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Toyota Hilux Nestle Fahrbericht

Scharfe Tuning-Pritsche

Toyota Hilux 3.0 D-4D Nestle Fahrbericht Foto: Torsten Seibt 29 Bilder

Der schwäbische Toyota-Spezialist ­Nestle macht aus dem praktischen Hilux einen kompetenten Kletterkünstler. Wir waren mit der neuesten Version auf ­Probefahrt.

17.12.2013 Torsten Seibt Powered by

Seit 45 Jahren ist der Hilux auf und abseits der Pisten dieser Welt unterwegs. Und es sieht nicht so aus, als würde sich das in absehbarer Zeit ändern. Ganz im Gegenteil: in Zeiten, da ein Hersteller nach dem anderen altverdiente Geländewagen in den Ruhestand schickt, um sie durch gesichts- und seelenlose SUV zu ersetzen, werden die klassischen Pickups zunehmend zum Rettungsanker der Geländefahrer. Die Verkaufszahlen jedenfalls sprechen für den Toyota Hilux.

Toyota Hilux ist Weltmarktführer

Im letzten Jahr konnte Toyota in Deutschland den Absatz des Hilux auf über 1.900 verkaufte Modelle steigern und landete damit auf Rang vier der meistverkauften Pickups. In Europa waren es vergangenes Jahr rund 22.000 Hilux, weltweit knapp 550.000 – Toyota ist mit dem Hilux seit langen Jahren globaler Marktführer bei den Midsize-Pickups.

Um das Interesse am Hilux hoch zu halten, verpasst ihm Toyota ständige Updates. Das aktuelle Modell N25 ist zwar bereits seit 2007 auf dem Markt, hat in dieser Zeit allerdings inzwischen das  dritte Facelift hinter sich gebracht, bevor 2014 ein etwas umfangreicheres Renovierungsprogramm ansteht. In seiner mittlerweile siebten Generation hat der Toyota Hilux zumindest optisch jeden spröden Baustellen-Charme abgelegt – das Innen- und Außen-Design zeugt auf den ersten Blick von der Verwandtschaft mit den aktuellen Land-Cruiser-Modellen. Auch die Zeiten, als Pickups in erster Linie billige Offroad-Transporter waren, sind längst vorbei. Der Einstieg in die Hilux-Allrad-Welt beginnt bei 25.168 Euro für das Basismodell mit Einzelkabine und dem 2,5-Liter-Diesel. Der Doppelkabiner mit 144-PS-Motor startet rund 5.000 Euro darüber.

Für die Zubehöranbieter und Umbau-Spezialisten ist der flotte Produkt-Zyklus eine Herausforderung, Toyota-Vertragshändler Nestle aus dem schwäbischen Dornstetten kann ein Lied davon singen. Die Offroad-Sparte des Unternehmens baut alles um, was bei Toyota für ein Leben jenseits des Asphalts freigegeben wurde – bis hin zum Kastenwagen Hiace 4x4. Und eben auch den Hilux, mit dem sich Nestle schon seit vielen Jahren auseinandersetzt. Dank vieler Eigenentwicklungen, aber auch durch das praktische Baukastensystem bei Toyota, welches die modellübergreifende Verwendung einzelner Komponenten ermöglicht, hat Nestle inzwischen ein stolzes Angebot für den Hilux im Programm.

Kein Eisdielen-Tuning

Auffällig dabei: die Hilux-Umbauten der Schwaben setzen in erster Linie auf Funktion, Showtuning für die Eisdiele gibt es in Dornstetten nicht im Angebot. Im Gegenteil beseitigt Nestle ein paar Schwächen des Hilux sehr nachhaltig. Zum Beispiel mit dem Umbau auf den permanenten Allradantrieb des Land Cruiser, der den Pickup zum sicheren und kurvenfesten Geländegänger aufwertet. Wahlweise lässt sich das neue Verteilergetriebe im Toyota Hilux zusätzlich mit einer separat schaltbaren Sperre ausrüsten, um auch in der Gelände-Untersetzung verspannungsfrei rangieren zu können.

Beim von uns gefahrenen Nestle-Hilux des aktuellen Modelljahrgangs war außer dem Allrad-Umbau das komplette Zubehörprogramm verbaut. Rein optisch ist dabei natürlich die Umbesohlung auf die 17-Zoll-Reifen in Verbindung mit dem Höherlegungsfahrwerk am auffälligsten. Der zweckmäßige Umbau bringt nicht nur die Proportionen des Toyota Hilux auf die richtige Spur, sondern auch ausreichend Luft unter den Kiel, die Bodenfreiheit steigt gegenüber der Serie um rund fünf Zentimeter. Angenehmer Nebeneffekt: die im Serienzustand leicht nach unten hängende Nase wird tüchtig geliftet, der Toyota Hilux steht mit dem Umbau-Fahrwerk sauber in der Waage.

Beim Fahrwerk wird es richtig teuer

Das Nestle-Fahrwerk lässt sich mit verschiedenen Stoßdämpfer-Konfigurationen bestücken. Beim Testwagen war die Topversion verbaut, die allerdings auch einen tiefen Krater ins Budget reißt: 4.890 Euro werden für das Komplettpaket fällig.

