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Tuningautos beim Nardo-Highspeedtest

Tempojagd extrem mit bis zu 1.200 PS

Nardo 2010 Tuning-Modelle Foto: Achim Hartmann 29 Bilder

In Nardo stellen sich fünf hochgezüchtete Tuning-Fahrzeuge dem Hochgeschwindigkeitstest. Mit bis zu 1.200 PS gehen die Boliden von MTM, 9ff, G-Power und Geiger auf Rekordjagd - spektakuläre Erlebnisse bei Tempo 360 inklusive.

06.12.2010 Jens Dralle

In ihrer einzelnen Ausprägung können Probleme durchaus einen hohen Unterhaltungswert in sich bergen. So benötigt beim Hochgeschwindigkeits-Shootout in Nardo die Crew des G-Power-BMW M5 dringend ein Batterieladegerät, was in eine gesten- und wortreiche Suchaktion von gleich drei Mitarbeitern des Prototipo-Prüfgeländes mündet. Roland Mayer, Firmenchef von MTM, sorgt sich dagegen um den Temperaturhaushalt - nein, nicht von seinen beiden nach Nardo mitgebrachten Audi-Kreationen, sondern vom eigens aus der Heimat importierten Weißbier. Das landet schließlich im Kühlschrank, während der RS6 und der R8 Biturbo weiter unter der gleißenden Sonne Süditaliens braten.

Großes Auspuffkino in Nardo

Armin Rugamer, Pilot der Geiger-Corvette ZR1, fragt sich unterdessen, ob die vier Endrohre der Akrapovic-Anlage nicht doch ein wenig zu dick auftragen. Angesichts des gewählten Durchmessers, den offenbar nur Fußbälle zu schließen vermögen, drängt es sich auf, die Frage mit "ja" zu beantworten. Und das 9ff-Team? Noch lässt sich Boss Jan Fatthauer in Nardo nicht aus der norddeutschen Ruhe bringen, wenngleich sein Team unter dem Auto munter vor sich hin schraubt, sich mal gegen und dann mal wieder für den Einsatz des Diffusors entscheidet.
 
Währenddessen rumpelt auf dem Testareal in Nardo ein altersschwacher Fiat Fiorino heran, aus dem ein von der Sonne gegerbter Italiener das rettende Ladegerät hervorkramt, das dem 900 PS starken BMW M5 mit dem schmucken Beinamen Hurricane Experimental wieder elektrisches Leben einhaucht. Erleichterung bei G-Power, doch nun gerät der Biorhythmus von Jan Fatthauer aus dem Tritt - ein bisschen zumindest.

Spektakuläres Abfangmanöver bei 360 km/h in Nardo

Nach den ersten schnellen Runden auf dem Oval in Nardo in seinem auf 1.200 PS aufgeplusterten Porsche 911 GT3 erzählt er an der Box mit sparsamer Mimik, wie das auf 3,9 Liter Hubraum aufgebohrte Sechszylinder-Triebwerk plötzlich mit zwei bar Ladedruck zu kämpfen hatte und er das ob des Drehmomentüberschusses tänzelnde Heck einfangen musste - bei 360 km/h. Tuner-Garn? Nein, den von auto motor und sport in den Fahrzeugen installierten Video-Aufzeichnungsgeräten entgeht nichts, weshalb der Tanz des 9ff-Tieffliegers über die vier Fahrbahnen des Ovals von Nardo von allen Anwesenden bestaunt werden kann.
 
Bereits die Startprozedur des auf knapp 1,4 Tonnen erleichterten Sportwagen-Extrems gelingt nur unter Verrenkungen und mit dem nötigen Wissen um das hochgezüchtete Aggregat im Heck. Ein paar Tapser Gas, langsam anrollen und dann - ja dann passiert überraschend wenig. Erst bei rund 4.000 Umdrehungen platzt dem mit 8,1:1 niedrig verdichteten Aggregat regelrecht die Hutschnur, die Nadel des Drehzahlmessers schnalzt schlagartig in den Begrenzer, so dass nur Sekundenbruchteile Zeit bleiben, um die sechs Gänge durchzureißen.

Um die Geschwindigkeit schert sich dabei niemand, denn es erfordert einfach zu viel Konzentration, den Porsche daran zu hindern, über der nächsten Bodenwelle der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Nardo abzuheben und erst auf dem Marktplatz von Brindisi als orangefarbener Komet zu verglühen.

Rekord in Nardo mit 387,4 km/h

Speziell bei Topspeed erweist sich eine austrainierte Leichtbau-Karosserie nicht unbedingt von Vorteil, zumal sich der Asphalt von Nardo weit weniger eben ausrollt als vermutet. Speziell bei Kilometer fünf haben Zeit, Beanspruchung und Wetter einige sportliche Erhebungen in den Belag modelliert, die bei Tempi jenseits von 300 km/h eine kräftige Muskulatur erfordern - von den Händen bis zu den Pobacken.
 
Der Geräuschpegel im Porsche 9ff-GT3 schwillt unterdessen auf ein Niveau an, das im Bereich einer Grundschulklasse im Colarausch vor Ferienbeginn liegt. Fatthauer hört einfach weg, peitscht stattdessen den GTurbo 1200 in Nardo auf sagenhafte 387,4 km/h - schneller war keiner, auch nicht bei den zwölf voran gegangenen Höchstgeschwindigkeits-Partys von auto motor und sport in Nardo.

