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Unbekannte Porsche-Prototypen

Die geheimen Porsche

Porsche-Prototypen, Modellauswahl Foto: Achim Hartmann 43 Bilder

Im Museumslager von Porsche befinden sich einige Prototypen und Studien, die bisher nur selten oder gar nicht öffentlich präsentiert wurden. Motor Klassik zeigt exklusiv die interessantesten Modelle.

03.01.2015 Franz-Peter Hudek Powered by

Man muss schon etwas suchen, um unter den rund 300 hier versammelten Porsche die manchmal kuriosen und verwegenen Sondermodelle aus der Fahrzeugentwicklung zu entdecken. Viele der Autos verstecken sich unter weißen Paletots, die alle das Porsche-Wappen auf der Frontseite tragen. Andere stecken dreifach übereinander in riesenhaften Hängeregalen. Außerdem parken hier im 9.500 Quadratmeter großen Porsche-Museumslager in der Nähe von Zuffenhausen auch Rennwagen, mattschwarze Erprobungsautos, Nonstop-Weltumrundungs-Coupés sowie viele Vertreter jüngerer Baureihen inklusive aller Sondermodelle.

Viersitzer-911 von 1970

Mit der freundlichen Unterstützung von Museumslager-Chef Alexander Klein hat Motor Klassik sechs einzigartige Porsche-Studien herausgesucht, von denen bisher nur wenig oder gar nichts bekannt war. Bei drei von ihnen handelt es sich um Autos, welche das Modellprogramm vor allem in Richtung Viersitzer/Viertürer erweitern sollten, was erst 2002 mit der Einführung des Cayenne tatsächlich und erfolgreich realisiert wurde.

Einer der frühesten Porsche-Viersitzer ist das orange-rote Modell 915 von 1970. Als Basis dient hier unverkennbar ein Porsche 911 S, dessen Radstand um stattliche 35 Zentimeter verlängert wurde. So entstand ein echter 2+2-Sitzer mit genügend Platz für zwei halbwüchsige Kinder im Fond, die mit dem knappen Kopfraum und kurzen Rückenlehnen keine Probleme hätten. Allerdings leidet die sonst harmonische Elfer-Optik unter diesem radikalen chirurgischen Eingriff, weil die Proportionen nicht mehr stimmig sind. Zudem mindert wohl der lange Radstand die legendäre Elfer-Handlichkeit. Es blieb daher beim Einzelstück.

Vorläufer des Panamera von Harm Laagay

Doch der Ruf nach einem Porsche-Viersitzer wurde immer lauter. So beauftragte Mitte der 80er-Jahre Technikvorstand Ulrich Bez sein Team mit der Arbeit an einer viertürigen Limousine, dem Vorläufer des Panamera. Bez beschrieb den zukünftigen Wagen als "ein Learjet für die Straße". Chefdesigner Harm Laagay orientierte sich an der Optik des damals aktuellen Elfer und schuf eine kompakt wirkende, dynamisch gezeichnete Frontmotor-Limousine, die bereits Züge des zukünftigen 911-Modells 993 trug. Als Antrieb war ein 3,6-Liter-V8 mit über 300 PS vorgesehen. Der Motor sollte eine Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h ermöglichen.

Ende 1990 entschied sich der Vorstand für die Typenbezeichnung 989, die Produktion sollte im Juli 1994 beginnen. Aufgrund der zu erwartenden hohen Produktionskosten und wegen insgesamt rückläufiger Absatzzahlen hat Porsche am 24. Januar 1992 das Viertürer-Projekt 989 eingestellt.

Der Mini-Elfer 984

Das vielleicht interessanteste Fahrzeug unserer Prototypen-Kollektion ist das kleine Klappdach-Cabrio 984, an dem zwischen 1984 und 1988 gearbeitet wurde. Seine Abmessungen entsprechen in etwa denen des MGF von 1995. Unverkennbar trägt die Karosserie Stilelemente des großen Bruders 928. Der 984 sollte ganz nach alter Porsche-Machart "höhere Fahrleistungen als vergleichbare Sportwagen durch geringere Fahrtwiderstände anstatt durch höhere Motorleistung" erzielen. So stand es damals im Lastenheft. In Zahlen: Mit 135 PS konnte der 934 Kilogramm leichte Flitzer 230 km/h erreichen.

