Frauen können sehr rigoros sein: "In dieses blaue Ding mit den goldenen Felgen steig ich nicht ein", meinte eine. Auch gut, dann fegt man eben alleine das Herbstlaub von der Straße und freut sich am unverfälschten Rallye-Charakter des Subaru WRX STI. Doch leider blieb beim letzten Modellwechsel 2007 das Stufenheck samt Flügel auf der Strecke - und damit die Begeisterung vieler treuer Fans.
Subaru WRX STI - die Theke ist wieder da
Jetzt ist die Theke wieder da, die laut Subaru bei hohem Tempo mehr Abtrieb erzeugen soll. Und wenn sie es nicht tun würde, wäre es auch okay. Die Glückshormone beim Fahren eines Subaru WRX STI rekrutieren sich nicht aus sturem Tempobolzen auf der Autobahn. Da wird das 300-PS-Gerät laut und lässt den Sprit laufen wie ein leckgeschlagener Tanklaster, zumal jetzt erst bei 255 statt 250 km/h abgeregelt wird. Viel lieber sucht er nach Kurven, sehnt sich nach Schotter, Regen oder Schnee.
Dann krallen sich seine 245er-Reifen wie Zahnräder in den Untergrund, er soll aber auch schon auf dem schnöden Asphalt der Nordschleife die magische Acht-Minuten-Grenze um fünf Sekunden gebrochen haben. Damit läge Subaru WRX STI auf Augenhöhe mit einem immerhin 120 PS stärkeren BMW M3. Enorm hilfreich dabei: Er hat Grip, bis der Teer platzt, und eine vergleichsweise schlanke Figur.
Schnellster Subaru aller Zeiten
Die Kraft an den Achsen verteilen zwei an diesen Stellen eher seltene Sperrdifferenziale: Hinten beißt ein mechanisch selbstsperrendes Torsen-Differenzial bei Schlupfunterschieden die Zähne aufeinander, vorne erledigt das ein ebenfalls rein mechanisches Helical-System mit eher schwacher Sperrwirkung. Außerdem kauert der schnellste Subaru aller Zeiten nun fünf Millimeter tiefer und bekam Detailverbesserungen am Fahrwerk. Trotzdem ist der Subaru WRX STI nicht immer der absoluten Neutralität verpflichtet, zerrt manchmal unwirsch im Lenkrad und kommt je nach Laune und Boden mal mit der Front oder dem Heck, aber immer mit gewaltigem Vortrieb.
Schließlich wiegt der Subaru WRX STI nur 1,5 Tonnen und schmiegt sich - dem tief angeordneten Vierzylinder-Boxermotor sei Dank - dicht über Grund. Ganz nebenbei kann der Pilot das Fahrverhalten mit dem so genannten SI-Drive von normal und harmlos bis sportlich scharf variieren. Doch selbst im normalen Modus ist der Subaru WRX STI ein äußerst unbegabter Cruiser, schon wegen seiner straffen Federung und des trotz Turbo wenig durchzugsstarken Boxermotors.
Stattdessen mag er die scharfe Fahrt und den engagierten Fahrer, der auf dem erstaunlich schmalen Drehmomentgrat von maximal 407 Nm zwischen 4.000 und 6.000 Touren reitet und virtuos einen anderen Gang einlegt, wenn die rote Schaltlampe im Cockpit aufblitzt. Turboloch? Kennt er. Sexy Motorsound? Eher weniger. Doch in einer Zeit, in der Autos immer perfekter und durchgestylter werden, wirkt der Subaru WRX STI so belebend wie der Biss in eine frische Chilischote. Wem das zu heiß ist, der kann sich zwischendurch eine Brotzeit-Pause gönnen - Platz genug ist dafür ja wieder auf dem Flügel.






