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Fahrbericht Tesla Model X 90D - erste Test-Fahrt

Wie flink fährt der dicke Elektro-SUV?

Tesla Model X 2016 Foto: Wolfgang Groeger-Meier 24 Bilder

Das Tesla Model X soll sorgt schon im Stand für staunende Gesichter – mit seinen spektakulären Flügeltüren. Bei der ersten Probefahrt weiß der 2,5-Tonnen-SUV zu überraschen.

07.06.2016 Gerd Stegmaier 12 Kommentare Powered by

Jon McNeil, President Global Sales and Service bei Tesla, ist bekennender SUV-Fan. Er begeistert sich am Platzangebot und dem Nutzen, den ein solches Auto bei der Freizeitgestaltung bietet: Sportgerät hinten rein, Boot oder Pferd mit dem Anhänger ziehen – was Amerikanern halt so einfällt. Mit dem Model X hat der Tesla-Mitarbeiter jetzt seinen Traumwagen gefunden, denn was ihm bislang nicht an SUVs gefallen hat, war deren hoher CO2-Ausstoß. Und als E-SUV fährt der neue Tesla lokal emissionsfrei. Außerdem ist das Model X das erste E-Auto mit Anhängerkupplung. Jetzt holt sich Jon ständig neue Model X vom Band und macht die Endkontrolle. Seine Frau fährt auch eines und ist – natürlich – gleichermaßen begeistert.

Jon fährt nach eigenen Angaben 90 Prozent seiner Kilometer mit dem Autopilot, schließlich passieren mit dem 50 Prozent weniger Unfälle als beim freien Fahren. Und er begeistert sich an der Concierge-Software, die das Model X selbständig aus der Garage und wieder rein bringt. Die bis zu 7 Sitze und die maximale Anhängelast von 2.268 Kilogramm hebt er besonders hervor, das Leergewicht von satten 2.468 Kilo übergeht er in seiner Präsentation. Au weia! Ist das Model X ein softwareschwangerer People Mover für sicherheitsfanatische Öko-Nerds, die keinen Bock zum Autofahren haben?

Tesla Model X 2016Foto: Wolfgang Groeger-Meier
Als 90D ist das Model X aus dem Stand in 5,0 Sekunden auf 100 km/h.
Tesla Model X 2016
Erste Testfahrt im Elektro-SUV 4:56 Min.

Heute ist der Tag, an dem ich das ausprobieren darf. Ok, nur etwa 20 Minuten auf einer festgelegten Route und statt Google-Maps vom Riesen-Touchscreen gibt die reizende PR-Frau im Fond unser Navi. Wenn schon Fahren ohne Autopilot dann mit menschlichem Aufpasser von Tesla, oder wie? Egal, ran ans Steuer! Einsteigen, Bremse treten, um am Gangwählhebel am Lenkrad, der dem von Mercedes gleicht, auf „D“ zu schalten. Die Fahrertür schließt elektrisch, von selbst, beim Tritt auf die Bremse. Ja, ne, is klar – aber schon sinnvoll. Mit offener Tür rangieren? Von Vorgestern. Hier gibt’s natürlich ne Rückfahrkamera. Apropos: Rückspiegel einstellen vergessen – das geht zum Glück noch wie in jedem Auto, per Schalter in der Tür und nicht via Menü auf dem Riesen-Touchscreen in der Mittelkonsole. Besser so, dann kriegt man das auch während der Fahrt hin. Hoffentlich hat es die PR-Frau nicht gesehen.

Tesla Model X mit hohem Gewicht – und noch mehr Leistung

Von der Bremse aufs Gas und die Welt in den Seitenscheiben kriegt Streifenfieber – Hammer! Dabei ist das hier weder die stärkste Version (die hätte 539 PS, der 90D hat 471 PS), noch hat sie den Ludicrous-Mode (ein Knopf zum Aktivieren von mehr Leistung, der „Lächerlichen“ Beschleunigung) und trotzdem schnalzt dieser 2,8-Tonnen-Dampfer (vier Personen an Bord) davon wie von einer Abrissbirne getroffen. In 5,0 Sekunden stehen laut Tesla 100 km/h auf dem Digital-Tacho – das ist absolut glaubhaft. Die angeblich 250 km/h Höchstgeschwindigkeit lassen sich nicht ausprobieren, auch nicht, wie schnell dann die Batterie leer ist, aber bis gut 130 km/h fühlt sich alles noch so an, als wäre das Doppelte auch kein Problem. Traktion ist dank Allradantrieb und sattem Gewicht erwartungsgemäß auch keines. Auf höchster Stufe (von drei) ist die Rekuperation vor allem bis Ortsgeschwindigkeit so stark, dass man die Bremse selbst im Stadtverkehr kaum braucht. Bei höheren Geschwindigkeiten nimmt die Verzögerung ab, das passt und geht schnell in Fleisch und Blut über.

Tesla Model X 2016Foto: Wolfgang Groeger-Meier
Die Falcon Doors sind das auffälligste Merkmal am Model X.

