Smart Smart & Pure

1500 Kilometer legte auto motor und sport mit dem Smart auf dem Weg vom Redaktionssitz Stuttgart nach Barcelona zurück, wo der Zweisitzer erstmals fahrbereit der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

In den Augen des Schweizer Grenzbeamten spiegelt sich Ratlosigkeit wider: „Was wollen Sie? Eine halbe Vignette?“ Ja. Schließlich handelt es sich bei dem Auto, mit dem wir unterwegs sind, auch nur um eine halbe Portion. Zumindest im Hinblick auf die Außenlänge von 2,50 Meter. Doch der Eidgenosse läßt nicht mit sich handeln: „Ich hätte gern volle 50 Mark von Ihnen.“ Nach Abschluß dieser Formalitäten rollt der Smart im Zuge der auto motor und sport- Tour in ein Land, in dem einer seiner geistigen Väter wohnt: Nicolas Hayek, Erfinder der Swatch-Uhr und Chef des Elektronikkonzerns SMH. Zusammen mit Daimler-Benz hat der Schweizer 1994 die Micro Compact Car AG (MCC) mit Sitz in Renningen gegründet, um dort den Smart zur Serienreife entwickeln zu lassen.

Ein hürdenreicher Weg mit Pleiten, Pech und Pannen (siehe Heft 14/98), aber nun geht der City-Flitzer nach einer gründlichen Überarbeitung mit sechs Monaten Verspätung im Oktober an den Verkaufsstart. Sehnsüchtig erwartet wird er nach ersten Eindrücken in Deutschland aber noch nicht. „Ich glaube, es dauert zwei Jahre, bis man sich an das Design gewöhnt hat“, urteilt ein Passant in Freiburg, während einer Studentin der Preis zu hoch erscheint: „16 480 Mark für einen Zweisitzer? Da behalte ich meinen Renault Clio.“ Ein Argument, dem sich auch eine Politesse anschließt, aber: „Er sieht witzig aus, vor allem im Innenraum.“ Das zentrale Kombi-Instrument, schneckenaugenähnliche Halterungen für Drehzahlmesser und Uhr (je 148 Mark Aufpreis), die poppigen Bezüge und das überraschend gute Raumangebot sprechen ebenso an wie die für diese Preisklasse solide Qualität.

Zwei Personen kommen sich selbst auf einer Langstreckenfahrt nicht zu nahe, denn die Außenlänge steht hier fast vollständig für die Fahrgastzelle zur Verfügung. Der Motor wurde aus Sicherheitsgründen platz sparend im Heck unter dem Kofferraum plaziert, der mit 150 bis maximal 479 Liter Volumen sogar mehr als nur das Gepäck für einen Kurzurlaub faßt. Auch das 599 cm3 kleine Dreizylinder-Turbotriebwerk mit Doppelzündung und Ladeluftkühlung zeigt sich in der 55 PS-Version einer Vier-Länder- Tour durchaus gewachsen, wenn es erst einmal auf Touren gekommen ist – die ausgeprägte Anfahrschwäche stört besonders im Stadtbetrieb. Auf der Autobahn in der Schweiz fährt dem Smart dagegen keiner weg. 

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Birgit Priemer

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