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Toyota RAV 4 im Fahrbericht

Was tun mit dem geerbten RAV 4?

Toyota RAV4, Seitenansicht Foto: Hardy Mutschler 13 Bilder

Auf einmal erbt man einen Toyota RAV 4, den man schon längst vergessen hatte. Das Auto, das in den 90ern das Thema leichte Geländewagen neu interpretierte. Was tun damit? Einfach fahren? Aufheben? Verkaufen?

21.03.2013 Hans-Jörg Götzl Powered by

Die näheren Umstände tun nichts zur Sache, deshalb nur ganz kurz: Ein sehr naher Verwandter stirbt, zum Nachlass gehört auch ein Auto. Zunächst gibt es Wichtigeres zu regeln, irgendwann aber kommt die Neugier. Ich schnappe mir den Schlüssel und gehe zur Garage. Das schwere alte Tor knarzt in den Aufhängungen, dann fällt Licht auf einen blauen Toyota RAV 4, der vor gut einem dreiviertel Jahr zum letzten Mal abgestellt wurde.

Nach 9 Monaten genügt ein Dreh, der RAV4-Motor nimmt seine Arbeit auf

Die Fahrertür des Toyota RAV 4 geht problemlos auf, doch die Zentralverriegelung schweigt. Die Batterie ist am Ende. Ausbauen und ans Ladegerät, vielleicht lässt sie sich retten. Öl, Kühl- und Bremsflüssigkeit sind jedenfalls ausreichend vorhanden, die Reifen haben noch gut Luft und Profil. Neuer Versuch also am frühen Abend mit frisch geladener Batterie: Ein Dreh am Zündschlüssel, der Zweiliter-Vierzylinder läuft sofort, als käme man gerade vom Einkaufen zurück. Ein gutes Zeichen.

Sauber nimmt der Vierventiler des Toyota RAV 4 Gas an, reagiert sensibel auf kleinste Befehle. Ich lasse dem Motor mit dem alten Öl ein wenig Zeit, morgen kommt frischer Schmierstoff hinein samt neuem Filter. Ich bin ein Öl-Fetischist, bei manchen Fahrzeugen würde ich am liebsten nach jeder Ausfahrt einen Ölwechsel vornehmen.

Rückwärtsgang rein und raus aus der Garage; die ersten Meter sind noch ein wenig hüftsteif. Erst mal zur nächsten Tankstelle, den halbleeren Kraftstoffbehälter füllen und die Reifen auf den vorgeschriebenen Druck bringen. Meine letzte Fahrt mit einem Toyota RAV 4 liegt schon eine ganze Weile zurück, langsam kommen die Erinnerungen wieder.

Als der Toyota RAV 4 - das kryptische Kürzel steht übrigens für "Recreational Active Vehicle with 4-Wheeldrive", freizeitorientierter Wagen mit Vierradantrieb also - im Sommer 1994 auf den deutschen Markt kam, hatte der Toyota-Importeur im Grunde nur eine Sorge: Hoffentlich sind die Japaner fleißig und es kommen genug Autos nach Deutschland.

Vom Start weg ist der Toyota RAV 4 ein Bestseller

In seinem Heimatland nämlich war der neue Geländewagen schon seit dem Frühjahr auf dem Markt, mehr als 30.000 Bestellungen in den ersten zwei Monaten hatten im Toyota-Werk Motomachi für ziemliche Hektik gesorgt. Auch hier zu Lande unterschrieben die Kunden eifrig die Kaufverträge für den zunächst nur als Zweitürer erhältlichen Toyota RAV 4.

Der Grund für den Erfolg ist simpel: Toyota hatte mit dem Newcomer das Thema kleine Geländewagen völlig neu interpretiert. Während die Konkurrenz wie etwa der Opel Frontera noch auf einen stabilen Leiterrahmen samt aufgepfropfter Karosserie und einer soliden Starrachse hinten vertrauten, setzte Toyota beim RAV 4 wie bei normalen Autos auf eine selbsttragende Karosserie und Einzelradaufhängung rundum.

