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Smart Fortwo 1.0 im Fahrbericht

Zweite Generation ist größer, stärker und komfortabler

Foto: Seufert 14 Bilder

Das Konzept ist immer noch einzigartig, und so hält Mercedes an seinem Stadtflitzer fest. Ab April kommt der größere, stärkere und komfortablere Smart Fortwo in der zweiten Generation auf den Markt.

31.01.2007 Alexander Bloch

Mensch, bist du groß geworden. Diesen Satz bekommen kleine Kinder alle paar Monate von Tante und Onkel zu hören, auch wenn seit dem letzten Besuch nur ein Zentimeter dazugekommen ist. Das wird beim Nachfolger des Smart Fortwo kaum passieren, obwohl zwischen alt und neu immerhin knapp 20 Zentimeter Länge liegen.

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Smart Fortwo 1.0 im Fahrbericht Größer, stärker und komfortabler
auto motor und sport 04/2007
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Aber keiner käme auf die Idee, dem Winzling nennenswertes Wachstum zu bescheinigen. Die meisten Passanten haben sogar sichtlich Schwierigkeiten, die Neuauflage überhaupt als solche zu erkennen. Erst im direkten Vergleich entdecken sie die flachere Heckscheibe, die steilere Front oder die schmalere Tridionzelle.

Weitere Details wie vier statt sechs Rückleuchten oder die um 90 Grad gedrehten Türgriffe fallen ohnehin nur echten Smart-Maniacs auf. Davon gab es in der vergangenen Modellgeneration immerhin rund 770 000. Denn während der Smart vor allem in Deutschland durch ungeduldige Aktionäre und Kritiker aus dem eigenen Haus immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik stand, erfreute sich der Cityflitzer in Märkten wie Italien und Frankreich hoher Popularität: 60 Prozent aller Käufer in der französischen Metropole Paris fuhren vorher gar kein Auto und konnten für die Marke Mercedes neu erobert werden.

Die Römer lieben den kleinen Deutschen sogar, weil er so kurz und praktisch ist wie einstmals der legendäre Fiat 500. Dieses Auto hat Mercedes viel Lehrgeld gekostet – Tatsache ist jedoch, dass das Konzept nach wie vor einzigartig ist und dem Daimler-Chrysler-Konzern hilft, die ansonsten trübe CO2-Bilanz kräftig aufzupolieren. Schwächen des Vorgängerkonzepts sollen nun ausgebügelt werden – und da stellt sich vor allem die Frage: Nickt er noch? Im Prinzip ja, aber das berüchtigte, Nerven und Kreislauf stimulierende Schaukeln der ersten Generation beim Gangwechsel des automatisierten Schaltgetriebes unterdrückt der Neue inzwischen geschickt. Statt bisher einer Schaltwalze sorgen nun zwei dafür, dass das Auskuppeln und Einlegen des nächsten Ganges gleichzeitig und damit viel schneller ablaufen.

Die neue Getrag-Einheit mit fünf anstatt vorher sechs Gängen überspringt sogar bis zu drei Stufen. Zwischen dem Rangier- Gewürge des ersten und dem fast schon geschmeidigen Anfahren des zweiten Modells liegt eine Welt. Lässig zieht er voran. Wer mit seinem Fortwo beweisen möchte, dass der Kleine schneller fährt, als er aussieht, erhält gleich zur Markteinführung mit vier stärkeren Motoren reichlich Argumentationsstoff. Zusammen mit Mitsubishi entwickelte Smart einen neuen Einliter-Dreizylinder-Benziner, der in der Topversion mit Turbolader und 84 PS beim Ampelstart für verdutzte Gesichter sorgt.

Mit kernigem Sound nach Art frisierter Mofas flitzt der Zwerg unter elf Sekunden von null auf 100 km/h. Auch die Sauger-Varianten gehen gut. Das Überholen auf Landstraßen hat kaum noch etwas von einer Mutprobe, und selbst Autobahn-Etappen sind keine große Strafe mehr. Alle Benziner überbieten das Tempolimit des Vorgängers von 135 um zehn km/h.

Trotz des spritzigen Eindrucks und des höheren Gesamtgewichts sollen die neuen, höher verdichteten Aluminium- Heckmotoren insgesamt weniger verbrauchen als ihre Vorgänger. Für den jetzt 45 PS starken 0,8-Liter-Turbodiesel nimmt Smart sogar in Anspruch, mit 90 Gramm pro Kilometer den CO2-günstigsten Motor der Welt zu bauen.

