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Toyota MR2 Competition Fahrbericht

Mr. Fun bringt Fahrspaß pur

Toyota MR2 Competition, Frontansicht Foto: Arturo Rivas 17 Bilder

Mit dem Kauf eines Toyota MR2 Competition schockte Pontiac-Besitzer Franz-Peter Hudek vor zwei Jahren Freunde und Familie. Jetzt bricht er sein Schweigen und berichtet über die Beweggründe. Es ist zugleich die Verbeugung vor einem raren Youngtimer der Zukunft.

04.02.2013 Franz-Peter Hudek Powered by

Wenn man im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und als flammender US-Car-Fan einen Toyota MR2 Roadster kauft, muss das triftige Gründe haben. Es sind sogar zehn Gründe (I bis X), welche mir die Entscheidung so leicht machten, als würde Jennifer Lopez im legendären "Wetten, dass"-Kleid von Mallorca zum Frischluft-Dinner laden.

Keiner wollte den Testwagen fahren

Und trotzdem war es kein Speed Dating, sondern die lang ersehnte Erfüllung einer alten, jahrelangen, geheimen Liebe, mit der ich meine Freunde überraschte, manche sogar schockte: "Was? Du und ein Toyota?"

Die Affäre begann bereits vor zehn Jahren (I), als ein roter Toyota MR2 Competition den kleinen Test-Fuhrpark von Autofocus bereicherte, ein derzeit nicht erhältliches Hochglanz-Blatt für "Automobile Lebensart". Es war Winter, Februar vielleicht, und keiner wollte so richtig mit dem kleinen, schrillen Cabrio auf Tour. Offen fahren war bei den niedrigen Temperaturen kaum möglich, und überhaupt: Wie sieht der denn aus? Knallroter Lack, weiße Felgen, großkalibriger Sportauspuff und mit weißer Folie beklebte Karosseriepartien. Schließlich die Aufschrift an den Türen "Toyota Motorsport" und zahme 140 PS im rundlichen Heck.

Auf 100 Stück limitiertes Sondermodell

Das grellbunte Make-up des kleinen Toyota MR2 Competition wirkte im Frühsommer 2002 etwas zu dick aufgetragen. Damals wurden neue Autos fast ausschließlich in dezentem Schwarz oder Silber geordert und kamen so farb- und humorlos wie ein Profi-Haarfön daher.

Nicht so der knallige Toyota MR2 Competition. Was man für die Veredelung eines begabten Toyota MR2-Fans halten konnte, war jedoch ein auf 100 Stück limitiertes Sondermodell (II) von Toyota Deutschland, das in Köln bei TTE (Toyota Team Europe) entstand und nur für den deutschen Markt bestimmt war. Mit dem MR2 Competition feierte Toyota den Einstieg in die Formel 1. Die rotweißen Panasonic-Monoposti von Mika Salo und Alan Mc-Nish baute übrigens ebenfalls TTE in Köln, sogar Chassis und Motor.

Selbstbewusste Preisgestaltung

Für den Toyota MR2 Competition betrieb TTE mit Ausnahme der Optik keinen so großen Aufwand. Alle für das Sondermodell verbauten Komponenten wie Sport-Fahrwerk, Sport-Stabilisatoren, 17-Zoll-Felgen, Doppelrohr-Auspuff, Ledersitze und Chrom-Zierrat im Innenraum konnte man auch einzeln als Zubehör zu kaufen. Der 1,8-Liter-Vierzylinder leistet unverändert 140 PS bei unspektakulären 6.400/min.

Dazu gab es ein speziell geformtes, nicht besonders hochwertiges Taschenset, das den Mini-Kofferraum hinter den Sitzen optimal nutzte und deshalb aussah wie drei verschieden große Unterlegkeile für Lastwagenanhänger. Und als Krönung eine Formel 1-Windjacke! Das Ganze kostete schließlich mutige 31.000 Euro. Zum gleichen Preis bekam man damals immerhin ein viersitziges BMW 318i Cabrio. Den direkten Konkurrenten des Toyota MR2 Competition - den Mazda MX-5 1.9 gab es bereits für 22.850 Euro.

