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Vauxhall VXR8 Clubsport Wagon im Fahrbericht

Up-Sizing aus Down-Under

Vauxhall VXR8 Clubsport Wagon, Frontansicht Foto: John Colley 9 Bilder

Downsizing scheint in Australien noch nicht angekommen zu sein. Im Vauxhall VXR8 Clubsport Wagon steckt ein 6,2-Liter Corvette-V8-Triebwerk und ein bisschen Opel Omega B. Wir sind den Rechtslenker-Kombi aus Down-Under erstmals gefahren.

19.11.2013 Jens Dralle Powered by

Langsam wird es eng für den Vauxhall VXR8 Clubsport Wagon. Es ist beinahe so, als müsse man ein ausgewachsenes Kart über H0-Eisenbahnschienen bugsieren. In den Hügeln irgendwo zwischen Macclesfield und Buxton zerfließt zwar die etwas karge Landschaft ins schier Unendliche, doch ans Straßennetz mochte sie nicht viel von sich abgeben.

Tiefe V8-Klangsalven donnern durch die kalte Luft

Immerhin: Mit der Zeit stellt sich heraus, dass wohl die meisten Briten Ausflüge in diese Region für entbehrlich halten, weshalb der große Kombi nun etwas forcierten Auslauf zugestanden bekommt. Tiefe V8-Klangsalven stoßen donnernd durch die kalte Luft, das Gummi der 20-Zoll-Räder des Vauxhall VXR8 suchen zirpend nach Temperatur und Grip.

Im Grunde bleibt jetzt keine Zeit, um das für den einen oder anderen Europäer rätselhafte, 4,97 Meter lange Kombi-Wesen zu entmystifizieren. Doch als Journalist hat man ja durchaus einen Bildungsauftrag zu erfüllen, also bitte: Der Vauxhall VXR8 heißt eigentlich HSV Clubsport R8 Wagon, basiert auf dem Holden Commodore Sportwagon und entsteht in Clayton, einem Vorort von Melbourne, Australien. Demnach verbirgt sich hinter HSV nicht etwa eine norddeutsche Kickertruppe, sondern Holden Special Vehicles, die Sportabteilung der GM-Tochter Holden, gegründet 1988 von Tom Walkinshaw.

Vauxhall VXR8 Clubsport Wagon in England erhältlich

Und weil Australien als eine Art Dependance von Großbritannien gilt, GM dort wiederum mit Vauxhall – also Opel – eine Dependance unterhält und die Autofahrer beider Länder leistungsstarke Fahrzeuge sowie Linksverkehr schätzen, ja, deshalb darf der Vauxhall VXR8 Wagon dort offiziell einreisen. Das gilt ebenso für die Limousine, die gerade einen Kompressor-Achtzylinder bekam, wie für den Pick-up Maloo.

In allen drei Varianten dösen ganz tief drinnen die Gene des Opel Omega B, der für Europa seit nunmehr zehn Jahren nicht mehr gut genug erscheint. Warum eigentlich? Wo doch allein das Platzangebot Dimensionen aufweist, die bestenfalls ein Mercedes E-Klasse-T-Modell nicht sofort vor Neid die Zentralverriegelung blockieren lässt. Bis zu 895 Liter Gepäck passen hinter die Rücksitzbank des Vauxhall VXR8 Wagon bei dachhoher Beladung. Doch die weitaus bedeutendere Literzahl lautet: 6,2.

Da ja bekanntlich im GM-Regal wirklich prächtige Corvette-Achtzylinder-Aggregate herumliegen, sucht sich HSV ein LS3-Triebwerk heraus, 431 PS stark und mit einem maximalen Drehmoment von 550 Newtonmeter bei 4.600 Umdrehungen gesegnet. Und nein, es ist nicht an ein Automatikgetriebe gekoppelt. Wer sich das antun möchte – bitte, es steht in der Aufpreisliste.

Manuelles Sechsgang-Getriebe und verstärkte Kupplung

Ab Werk muss ein manuelles MM10-Sechsganggetriebe mit der Kraft zurechtkommen, mit freundlicher Unterstützung einer verstärkten Kupplung. Jetzt müssen nur noch die Hinterräder mit alldem fertig werden, weshalb HSV sicherheitshalber das Format 275/30 R 20 wählte (vorn 245/35 R 20). Um wirklich ganz sicherzugehen, hilft noch ein Sperrdifferenzial. Alles das nützt allerdings nichts, wenn es kalt und nass ist, so wie jetzt gerade, in den Hügeln irgendwo zwischen Macclesfield und Buxton.