Ein aktiver und damit effizienterer Partikelfilter (passiv ist serienmäßig) folgt aber erst 2008. Schon Ende 2007 kommt zudem ein Fortwo mit 71 PS und Startergenerator (Microhybrid), und für sehr Eilige stehen zum Genfer Salon Anfang März potente Brabus-Varianten auf dem Programm. So viel Sportlichkeit weckt ungute Erinnerungen, denn der Alte war dafür berüchtigt, auf welligen Straßen heftige Hinterachskeile auszuteilen.

Zu allem Überfluss neigte er außerdem zu Pirouetten auf winterlicher Fahrbahn. Doch bei der Fahrsicherheit geht Smart im Minicar-Segment längst mit gutem Beispiel voran, denn sowohl ESP als auch Bremsassistent sind serienmäßig.

Auf gepflegten Stadtstraßen löst der in Radstand (plus 55 mm) und Spur (plus 31 mm) gewachsene Zweisitzer mit durchaus ordentlichem Ansprechverhalten sogar sein Komfort-Versprechen ein. Zwei übereinander gelegte Zwei-Euro-Münzen überrollt er ganz geschmeidig, doch sobald ein drittes Geldstück hinzukommt, gibt es Saures vom Fahrwerk.

Querfugen oder gar Schwellen zur Verkehrsberuhigung schlagen ins Kreuz wie ein Gummihammer. Doch statistisch gesehen findet der Smart deutlich schneller einen Parkplatz und der Fahrer damit eine Ruheposition auf dem heimischen Sofa – auch eine Form von gutem Komfort. Aber der neue Smart soll ja gerade beim Fahren mehr Freude bereiten.

Dafür hat man den Stabilisator und die Aufhängung der Hinterachse neu positioniert sowie die Lenkung um zehn Prozent direkter ausgelegt. Auch die aufpreispflichtige elektrische Servolenkung packt zackiger, aber noch immer etwas indirekt zu. Mit seinem konkurrenzlos kleinen Wendekreis von nur 8,75 Metern flitzt er zwar beim Kreisverkehr- Cup an jedem anderen Auto vorbei, doch zum großen Freudenspender wird er damit nicht.

Kurzer Radstand und hoher Schwerpunkt – da lässt sich die Physik nicht austricksen – machen flotte Landstraßen- und Serpentinen-Touren noch immer eher zur Pflicht als zur Kür. Wenn es ums außerstädtische Genussfahren geht, bringt das neue Cabrio den frischen Wind. Sein elektrisches Verdeck lässt sich nun bei jedem Tempo öffnen, und die integrierte Heckscheibe besteht endlich aus heizbarem Glas.

Nur die Dachholme müssen weiterhin von Hand demontiert werden. Vom Vorgänger bekannt sind die drei Ausstattungsvarianten Pure, Pulse und Passion sowie die austauschbaren Karosserie- Paneele. Das Interieur wirkt jedoch besonders in der teuren Passion-Variante hochwertiger und erwachsener als beim Vorgänger.

Mit Hinblick auf den geplanten US-Start ist das geradlinige Armaturenbrett von amerikanischen Unfallforschern beeinflusst. Bewahrt hat man die hervorragende Kopffreiheit und die einfache Bedienung, während Fuß- und Kofferraum (plus 80 Liter) deutlich größer ausfallen. Eine Lenkradverstellung fehlt jedoch weiterhin, und Seitenairbags kosten 290 Euro.

Auch das Infotainment wirkt für ein so jung auftretendes Auto ziemlich spärlich. So dürften die Stärken und Schwächen des Neuen das Publikum genauso in zwei Lager spalten wie seine große Preisspanne – 9.490 bis 16.240 Euro sind jedenfalls nicht sehr smart.

Die Anziehungskraft des kleinen Zweisitzers auf europäische Großstadtmetropolen wie London, die großen Geländewagen zunehmend die rote Karte zeigen, dürfte dennoch weiter steigen.

Technische Daten
Smart fortwo Coupé pureSmart fortwo Coupé pulseSmart fortwo Coupé pureSmart fortwo Cabrio cdi
Grundpreis9.650 €12.680 €10.150 €14.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe2695 x 1559 x 1542 mm2695 x 1559 x 1542 mm2695 x 1559 x 1542 mm2695 x 1559 x 1542 mm
KofferraumvolumenVDA220 L220 L220 L220 L
Hubraum / Motor999 cm³ / 3-Zylinder999 cm³ / 3-Zylinder999 cm³ / 3-Zylinder799 cm³ / 3-Zylinder
Leistung45 kW / 61 PS (89 Nm)62 kW / 84 PS (120 Nm)52 kW / 71 PS (92 Nm)33 kW / 45 PS (110 Nm)
Höchstgeschwindigkeit145 km/h145 km/h145 km/h135 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h16,7 s10,9 s13,3 s19,8 s
Verbrauch4,8 L/100 km5,1 L/100 km4,8 L/100 km3,3 L/100 km
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