Dennoch gefiel mir der frech gestylte Toyota MR2 (III) schon damals, weil ich gern in grellen, sportlichen Autos unterwegs bin, die nicht im Heringsschwarm der Pendler und Leasing-Langweiler untergehen. Außerdem kostete mich mein damaliger Toyota-Proberitt keinen Cent, aber dafür den Verstand: So macht Auto fahren Spaß, totale Hingabe schon während der ersten Kilometer.

Hervorragende Ergonomie im Toyota MR2 Competition

Der Motor des Toyota MR2 Competition röhrte unter dem geschlossenen Dach etwas hallig aus dem Heck. Ich saß knapp über dem Asphalt und hatte dank der großen Windschutzscheibe und flachen Fronthaube beste Sicht nach vorn. An den Seiten reichte die Karosserie dagegen hoch bis über die Schultern. Bequeme Sportsitze, hervorragende Ergonomie, kein Schnickschnack. Unter dem niedrigen Dach entstand sogar ein Le-Mans-Rennsportwagen-Gefühl (IV).

Von meinem allerersten Toyota MR2 Competition-Trip im Testwagen sind einige Bilder haften geblieben: Schulkinder an der Fußgängerampel, die ihre Grünphase verpennt haben, weilsie mir hinterherschauten; problemloses Einbiegen in eine Vorfahrtsstraße, weil man mir aus Neugierde den Vortritt ließ; schließlich sogar ein gewisses Überhol-Prestige auf der ausgebauten Schnellstraße von Reutlingen nach Stuttgart. Es wurde mir wohl mehr aus Mitleid gewährt, damit der Kleine schnell nach Hause kommt und sein Fahrer sich eine heiße Suppe machen kann. Dabei hätte ich auch Sauna-Temperaturen unter dem Kunststoffdach haben können, so effizient arbeitete die Heizung. Der MR2 Competition fiel zwar wahnsinnig auf, aber man mochte ihn offenbar, völlig neidlos (V) sogar, weil er nicht so gewaltbereit wie ein Lamborghini Gallardo daherkam.

Beim Ford-Händler stand der gesuchte Japan-Roadster

Zuhause parkte ich den Toyota MR2 Competition in der Tiefgarage, um den Grummel-Sound der Doppelrohr-Auspuffanlage besser genießen zu können. Und weil das Fahren so herrlich direkt und unkompliziert wie das Abspielen einer 45/min-Single mit manuell bedienbarem Tonarm funktionierte, war klar: Den kauf ich mir mal, wenn der Preis für einen Gebrauchten auf ein erträgliches Niveau gefallen ist. Das passierte im Sommer 2010.

Fündig wurde ich beim freundlichen Ford-Händler Dreher in Neustadt an der Weinstraße, wo ein Toyota MR2 Competition schon seit zweieinhalb Jahren (und damit zwei Winter in der Halle) auf einen neuen Besitzer wartete. Der Verkaufschef fuhr im Sommer gelegentlich damit, letztlich standen nur 55.000 Kilometer auf dem Zähler. Den geforderten Preis von 11.800 Euro hielt ich aufgrund des guten Zustands für angemessen.

Das blitzsaubere Interieur wirkte, die vielen Staufächer mal ausgenommen, fast wie neu. Schnell wurde eine Probefahrt vereinbart, diesmal im Juni und diesmal offen. Wieder erlag ich dem rauen Charme des kleinen Mittelmotor-Sportlers, seiner spontan ansprechenden Lenkung und der harten Federung, die fast ohne Seitenneigung hohe Kurvengeschwindigkeiten erlaubt und mich zu einigen Kreisverkehr-Sonderrunden verführte.

Schaltfaul fahren ist möglich, aber überbewertet

Auch der durchzugsstarke 1,8-Liter-Alu-Vierzylinder des Toyota MR2 Competition hat mir erneut gefallen. Zum Mitschwimmen im Alltagsverkehr genügen bereits 3.500/min als Schaltdrehzahl. Oberhalb von 4.500/min geht dann der mit verstellbaren, kettengesteuerten Nockenwellen ausgestattete VVT-i-Vierventiler spontan und mit kernigem Knurren zur Sache, das sogar das Trompeten aus der Sportauspuffanlage übertönt.

