Tazzari Zero im Fahrbericht: Elektro-Stadtauto aus Italien

Tazzari Zero

Zero heißt er, weil er null Abgase ausstößt, denn der kleine Tazzari ist ein E-Auto. Dazu ist er über-raschend flink, leicht und auch noch preiswert. Ein Fahrbericht.

Man muss das anbrechende Zeitalter der E-Mobilität wohl wie einen Frühling begreifen: Wie frisches Grün sprießen neue Marken, die sich ihren Anteil vom Automarkt sichern wollen. Tazzari gehört dazu. Bislang hat der italienische Konzern keine Autos gebaut, allenfalls Aluminiumprofile und Teile an die Auto-Industrie geliefert. Aber mit dem Einsetzen der Elektro-Mobilität sah man ein Betätigungsfeld wachsen, auf dem das eigene Know-how von Vorteil sein würde. Schließlich ist Leichtbau gerade beim E-Auto wichtig.

Antriebstechnik und Akkus werden zugekauft

So ist es mehr als naheliegend, dass sich unter der Kunststoff-Karosserie des Zero eine Struktur aus Guss- und Strangpress-Aluminiumteilen verbirgt, um die Masse so gering wie möglich zu halten. Angesichts von nur rund 550 Kilogramm Leergewicht dürfen Ansatz und Umsetzung als gelungen betrachtet werden. Die Antriebstechnik wird zugekauft. Unter den Sitzen sind chinesische Lithium-Ionen-Akkus eingebaut, die beim Hersteller Thundersky großindustriell gefertigt werden. Sie gelten als robust und vergleichsweise günstig. Wohl darum werden sie derzeit von vielen großen Auto-Herstellern getestet. Bei Tazzari oder besser beim Importeur, der Smiles AG im bayerischen Aub, kann man sie dagegen in einem Serienauto kaufen. Für 23.990 Euro ist der Zero zu haben, ein vergleichbares Angebot findet sich sonst nirgends.

Der Tazzari Zero ist das ideale Auto für die Stadt

Extrem günstig ist der Zero damit allerdings nicht. Schließlich gibt es den Toyota Prius ab 25.450 Euro, einen VW Polo Blue Motion sogar schon ab 16.575 Euro. Beide sind sehr sparsam, aber eben keine E-Autos. Neben dieser Andersartigkeit übt vor allem die Kürze des Zero einen großen Reiz aus. Damit ist er das ideale Auto für die Stadt, ohne bei Großgewachsenen Platzangst auszulösen, denn zwei Erwachsene finden genügend Raum vor. Zudem fassen die beiden Gepäckabteile vorn und hinten 180 Liter, was auch für größere Einkäufe ausreicht. Innerorts erfreut der Zero mit guter Übersichtlichkeit, kleinem Wendekreis und bestem Potenzial, einen Parkplatz zu bekommen, denn er misst nicht einmal drei Meter in der Länge. Eine Lenkhilfe erscheint auch beim Rangieren nicht notwendig, die Lenkung arbeitet trotz der sehr direkten Übersetzung ausreichend leichtgängig.

Für die erste Ausfahrt stand nur ein Vorserienmodell zur Verfügung

Auf der Landstraße wäre eine etwas weniger spitze Auslegung dagegen wünschenswert, denn gemeinsam mit dem kurzen Radstand schmälert sie bei höherem Tempo den Geradeauslauf. Ist die Fahrbahn zusätzlich uneben, leitet das wenig schluckfreudige Fahrwerk weitere Unruhe ein. Wie an der Schnur gezogen fährt der Tazzari nicht. Allerdings stand für diese erste Ausfahrt ein Vorserienmodell zur Verfügung, das im Detail noch überarbeitet werden soll. Möglicherweise wird auch der Geradeauslauf davon profitieren. Nachbesserungen gibt es definitiv beim Geräuschniveau, verspricht Karl Nestmeier, Chef der Smiles AG. Noch klingt der Zero nämlich, als würde man auf einer Tischkreissäge sitzen, ziemlich lautes Jaulen ist der ständige Begleiter. Außen ist davon zwar nur wenig zu hören, aber im Inneren überträgt sich das Geräusch nahezu ideal, auch weil weitgehend auf Dämm-materialien verzichtet wurde - ein Tribut an den Leichtbau. Dem Getriebe-Körperschall soll aber künftig durch eine Aufhängung mit Silentblöcken der Garaus gemacht werden. Auch die Übersetzung wird für den Serien-Einsatz noch geändert, noch knackt der Zero nämlich die psychologisch so wichtige 100-km/h-Marke nicht.

140 Kilometer Reichweite sollen möglich sein

In einem seiner vier jederzeit wählbaren Fahrprogramme beschränkt er sich sogar auf lediglich 65 km/h. Dafür muss der grüne Knopf gedrückt werden, schon stehen nur noch acht von maximal 25 kW Leistung zur Verfügung. Was extrem kümmerlich klingt, reicht durchaus, um im Stadtverkehr nicht als Hindernis aufzufallen. Vor allem aber läuft der Zero in diesem Programm äußerst effizient, 140 Kilometer Reichweite sollen möglich sein. Der Gegenpol ist die rote Taste. Ein Druck, und die volle Leistung steht kurzfristig parat - mit überraschenden Einsichten. Denn wozu 25 kW fähig sind, wenn sie auf nur 550 Kilogramm Gewicht treffen, ist durchaus überraschend: Der Zero wird zum tapferen Sprinter. Gelb ist der Normalmodus, der 15 kW Dauerleistung freigibt. Eine Leistung, die auch beim Druck auf die blaue Taste verfügbar gemacht wird. Nun reagiert der Antrieb jedoch weniger bissig, denn dieser Modus ist für Glätte gedacht.

ABS-System sowie Fahrerairbag wären wünschenswert

Bis zum Serieneinsatz soll außerdem die sehr zahnlose Bremse verbessert werden. Ähnlich wünschenswert wäre, dass der Zero ein ABS-System sowie zumindest einen Fahrerairbag bekommt. Noch ist er jedoch Wunschdenken bei diesem Auto, das derzeit nicht einmal über Sonnenblenden verfügt. Da überrascht es umso mehr, dass CD-Radio, Funk-Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und Spiegelversteller sowie - man ahnt es - Aluminiumfelgen serienmäßig sind; das italienische Design sowieso. Sein erwachsenes Aussehen dürfte dem erwarteten Absatz in Deutschland von 900 Stück pro Jahr durchaus förderlich sein. Den Markennamen Tazzari wird man sich wohl merken müssen.

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Christian Bangemann

Autor:

auto motor und sport, Heft 01 / 2010

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