Skoda Octavia Scout & Nissan Qashqai: Hochstapler

Höher ist besser. Auch Skoda Octavia Scout und Nissan Qashqai schweben abgehoben über den Asphalt und bewerben sich mit  ihrem Allradantrieb um Aufnahme in den Club der Sport Utility Vehicles. Mit Erfolg?

Das Offroad-Fieber grassiert - und es ist hochgradig ansteckend. Erste Anzeichen? Rasche Vermehrung der Allradvarianten innerhalb einer Baureihe. Beispiel Skoda. Nach dem Octavia Combi 4x4 schieben die Tschechen vom gleichen Mittelklasse- Modell noch eine um weitere 13 Millimeter höher gelegte, mit robusten Kunststoffteilen und angedeutetem Unterfahrschutz aufgepeppte Scout- Version ab 26.590 Euro nach.

Allrad im Nissan aufpreispflichtig

Weitere Symptome: optisches Blendwerk. Autos, die nach Offroader aussehen, aber keine sind. Der Qashqai - von Nissan als ernsthafte Alternative in der Golf-Klasse ersonnen - macht äußerlich zwar kräftig auf SUV, ist in der Basisversion aber nur als Mogelpackung mit Frontantrieb erhältlich. Erst mit der teureren 4x4-Variante für 27.690 Euro in der gehobenen Tekna- Ausführung qualifiziert er sich für diesen Vergleich, zu dem beide mit einem Zweiliter-Benziner von 150 PS (Skoda) beziehungsweise 141 PS (Nissan) antreten.

An der Zapfsäule outen sich beide Kontrahenten als Genießer. Während der Skoda im Schnitt 10,8 Liter Super Plus durch seine Einspritzdüsen spült, saugt der Qashqai-Motor pro 100 Kilometer 10,5 Liter Super in sich auf. Beim Fahrwerk ist ordentliches Schluckvermögen hingegen ausdrücklich erwünscht, wobei Nissan und Skoda mit ihrer komfortbetont ausgelegten Feder- und Dämpferabstimmung auf Augenhöhe liegen. Dass der Octavia in diesem Kapitel dennoch die Oberhand behält, hat konzeptionelle Gründe. Er baut nicht nur deutlich niedriger (73 Millimeter), sondern ist auch mit dem längeren Radstand gesegnet.

Ungünstige Winkelmaße im Octavia

Im Gelände kann wieder der Qashqai Boden gutmachen. Über einen Drehknopf auf der Mittelkonsole schaltet man die Hinterachse zu oder überlässt ihm in der Automatik-Stellung die Kraftverteilung selbst. Zwar ist der Octavia mit seiner Haldex-Lamellenkupplung nur unwesentlich schlechter bestückt, doch steht er sich mit großzügigeren Abmessungen - er ist insgesamt 26 Zentimeter länger - und ungünstigeren Winkelmaßen im Wege. Kaum Unterschiede gibt es hinsichtlich Ausstattung und Verarbeitung. Skoda beweist vielleicht einen Tick mehr Liebe zum Detail. Wirklich schwach ist der Nissan allerdings nicht.

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Jörn Ebberg

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