Dafür gibt es ein höhenverstellbares Gewindefahrwerk, wobei auch an der Hinterachse Federbeine statt der Serienstoßdämpfer zum Einsatz kommen. Zug- und Druckstufe der Dämpferelemente lassen sich vom Cockpit aus achsweise verstellen.  Über ein kleines Bedienpult kann der Fahrer wählen, ob er gerade lieber etwas komfortabler cruisen oder straff gedämpft über die Piste glühen möchte. Angenehmer Nebeneffekt ist die bessere Einstellung auf wechselnden Beladungszustand, gerade bei Pickups ja ein gewichtiges Thema. Die Verstellung funktioniert binnen Sekunden und bringt eine gewaltige Verbesserung gegenüber dem Serienfahrwerk des Toyota Hilux. Gerade bei rascher Fahrt auf unbefestigten Wegen wird aus dem leicht bockigen und vorne eher teigigen Serienauto ein kerniger und sicher zu handhabender Geländeräuber.

Den Unterboden des Toyota Hilux beschützt Nestle mit einem dreiteiligen Set an Alu-Blechen, das den Motor, die komplette Rahmenmitte bis hinter das Verteilergetriebe und zusätzlich den Dieseltank abdeckt. Angesichts des langen Radstands mit dem nicht ganz so prickelnden Rampenwinkel eine sinnvolle Investition, wenn der Hilux öfter in ruppigen Gebieten eingesetzt wird.

Toyota Hilux mit 205 Tuning-PS

Nahezu unsichtbar versteckt sich im Motorraum des Testwagens eine Zusatzsteuerung, die den Dreiliter-Motor etwas amüsanter macht. Die Nestle-Leistungssteigerung bringt den D-4D-Diesel von 171 auf 205 PS und setzt 420 Newtonmeter Drehmoment frei, in der Serie sind es bei der aktuellen Euro-5-Maschine 360 Nm. Klar, der Toyota Hilux wird mit diesem Leistungsplus nicht zum wilden Berserker, aber das Motortuning macht den Kleinlaster ganz erheblich souveräner im täglichen Betrieb. Gerade in Verbindung mit der Fünfstufen-Automatik, die gut mit dem Nestle-Leistungskit harmoniert und den Motor lange auf seiner Drehmomentwelle surfen lässt, statt hektisch in den Gängen zu flippern. Gut gelöst ist die Einbindung aller relevanten Motordaten in die Steuerung des Tunings. So wird die Zusatzleistung erst freigegeben, wenn die Maschine auf Betriebstemperatur ist, um den Motor zu schonen. Bei kaltem Antrieb fährt der Toyota Hilux mit Serienleistung.

Angesichts der Mehrleistung und des Potentials des neuen Fahrwerks ist es eine gute Idee, auch in die Bremsanlage zu investieren. Die ist beim Serien-Hilux nicht unbedingt als renntauglich bekannt und kommt speziell bei Notbremsungen aus hohem Tempo in Erklärungsnot. Die etwas standfestere Bremsanlage mit vorderen 319-Millimeter-Scheiben bleibt leider ausschließlich der Executive-Topversion vorbehalten, welche mit der umfangreichen Luxusausstattung nicht unbedingt zum erklärten Traum von Handwerkern und Fernreisenden taugt. Nestle bietet zwei Bremsanlagen an, eine für 16-Zoll-Räder mit Vierkolbensattel und die Hochleistungsvariante mit Sechskolbensattel, die 17-Zoll-Räder bedingt. Zusätzlich werden die Gummileitungen durch Stahlflex-Varianten ersetzt. Damit lässt es sich nun wirklich energisch ankern, die Anlage spricht präzise an und verzögert – für Hilux-Verhältnisse – brachial. Ein Argument, das auch Nutzer beachten sollten, die häufig mit schwerer Beladung unterwegs sind.

Für solche Nutzanwender hat Nestle übrigens noch ein Schmankerl im Programm: statt der serienmäßigen Ladefläche lässt sich beim Doppelkabiner eine verlängerte „Kommunalpritsche“ montieren, die gleichzeitig den Weg zur Lkw-Besteuerung ebnet. Für den Einzelkabiner Toyota Hilux hat Nestle die Ladefläche auch in einer Kipperversion im Angebot.

Fazit:

Der Toyota Hilux ist zwar ab Werk ein extrem robustes Arbeitstier, vom Allesüberwinder ist er im Serienzustand jedoch weit entfernt. Nestle setzt genau an den richtigen Stellen an. Ohne Showtuning, mit handfesten Verbesserungen an Fahrwerk, Aggregateschutz, Motorleistung und Bremsen veredelt er den Hilux zum potenten ­Geländegänger, der von der Kiesgrube bis zur Weltreise das nötige Potential mitbringt. So kann sich der Käufer seinen Hilux genau nach Maß konfektionieren – nicht jeder braucht das Motortuning oder die Hochleistungsbremsen, greift dafür lieber zu Differentialsperre(n) und Ansaugschnorchel.
   

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