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Der neue VW Pick-up im Fahrbericht

Der VW Pick-Up funktioniert als Eisbrecher

21 Bilder

VW will mit einem völlig neuen Pick-up den Pritschenmarkt erobern. Die Studie war bei 4Wheel Fun schon exklusiv zu Besuch. Doch bevor der Doppelkabiner in Deutschland auf den Markt kommt, dürfen sich die Südamerikaner über den neuen VW freuen. Ende 2009 wird er im VW-Werk Pacheco bei Buenos Aires vom Band rollen. Erst Mitte 2010 wird der Pick-up dann auch nach Europa kommen.

24.02.2009 Powered by

Ein Januartag 2009. Früh morgens, rund 50 Kilometer nördlich von Berlin: Das Thermometer zeigt minus 20 Grad. Kälter, so scheint es, kann es auch in Sibirien nicht sein. Ein leichter Wind fegt über die zugeschneite Landebahn auf dem Flugplatz Finow. Vereinzelt wirbeln Eiskristalle in die klare Luft. Die Sonne hängt knapp über den steif gefrorenen Kiefernwipfeln, wirft lange Schatten auf das unberührte Weiß. Jede Minute des Wartens wirkt unerträglich lang: Bei dem Wetter könnte etwas passiert sein.

Doch dann rollt der Lastwagen einer Spedition auf die Zufahrt. Endlich, er ist da. Von außen sieht man dem dunklen Kasten seine kostbare Fracht nicht an. Doch in dem beheizten Kofferaufbau des Lkw schlummert ein Einzelstück, das direkt aus dem Entwicklungszentrum in Wolfsburg stammt: ein echter Pick-up von VW . So was gab’s doch schon, werden Kenner sagen. Doch dies ist kein Lizenzbau des Toyota Hilux wie der Taro , den es zwischen 1989 und 1997 gab. Und es ist auch kein Lastesel auf  VW Bus-Basis à la T3 Syncro – oder ein Golf-Ableger wie der Caddy von 1983 bis 1992. Dies ist ein komplett neu entwickeltes Auto. Eines mit hinterer Starrachse, Blattfedern, Allradantrieb und Differenzialsperren. Ein richtiger Geländewagen. Los, runter mit der Laderampe! Was da rückwärts aus dem Laster rollt, ist eine silber lackierte Kampfansage. Fast 5,20 Meter lang und 1,90 Meter breit. Ein tiefer Nadelstich – mitten ins Herz der etablierten japanischen Pritschendynastien. Denn ist der Markt für solche Autos bislang Toyota Hilux, Nissan Navara und Mitsubishi L200 überlassen, wird VW mit diesem Projekt die Rangordnung nachhaltig verschieben.

Und das nicht etwa nur auf dem deutschen Markt – nein, die in Wolfsburg noch als RPU (Robust Pick-up) bezeichnete Baureihe will die ganze Welt erobern. Anfangen wird sie damit in Argentinien, wo sie auch im VW-Werk Pacheco bei Buenos Aires produziert wird. Ende des Jahres läuft das Band an. Es folgen das restliche Südamerika, Südafrika und Australien. Dort liegen gut ausgestattete Doppelkabiner gerade absolut im Trend. Erst ein halbes Jahr später, also Mitte nächsten Jahres, wird der Riese nach Europa kommen und auch bei uns in Deutschland zu haben sein. Ein ziemlich ausgedehnter Kreuzzug für ein heimisches Auto, das jetzt schon hier vor uns steht. Und zwar im Baywatch-Dress, als würde es zum Fuhrpark einer Rettungseinheit gehören. Nur zögerlich springt der Dieselmotor an, nagelt sich dann aber langsam warm – ein Behelfsaggregat, das die Studie aber auf Trab bringen kann. Unter ihren dicken M/T-Reifen knirscht der Winter. So rollt das Unikat seine ersten Meter durch echten Schnee – und das auf dem Testgelände von 4Wheel Fun.

Was für ein Tag. Jetzt bloß nichts kaputt machen. Aber ein paar Funktionstests müssen schon drin sein: Blaulicht? Geht. Sogar in Scheinwerfern und Rücklichtern flackern grelle LEDs. Super! Suchscheinwerfer? Leuchtet auf dem Dach, dreht sich obendrein. Selbst die Sirene funktioniert. Nicht schlecht für ein Showcar. Die Taster für die Differenzialsperren sind Attrappen. Schaltung, Innenverkleidungen und Armaturen sind noch provisorisch eingebaut, scheinen die extreme Kälte aber gut zu verkraften. Später sollen hier Materialien von Tiguan und Co. Platz finden – eben bewährte Großserienware. Einen Zweiliter-Diesel soll der Robust dann auch bekommen, natürlich mit Common-Rail-Einspritzung. Die Leistung ist aber noch nicht bekannt. 350 Newtonmeter sind sicher drin. Dafür versprechen die Wolfsburger einen Verbrauch von etwa acht Litern auf 100 Kilometer. Spätestens jetzt sollten die Japaner – deren Pritschen allesamt wesentlich mehr verlangen – aufhorchen. Zumal der VW auch als 4x2-Nutzfahrzeug mit kleinerer Kabine und größerer Ladefläche gebaut wird. Ob es noch weitere Versionen und eine Variante mit offenem Fahrgestell geben wird, steht noch nicht fest, es ist aber wahrscheinlich. Der Doppelkabiner jedenfalls bietet für vier Leute reichlich Platz.

Und die Ladefläche ist mit 1,20 Meter Länge und 1,55 Meter Breite groß genug, um eine Euro-Palette zu transportieren. So hoch wie bei dem silbernen Musterstück muss man die Ladung später aber nicht heben. Schließlich wird der Serien-Pick-up weder mit einer Fahrwerkhöherlegung noch mit solch großen Rädern im Format 235/85 R 16 bestückt sein. Doch an die Optik könnte man sich gewöhnen. Auch die Sitzhöhe passt. So viel steht fest: Die ersten Fans hat der Pick-up bereits verzaubert. Und auf seiner Welttournee wird er viele weitere finden. Jetzt rollt er erst mal wieder zurück in den beheizten Lkw. Der Reiseplan steht schon fest: Nach der Reinigung in Wolfsburg stehen in den kommenden Wochen Messebesuche in Europa und Übersee an. Es geht zu Präsentationen nach Südamerika, Südafrika und Australien. Erst im späten Frühjahr kommt das Showcar nach Deutschland zurück – höchstwahrscheinlich mit
einer großen Menge Bestellungen im Gepäck.

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