Das sparte eine Menge Gewicht, gegenüber dem Opel beispielsweise rund 400 Kilogramm, und bescherte dem Toyota RAV 4 gleichzeitig eine ausgezeichnete Straßenlage. Als Antrieb installierte Toyota den erprobten, auf 129 PS reduzierten Vierzylinder aus der Familienlimousine Carina, spendierte dazu ein Fünfganggetriebe und vor allem einen permanenten Allradantrieb. Ein Reduziergetriebe sparten sich die Entwickler, für Notfälle gab es zumindest ein sperrbares Mitteldifferenzial.

Damit war der Toyota RAV 4 dort, wo selbst schwere Geländewagen zu 99,8 Prozent herumkurven, ganz klar das bessere Auto - und machte zumindest in leichtem Gelände sowie auf Schnee und Eis beileibe keine schlechte Figur.

Toyota RAV 4 mit langem Radstand ist das Universalgenie

Noch besser war der ein Jahr später ab Sommer 1995 lieferbare, 41 Zentimeter längere Viertürer, der plötzlich auch als Familienkombi oder für Menschen, die auf Ladekapazität Wert legen, interessant wurde; der 21 Zentimeter längere Radstand sorgte zudem dafür, dass der Wagen noch ruhiger lag. Für seine Verhältnisse beinahe euphorisch schrieb Hans-Peter Leicht in auto, motor und sport: "Mit permanentem Allradantrieb, einem durchzugstarken Motor mit 129 PS Leistung, einem attraktiven Preis von 36.390 Mark und der grundsoliden Verarbeitung ist der Toyota RAV 4 auch sonst ein sympathischer Entwurf: Dieses Auto muss Toyota erst mal einer nachmachen."

Die Inflation muss indes schon zu D-Mark-Zeiten galoppiert sein, und natürlich hatten auch die Japaner längst die Aufpreisliste als Geschäftsmodell erkannt. An dem mit ABS, Leichtmetallfelgen, Differenzialsperre, Klimaanlage, Radio, Schiebedach und Metallic-Blau üppig ausgestatteten, viertürigen Toyota RAV 4 jedenfalls, der im November 1996 einen 100.000-Kilometer-Dauertest in der Schwester-Redaktion auto motor und sport antrat, baumelte bereits ein Preisschild mit der Aufschrift 47.720 Mark.

Komfortables Reisemobil mit hohem Verbrauch

Als Gegenleistung lieferte der Toyota neben seinen bekannten Fahreigenschaften eine unauffällige Zuverlässigkeit, und so lernte auch ich den Toyota RAV 4 schätzen. Für Rallyes empfahl er sich mit seiner Ladekapazität und Geländetauglichkeit als ideales Begleitfahrzeug, auf der Fahrt zu diversen Rennstrecken erwies er sich als komfortables Reisemobil. Innerhalb des nächsten Jahres war ich mit dem Toyota RAV 4 bei der Histo-Monte, im südfranzösischen Paul Ricard, im englischen Silverstone und natürlich am Nürburgring.

Abgesehen von einem selbstbewussten Durst - Test-Durchschnitt 11,7 Liter Super, bei Autobahn-Vollast gerne mehr - gab es monatelang nichts zu vermelden, bis plötzlich bei Kilometerstand 47.144 einem Kollegen der fünfte Gang heraussprang und fortan festgehalten werden musste. Toyota tauschte das komplette Getriebedes RAV 4, später gab es für solche Fälle geänderte Getrieberäder.

Bei Kilometer 93.441 verabschiedete sich wieder der fünfte Gang, diesmal hatte sich eine Verschraubung gelöst. Ansonsten bewährte sich der Toyota RAV 4 glänzend, und als er schließlich endgültig aus der Redaktions-Tiefgarage rollte, habe ich ihn wirklich vermisst.

