und dank der bei umgelegten Rücksitzlehnen ebenen Ladefläche problemlos mit einer kleinen Waschmaschinenfamilie befüllen, und selbst dann dürften die 577 Kilo Zuladungskapazität noch nicht ausgenutzt sein.
Für leichtes Gelände gerüstet
Der Scout versteht sich als leichter Geländegänger. Deshalb steckt der aus den VW-4Motion-Modellen bekannte Allradantrieb mit elektronisch gesteuerter Haldex-4-Kupplung unterm Auto. Sie schickt situationsabhänging und vollautomatisch bis zu 85 Prozent der Kraft an eine Achse. Statt einer Differenzialsperre nutzt das System radselektive Bremseingriffe. Auch polstert Skoda kratzbedrohte Karosseriepartien mit unlackiertem Plastik und liftet die Bodenfreiheit auf 17,9 Zentimeter. Klingt nicht nach viel, wenn man bedenkt, wie früh ein echter SUV wie der BMW X1 mit gut 19 Zentimetern im Gelände aufgeben muss. Und natürlich bleibt der Scout in seinen Fähigkeiten – wie übrigens auch in seinen Ambitionen – hinter echten Geländewagen zurück.
Doch das Maß an Kraxelei, das der Octavia mit seinen einfachen Mitteln ermöglicht, dürfte die Anforderungen der meisten Kunden übertreffen. Schotterhügel klettert er dank der guten Traktion ohne großes Reifenscharren empor, watschelt furchtlos durch Schlammlöcher und steigt umsichtig Abhänge herab. Das können andere Autos auch, fordern dann aber onroad Kompromisse. Der Scout nicht.
Keine Kompromisse für den Straßeneinsatz
Durch die Höherlegung bietet er seinem Fahrer eine leicht erhabene Sitzposition, lässt in Kurven trotzdem das Wanken sein. Das unauffällige Kurvenverhalten schmückt er mitunter mit einem sanften Reifenschniefen, doch lange bevor es dramatisch würde, greift das sorgsame ESP ein.
Beim Fahrkomfort unterscheidet sich der Scout nur durch ein etwas herberes Ansprechverhalten auf kurzen Bodenwellen von seinen konventionellen Brüdern, was sich durch die geänderte Dämpferabstimmung des serienmäßigen Schlechtwegepakets erklärt. Dass sich der Allradkombi dennoch als komfortables Reiseauto eignet, liegt auch an seinem Turbobenziner. Er leistet 160 PS und ist die einzige Alternative zum 140 PS starken Diesel, der als Letzter im Octavia-Programm noch nach dem herben Pumpe-Düse-Prinzip direkteinspritzt. Im Vergleich zum rumpeligen Diesel gefällt der Direkteinspritzer-Benziner mit hoher Laufkultur. Schon ab 1.000 Touren zieht er ohne Turboloch voran, dreht quirlig bis 7.000/min und sorgt für temperamentvolle Fahrleistungen – aber auch für einen hohen Verbrauch. Der ist tatsächlich der einzige Nachteil des Scout – auch wenn das jetzt wieder übermäßig euphorisch klingen mag.