Als Antriebsaggregat dient ein luftgekühlter Vierzylinder-Boxer aus dem betagten Mittelmotor-Modell 914 mit 2,4 Litern Hubraum, den Porsche als Rumpfmotor von der Tuning-Firma Willibald bezog. Die Anordnung der Nebenaggregate der im Heck installierten Maschine ist dagegen eine Neukonstruktion. Doppelquerlenkerachsen vorn und hinten bilden das Fahrwerk. Es waren mehrere Modellvarianten geplant: Coupé mit Heckantrieb, auf Wunsch Allradantrieb sowie ein Roadster mit versenkbarem Dach. Der Fahrer konnte es nach hinten um 180 Grad umlegen, wo es unter einer großen Klappe verschwand.

Am Abend des 31. Juli 1987 erfolgte die problemlose Jungfernfahrt in einem unlackierten Prototyp. Dennoch wurde das 984-Projekt, in das bisher 10,5 Millionen Mark investiert worden waren, aus Kostengründen gestoppt. Außerdem mutet heute die geplante Markt- und Preispositionierung zwischen 924 und 944 doch etwas gewagt an.

959-Look und Audi-V8-Motor

Neben der Entwicklung eines Viertürers war auch die Suche nach Motoralternativen für den luftgekühlten Sechszylinder-Boxer eines der großen Themen in der Porsche-Entwicklung. Man experimentierte sogar (ausnahmsweise) mit Motoren, die nicht aus dem Porsche- Regal stammten, sondern von der nahen Verwandtschaft. So erhielt der mattschwarze 965 von 1988 zu Versuchszwecken den Motor des Audi V8.

Der Porsche 965 besaß eine etwas schmalere Karosserie als das Vorbild 959 und sollte den bisherigen 911 Turbo ablösen. In einem Fahrzeug ersetzte man den Sechszylinder-Turbo durch einen 3,6-Liter-V8 von Audi, der 234 PS leistete und nur mit Mühe in das extrahohe Elfer-Heck passte. Durch den Einbau gingen im Vergleich zur Audi-V8-Limousine zudem 16 PS verloren, sodass man gern zum traditionellen Sechser zurückkehrte.

Und jetzt ein weiterer, äußerst spektakulärer Viersitzer: der viertürige Porsche 928 H50. Von dem sportlichen Porsche-Kombi aus dem Jahr 1987 entstanden zwei Prototypen, die der Zulieferer ASC (American Sunroof Corporation) im benachbarten Weinsberg penibel in Handarbeit erstellte. Das Finish des mit viel Leder ausgestatteten Protoyp-Innenraums erreicht Serienniveau. Zur Luxusausstattung zählen auch vier elektrisch verstellbare Einzelsitze.

Der 928 für vier Passagiere

Die hinteren Türen sind entgegen der Fahrtrichtung angeschlagen und ersetzen zugleich die B-Säule. Dadurch ist der Einstieg in den geräumigen Fond ohne große Krabbelübungen möglich. Der um 30 Zentimeter verlängerte Radstand schafft auf den beiden Rücksitzen genügend Platz für zwei Erwachsene, die dort auch auf langen Strecken bequem sitzen können. Völlig serienmäßig blieb hingegen die Antriebstechnik, die einem Porsche 928 S4 mit 320 PS starkem V8 entspricht.

Nach ausgiebigen Tests über mehr als 5.000 Kilometer stellten die Porsche-Entwickler jedoch fest, dass die Karosserie-Steifigkeit des verlängerten und seiner B-Säulen beraubten 928 nicht den Anforderungen entsprach. So entstanden nur zwei Versionen des 928-Viertürers.

Das attraktivste Fahrzeug unserer Kollektion an "geheimen Porsche" ist der 968 Roadster von 1991. Seine flache Windschutzscheibe und ein niedrigeres Heck unterschieden ihn vom Serien-Cabrio. Es blieb bei dieser einen Designstudie.

Wer diese sechs spektakulären Porsche-Prototypen live erleben möchte, der sollte die Sonderausstellung "Projekt: Geheim!" im Porsche-Museum besuchen, die bisher unbekannte Prototypen und Versuchsmodelle aus über 60 Jahren Porsche-Erprobung zeigt.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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