Wer das Model S kennt, den mag die Performance trotz des höheren Gewichts wenig überraschen. Aber das Fahrwerk überrascht: Das Model X liegt extrem satt auf der Straße, der dank im Fahrzeugboden verbauter Akkus niedrige Schwerpunkt ist klar zu spüren. Für Jon Mc Neil bedeutet er ein nicht mal halb so hohes Risiko, im Model X bei einem Überschlag verletzt zu werden als bei einem BMW X5. Beim selbst Fahren macht es einfach Spaß. Die präzise Lenkung, zu der man gleich Vertrauen fasst, passt dazu genauso, wie der gute Überblick aus der erhöhten Sitzposition und die ziemlich gute Übersicht. Die Frontscheibe ragt weit über die Köpfe der vorderen Passagiere und ist laut Tesla die größte in einem Serien-Pkw verbaute. Die Sonnenblenden sitzen trickreich in den A-Säulen, im Bereich darüber ist die Scheibe wirkungsvoll getönt.

Tesla Model X mit Luftfederung

Die Route gönnt uns ein Dutzend Kurven auf engen Sträßchen 3. Ordnung. Die schon mit eingeklappten Spiegeln 2,07 Meter breite Karosse stört dabei nicht – dank der schönen Aussicht lässt sie sich prima dirigieren, an den Ansätzen der Kante der Haube lässt sich die Ideallinie sauber anpeilen. Ein paar tiefe Wellentäler in der Straße zeichnet die Luftfeder sauber mit, bei großen Federwegen wird’s allerdings recht schnell härter, was das Model X dann etwas hoppeln lässt – irgendwo muss die überschaubare Seitenneigung ja herkommen. Weniger souverän meistert das Model X allerdings kurze Unebenheiten wie Querfugen oder Schachtdeckel – ein häufiges Manko von Luftfederungen. Die erlaubt dafür eine variable Höhe (gegen Aufpreis) und merkt sich im Model X sogar die GPS-Koordinaten, bei denen sie mal hochgepumpt wurde. An solchen Stellen erhöht sich die Bodenfreiheit von da ab automatisch. Adaptive bzw. variable Dämpfer allerdings gibt es fürs Model X wie schon fürs Model S nicht – die könnten dem Federungskomfort gut tun.

Tesla Model X 2016Foto: Wolfgang Groeger-Meier
Gerd Stegmaier fuhr gern mit dem Tesla Model X.

Auf dem Rückweg locken ein paar Kreisverkehre zum Ausnutzen der guten Traktion beim Herausbeschleunigen, aufgehobene Tempolimits zum hemmungslosen Beschleunigen und erneute Geschwindigkeitsbegrenzungen zum Rekuperieren. Sich darauf möglichst perfekt einzustellen ist ein guter Ersatz fürs Schalten. Viel zu schnell kommt das Ende der Fahrt. Die Tür surrt auf und wieder zu als ich ausgestiegen bin. Trotz der flotten Fahrerei: Hier tickert nichts, kein Auspuff knistert beim Abkühlen. Nur ein unattraktives Rauschen von vorne ist zu hören, die Klimaanlage läuft noch. Schade, fast wäre das Model X von Anfang an ein Auto zum Liebhaben gewesen.

Fazit

Platz für bis zu sieben, variabel, praktisch, schnell, leise, innovativ, aber auch groß und schwer, trotzdem ziemlich agil. Nur die Federung könnte etwas verbindlicher sein. Das Tesla Model X ist tolles Elektroauto, wenn auch kein klassiches SUV mit kompetenter Geländegängigkeit. Die Preisgestaltung ist selbstbewusst: Unter 96.100 Euro (für den 75D) geht gar nichts, der gefahrene 90D beginnt bei 109.400 Euro und die stärkste Version P90D mit 539 PS kostet mindestens 131.300 Euro.

Technische Daten
Tesla Model X 90
Grundpreis109.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5036 x 1999 x 1684 mm
Leistung307 kW / 417 PS (658 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,0 s
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    Ich frage mich auch wieder bei diesem Artikel, warum muss durch die Bank versucht werden, die Modelle von Tesla schlecht zu machen, mehr oder minder subtil. Ist der Druck durch die zeitungsseitigen Sponsoren tatsächlich so derartig groß?
    Da wird nicht so genau nachrecherchiert, was der Unterschied zwischen der nicht verstellbaren Standardfederung (Stahl) ist und der variablen Luftfederung.
    Mit dem Leergewicht wird's nicht so ernst genommen, mal ist es 2,5t dann etwas später 2,8t und das wird auch nicht in Relation gesetzt, mit den 200+ Gramm CO2/km (vom Stickoxid mal abgesehen) ausstoßenden Konkurrenten, als Beispiel: von den Außenmaßen Audi SQ7 2405kg oder Mercedes GLS bis zu 2580kg, als vergleichbarer Sieben-Sitzer, selbst zum VAG/PAG Touareg/Chayenne ist der Unterschied nicht sehr groß, bei 2315kg Leergewicht.
    Sprachlich versteht man den Bezug nicht woher "Ludicrous" kommt, damit ist nicht lächerlich sondern aberwitzig gemeint, eine nerdige Abspielung auf Mel Brooks Space Balls - da gaben sich die Kollegen von Chip.de mehr Mühe.
    Nun zuletzt zum Fazit: wer eine Kaufempfehlung abhängig macht, von einer nachlaufenden Klimaanlage oder Kühlung, vom fehlenden "knistern", sprich durch thermische Belastung ermüdenden Material, einer Auspuffanlage, dabei den Umweltaspekt, den Fahrspaß und durch den Autopiloten vorhandenen Komfort außen vor lässt, der sollte auch kein Fahrzeug vermeindlich objektiv beurteilen dürfen.

    EVrules 16. August 2016, 11:57 Uhr
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