Bei guter Pflege für mehr als 300.000 km gut

Mein ererbtes Exemplar hat bereits über 170.000 Kilometer auf dem Zähler, das Getriebe schaltet sich zwar typisch hart, aber sauber, da dürfte längst ein geändertes Getrieberad verbaut sein. Auch der nun mit goldgelbem, frischem Öl versehene Motor macht einen kerngesunden Eindruck, er liefert schon bei niedrigen Drehzahlen ordentlich Kraft, beschleunigt die 1.220 Kilogramm des Toyota RAV 4 durchaus anständig und dreht sauber hoch.

"Um den brauchst du dir keine Sorgen zu machen", meint Friedhelm Engel aus dem fränkischen Wunsiedel: "Der hält bei guter Pflege locker 300.000 Kilometer." Wichtig, so der Toyota-Spezialist, sei nur der regelmäßige Öl- und vor allem Filterwechsel: "Die Filter rosten im Toyota RAV 4 manchmal von außen durch, und dann verlierst du den Schmierstoff, ohne es zu merken."

Gut, machen wir weiter mit der Bestandsaufnahme. Auch auf der Hebebühne macht der Toyota RAV 4 einen guten Eindruck, Fahrwerkslager und Bremsscheiben sind in Ordnung, die längst fällige Hauptuntersuchung besteht das Erbstück ohne Mängel. Die Lackierung präsentiert sich erstaunlich gut erhalten, auch das Gestühl im Innenraum und die grauen Kunststoffflächen vermitteln einen gepflegten Eindruck. Das Cockpit indes empfand ich schon damals als ein wenig altbacken.

Toyota RAV 4 hat das Zeug zum Klassiker

Fast 15 Jahre nach dem Dauertest wirkt auch die Lenkung nicht mehr so präzise, der Fahrkomfort ein wenig holprig und die Bremsen eher zahnlos. Insgesamt fährt sich der Toyota RAV 4 heute wie, naja - wie ein Youngtimer eben.

Was also soll ich damit machen? Vielleicht zunächst herauskriegen, was das Ding wert ist. "Viertürige RAV 4 sind beliebt, in gutem Zustand kann man beim Privatverkauf schon mit etwa 4.000 Euro rechnen", meint ein Verkäufer vom Toyota-Autohaus Goos in Nürtingen. Klingt gut - andererseits war dies Vaters letztes Auto, er hat es geliebt und immer gepflegt. So was verkauft man nicht.

Also behalten. Frage an Friedhelm Engel: Gibt es schon eine Sammlerszene? "Nicht wirklich. Für den Toyota RAV 4 interessiert sich im Moment noch niemand, jedenfalls kein Sammler." Klingt nicht gut. Dabei hat der RAV 4 als Vorreiter einer neuen Geländewagen-Philosophie beste Chancen, in Zukunft eine Fangemeinde um sich zu scharen und zum beliebten Youngtimer zu werden. Und er ist robust genug, um das auch zu erleben - anders als der Ford Granada, der erst dann zum begehrten Youngtimer wurde, als es keine mehr gab.

Und wenn dann alle einen Toyota RAV 4 haben wollen, besitze ich praktischerweise schon einen, aus quasi Erstbesitz und mit lückenlos bekannter Historie. Bis dahin werde ich ihn einfach aufheben, hin und wieder fahren und bei Gelegenheit auch die kleine Delle hinten links ausbügeln lassen.

Und in drei Jahren werde ich nagelneue Winterreifen aufziehen, einen Wegstreckenzähler einbauen und mit dem Toyota RAV 4 an der AvD-Histo-Monte teilnehmen. Organisatorin Gaby Triefenbach hat bereits ihre Zustimmung zur Teilnahme im Februar 2016 signalisiert.

Technische Daten
Toyota RAV4
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4 x 2 x 2 mm
Höchstgeschwindigkeit170 km/h
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