Bei auto motor und sport sprintete ein normaler Toyota MR2 in 7,7 Sekunden von null auf 100 km/h und unterbot damit sogar die Werksangabe um 0,2 Sekunden (VI). Die Spitze von 210 km/h habe ich bisher nicht ausprobiert, weil es jenseits von 140 km/h, obwohl der Motor dann nur 4.000/ min dreht, doch ziemlich laut wird. Dabei ist es völlig egal, ob man offen oder geschlossen fährt: Es rauscht oder dröhnt.

Mit all diesen archaischen Eigenschaften und der schlanken Komfortausstattung (elektrische Fensterheber, CD-Radio, Funk-Zentralverriegelung) erinnert mich mein Toyota MR2 Competition fast schon an einen Oldtimer (VII), an einen knorrigen britischen Roadster, dessen einfach gestrickte Technik auch in Zukunft kaum Probleme machen dürfte.

Toyota MR2 Competition geht sparsam mit Benzin um

Meine Frau, die bei der Probefahrt in der Pfalz dabei war, fand den Toyota MR2 Competition auch ganz großartig (VIII) und freute sich, dass nach fünf Amis mit Motoren zwischen 2,2 und 5,7 Liter Hubraum mal was Kleines, Sparsames ins Haus kam. Und endlich ein Cabrio, obwohl ich Cabrios eigentlich bisher nicht mochte.

Aber mein Toyota MR2 Competition hat mich bekehrt (IX). Das Kunststoffverdeck in Z-Form mit Glasscheibe, dessen verstärkter vorderer Teil zugleich als Persenning dient, lässt sich problemlos von Hand bedienen. Die Sitzposition ist so tief, dass ein Mini-Windschott zwischen den Sitzlehnen ausreicht. Bei geschlossenen Seitenfenstern kitzelt der Fahrtwind nur die Haarspitzen.

Was das Beste ist: Mit dem Versenken des Cabriodachs hinter den Sitzlehnen verwandelt sich der Toyota MR2 Competition für die Passagiere vom dunklen, knapp geschnittenen Le-Mans-Renner in einen Boulevard-Cruiser, der sich vor gepimpten Audi TT und Porsche Boxster nicht verstecken muss. Zwei Autos zum Preis von einem - für mich der Hauptgrund, ein Cabriolet zu fahren.

Seither unternehmen wir an warmen Sommerabenden MR2-Lustfahrten, wenn die dunkelorange Sonne bis kurz nach Halbzehn am blassblauen Himmel glüht. Gern mit einem Zwischenstopp für den Biergartenbesuch, zum Beispiel in der idyllischen Fachwerk-Altstadt von Markgröningen, auf der Gefängnis-Festung Hohenasperg oder am Katzenbacher Hof. Beim Parken zieht der Toyota MR2 Competition oft staunende Blicke auf sich, heute sogar mehr als vor zehn Jahren. Manchmal hält man den Roadster für ein neues Auto: "Schatz, schau mal, gibt’s den jetzt?", so eine Kundin beim Toyota-Service.

Samurai-Schwert für die salzfreien Tage

Inzwischen hat man sich nämlich durch Spaßmobile wie den (BMW) Mini und den Fiat 500 Abarth an grelle, mehrfarbige Autos gewöhnt. Weiß ist sowieso in. Sogar der brave Skoda Fabia ist mit weißem Dach lieferbar, weshalb mein rotweißer Competition in diesem Knallfarben-Umfeld wie ein Neuwagen wirkt.

Zuletzt ist der Toyota MR2 Competition eine wunderbare Ergänzung (X) zu meinem anderen Fun-Car, meinem Pontiac Trans Am GTA von 1987 mit 5,7-Liter-V8, der in fünf Jahren sein H-Kennzeichen erhalten wird. Beide sind rot, breit und schnell - und doch ganz anders. So gegensätzlich wie eine Pump Gun und ein Samurai-Schwert, die in mein beschauliches Leben eine Spur Tarantino-Glamour bringen. Zumindest für die acht salzfreien Sonnenmonate des Jahres.

Technische Daten
Toyota MR 2 Competition
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4 x 2 x 1 mm
Höchstgeschwindigkeit210 km/h
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