Doch eine coole Socke wie der LS3-Motor pariert jede Gangart, auch das lässige Bummeln. Sachtes Brodeln erfüllt dabei den riesigen Innenraum, den die Australier mit größter Akribie einräumten – zumindest mit dem, was wohl in Down Under als Akribie gilt. Immerhin, es knarzt nichts im Vauxhall, und Gimmicks wie die Driftwinkel- und Antriebsmomentanzeige bekräftigen die Absicht des Kombis, sich weitestmöglich vom reinen Nutzwert entfernen zu wollen.

Corvette-V8-Saugmotor im Vauxhall VXR8 leistet 431 PS

Ein paar seitenhaltstärkere Sitze wären dabei durchaus hilfreich, aber was soll’s? Also Waden angespannt, Kupplung getreten, ersten Gang einlegen, Vollgas geben. Eine Launch Control-Funktion pendelt die Drehzahl bei 5.000/min ein, der Saugmotor zerrt brüllend an der elektronischen Leine. Die Kupplung fliegt, die Hinterräder schlupfen kurz auf der beinahe trockenen Fahrbahn, der 1,9 Tonnen schwere Vauxhall VXR8 Wagon rockt los.

In 4,9 Sekunden soll die 60-Meilen-Marke zu Staub zerfallen, mag sich das auf 100 km/h hochrechnen, wer will. Die Gangwechsel im Vauxhall VXR8 gestalten sich dabei in etwa so sperrig wie das gesamte Auto, doch das gesamte Auto hört auch auf den Beinamen Nachdruck. Selbst der berührungsempfindliche Monitor in der Mittelkonsole ist zuweilen überhaupt nicht empfindlich. Ja und? Glatt geföhnte Bundfaltenhosen-Träger fahren da draußen genug herum.

Der Vauxhall VXR8 trägt Cargohosen und Karohemd, mit hochgekrempelten Ärmeln natürlich, um seine kräftigen, behaarten Unterarme zu zeigen. Daher nimmt es ihm sein Fahrer auch nicht krumm, dass er Kurven nicht jubelnd entgegenfiebert, sondern eher durch sie hindurchgeprügelt werden will.

Niemand sollte ernsthaft filigranes Handling erwarten

Im Großen und Ganzen gelingt dem HSV-Team die Abstimmung der McPherson-Vorderachse und Mehrlenker-Hinterachse sehr ordentlich, nach spürbarem Einlenkuntersteuern kommt mit entsprechendem Gaseinsatz das Heck gut kontrollierbar zu Hilfe – wie gesagt, niedrige Temperaturen und Regenschauer torpedieren einen ordentlichen Urteilsspruch. Anbremsen? Mit der bissigen AP-Anlage des Vauxhall VXR8 Wagon problemlos und auf den Punkt genau möglich.

Dennoch sollte niemand ernsthaft ein filigranes Handling erwarten, was allerdings vorwiegend an der etwas tauben Lenkung liegt. Jedenfalls vermittelt der Vauxhall VXR8 jene Art von Fahrspaß, die nicht auf der schnellsten Rundenzeit, den kürzesten Gangwechseln oder der adaptivsten Fahrwerksregelung gründet, obwohl der Australo-Deutsch-Brite über ein gut abgestimmtes, dreistufiges ESP verfügt.

Stattdessen reizt der Kombi mit der direkten Anbindung des Fahrers an ein Urviech von Maschine sowie dessen rohe Kräfte, an deren Entfaltung vorwiegend Drehzahlen und nicht irgendwelche Lader-Konzepte beteiligt sind.

Vauxhall VXR8 Wagon zählt zu jenen herrlich verqueren Fahrzeugen

Schon den ersten Gasstoß beantwortet der Kurzhuber prompt, tobt mit Bärengewalt durch das Drehzahlband. Dabei wettert das 6,2-Liter-Aggregat boshaft aus den vier mit Walkinshaw-Prägung versehenen Endrohren des Vauxhall VXR8 Wagon, verschafft sich so bei jenen Respekt, die den eigentlich eher schlichten Kombi aufgrund des von flegelhaften Kiemen zerfurchten Vorderwagens und der üppigen Bereifung für einen Vorstadt-Prinzen hielten.

Vielmehr zählt der Vauxhall VXR8 Clubsport Wagon zu jenen herrlich verqueren, unmittelbaren Fahrzeugen, die allmählich in Vergessenheit geraten. Und zwar weil für sie nicht nur Großbritanniens Straßen, sondern auch das Verständnis einer neuen Generation von Autofahrern zu eng werden.

Technische Daten
Vauxhall VXR8 Clubsport Wagon 6.2
Grundpreis57.332 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4971 x 1899 x 1465 mm
Hubraum / Motor6162 cm³ / 8-Zylinder
Leistung317 kW / 431 PS (550 Nm)
Höchstgeschwindigkeit248 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,2 s
Verbrauch13,5 L/100 km
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