BMW M5 mit 900 PS im Nardo -Tiefflug

Dabei wollte der BMW M5 von G-Power in Nardo genau das verhindern. Zwei Kompressoren drängen sich neben dem V10-Triebwerk, dessen Airbox durch ein zweiflutiges Ladeluftkühlersystem ersetzt wurde. Zwei größere Radialverdichter erhöhen die Leistung auf 900 PS. In der bisherigen 750-PS-Variante schwang sich die rund zwei Tonnen schwere Limousine zu verbrieften 367,4 km/h auf, jetzt will G-Power mehr - der Hurricane aber nicht. In einer singend-schreienden Klangwolke schiebt die mattschwarze Limousine über den Rundkurs, so dass selbst das automatisierte Schaltgetriebe alle Zahnräder voll zu tun hat, rechtzeitig die passende Welle bereitzustellen.
 
Nicht nur das Getriebe entlastet den Fahrer auf dem Highspeedkurs von Nardo, denn im Gegensatz zum radikalen Porsche gönnt der Hurricane seinen Passagieren jenen belederten Komfort, den die letzte Generation der Power-Limousine auszeichnet. In den Untiefen der Elektronik haben sich allerdings einige Bits an den Strand verabschiedet, so dass die GPS-Anzeige bei exakt 339,4 km/h verharrt - und zwar bei jedem Anlauf. Obwohl die Techniker verbissen mit dem Laptop im Daten-Bus des M5 herumwühlen, finden sie dabei vor Ort keine Lösung des Problems. Firmenchef Zoran Zorneke sieht es sportlich: "Dann müssen wir eben 2011 noch einmal antreten."

Geiger-Corvette mit 692 PS in Nardo

Bis dahin wird es voraussichtlich auch eine etwas dezentere Auspuffanlage für die Corvette ZR-1 im Geiger-Programm geben. Überraschend: Trotz der üppigen Dimensionen des Endschalldämpfers schwappt der V8-Klang des Kompressortriebwerks warm blubbernd durch das knapp geschnittene Interieur, verschont die Insassen von nervenzehrenden Brummfrequenzen. Die wackeligen, viel zu kleinen Seriensportsitze stören weit mehr und werfen zunächst die Frage auf, ob Amerikaner wirklich Autos bauen können. Im Falle der Corvette fällt die Antwort eindeutig aus - sie können. Weshalb Geiger das serienmäßig 647 PS starke Triebwerk vergleichsweise sanft per modifizierter Elektronik auf 692 PS lupft.
 
Das reicht, um Armin Rugamer den Weg auf dem Oval von Nardo zum Top-Speed 341,6 km/h so angenehm wie möglich zu gestalten. Natürlich lässt sich die straff abgestimmte Top-Vette von den Bodenwellen beeindrucken, der vergleichsweise lange Radstand und das höhere Gewicht verursachen dabei eine weit weniger intensive Schweiß-Produktion beim Piloten als beispielsweise der 9ff-Porsche.

Audi R8 von MTM mit getuntem RS6-Motor in Nardo

Im Audi R8 von MTM wird es dagegen kuschelig warm, weil die Klimaanlage des soeben fertiggestellten Mittelmotorsportlers noch nicht funktioniert. "Wir sind hier in Nardo erstmals außerhalb des Prüfstands mit dem Wagen unterwegs, schaun mer mal, was passiert", erklärt Mayer. Statt umständlich Turbolader auf den V10 zu adaptieren, transplantierte er gleich den aufgeladenen Motor aus dem RS6 und steigerte dessen Leistung von 580 auf 777 PS. Ein manuelles Sechsganggetriebe sorgt für den Kraftschluss, vier angetriebene Räder für Traktion. Bei rund 3.000/min setzt unter typischem Lader-Pfeifen bedrohlicher Schub ein, der auf den Brustkorb drückt - 888 Newtonmeter melden sich zum Dienst, der bis über 6.000/min dauert.
 
Die rechte Hand klackt sechs Gänge durch die offene Kulisse, die Augen sind geblendet vom gleißenden Blutorange des R8-Interieurs. Bis 347,6 km/h reißt der Vortrieb nicht ab, Meyer ist zufrieden: "Der Antriebsstrang funktioniert, nur an der Aerodynamik müssen wir noch feilen." Dabei waren dem Audi R8 in Nardo doch über Nacht schon die Außenspiegel abhanden gekommen.
 

MTM-Audi RS6 schafft 362,5 km/h in Nardo

Dem Audi RS6, ebenfalls aus dem MTM-Stall, fehlt gleich die gesamte Rücksitzanlage, deren Raum nun von einem Überrollkäfig in Anspruch genommen wird. Mayer stülpt sich den Calimero-Helm über, zwängt sich in den Rennschalensitz der Limousine. Eine Runde genügt, dann stehen 362,5 km/h. "Perfekt, mehr will ich gar nicht", jubelt der Bayer. Ob mehr ginge, sei dahingestellt. Sicher ist: Einfacher geht es definitiv nicht. Der Gurt klickt ins Schloss, der Automatik-Wählhebel rutscht auf "D", und der MTM Audi RS6 Clubsport bollert los. Selbst das Federn vergisst er dabei nicht - kein Vergleich zum 9ff-GT3, dem unangefochtenen Sieger des diesjährigen Nardo-Events.
 
Gläser stoßen aneinander, Probleme lösen sich auf wie Schaum auf dem Weißbier. Ob der Vorrat für den Abend reicht?

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