Vergleich US-Luxuslimousinen - Cadillac Seville, Chrysler New Yorker, Buick Park Avenue

In Europa so exotisch wie ein Bayern-König in Amerika: Cadillac Seville, Chrysler New Yorker und Buick Park Avenue haben nicht nur längenmäßig großes Format.

Das Label Straßenkreuzer klebt so trotzig fest, dass selbst der Gentleman auf Zurückhaltung verzichtet und ungeniert nach Maßen giert: 5,27 Meter ist der Chrysler New Yorker lang, 5,23 Meter misst der Buick Park Avenue. Die Relationen der freien Welt sind wieder zurechtgerückt. New Yorker und Park Avenue, daheim bescheiden bloß als Fullsize – ausgewachsen – bezeichnet, überragen den 5,21 Meter langen Mercedes SEL, der in Stuttgart- Untertürkheim ja als Staatslimousine gilt. Ausgerechnet die Luxus- Marke Cadillac leistet sich mit dem 5,18 Meter kurzen Seville einen Ausreißer ins Kompaktfach. Die Grenzen des Wachstums werden allerdings durch einen famosen 4,6 Liter-V8-Motor und den stolzen Preis von 109 650 Mark wieder aufgehoben. Bloß 79 500 Mark kostet der Buick Park Avenue, runde 81 000 Mark nimmt Chrysler für sein Spitzenmodell New Yorker. An Gemeinsamkeiten leisten sich die drei erwachsenen Amerikaner quer eingebaute Frontmotoren, Vorderradantrieb, Automatikgetriebe, die luxuriöse, beinahe verschwenderische Serienausstattung und vor allem das ernste Bemühen, dem Brandzeichen des schaukelnden und benzinschlürfenden Ami-Schiffs davonzufahren. Für den Balanceakt, in Amerika als Executive- Dienstlimousine mit Chauffeur ebenso ernst genommen zu werden wie in Europa als zeitgenössisch modern, lässt sich Chrysler vom alten Kontinent inspirieren. Der 3,5 Liter-V6-Motor erreicht – im Kopf etwas halbherzig mit vier Ventilen pro Zylinder, aber nur einer Nockenwelle pro Zylinderbank – seine Leistung von 211 PS (155 kW) bei 5850/min über Drehzahl und wirkt subjektiv spürbar durchzugsschwächer als der altmodische Stoßstangen-3,8 Liter-V6 des Buick. Dank präziser, direkter, nicht zu leichtgängiger Lenkung sowie straffer Abstimmung des Fahrwerks besteht der New Yorker auch außerhalb der Schlaglöcher Manhattans mit jener Souveränität, die seiner Länge entspricht. Sein riesiges Platzangebot versteckt der Chrysler unter einer Karosserie, die trotz aller Sachlichkeit und Strenge an das überschäumende Blech der frühen Jahre erinnert. Aus der glänzenden Portion Chrom am Kühlergrill steigen Motorhaube, Windschutzscheibe und Passagierraum wie ein Hang empor, der sich an der C-Säule zu einem Rückfenster im Stil der dreißiger Jahre einrollt und dann wie in den Siebzigern in die weite Ebene eines ausladenden Kofferraums übergeht. Wer im tiefen, dunklen Fond verschwindet wie in einem teuren schwarzen Loch, wird automatisch zum Executive Vice President befördert. Der Chrysler ist innen mit jener Business-Attitüde ausgeschlagen, die Luxus als Gebrauchsgegenstand verkauft. Kein Italiener rafft derzeit schwarze Lederfalten eleganter über Sitze und Innenverkleidung als der New Yorker-Innenarchitekt.

Kommentare
Eckhard Eybl

Autor:

Anzeige
Top Artikel
Audi A1 Sportback Fahrbericht: Aufgeladene Basisversion ab 17.250 Euro

Nicht gerade günstig, aber dafür ausgefeilt: der Audi A1 Sportback mit dem aufgeladenen Benziner 1.2 TFSI mit 86 PS im Fahrbericht.

Audi A1 Sportback 1.2 TFSI, Seitenansicht
Opel Combo CNG im Fahrbericht: Erdgas-Variante mit spürbarem Schub

Wie viel Opel steckt in dem bei Fiat produzierten Hochdachkombi Opel Combo? Fahrbericht der aufgeladenen Erdgas-Version.

Opel Combo 1.4 Turbo CNG, Frontansicht
Newsletter
Neuwagen suchen

Neuwagen zu Internet-Preisen

Konfigurieren Sie jetzt Ihr Wunschfahrzeug zu besonders günstigen Konditionen!

Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 12/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 12/2012
Sportauto
35 Jahre VW Golf GTI im Test: Ultimativer GTI-Generationen-Check

Wir testen 35 Jahre VW Golf GTI auf der Rennstrecke - eine Hommage in Daten, Fakten und subjektiven Eindrücken.

Ultimativer GTI-Generationen-Check
Motor Klassik
Raketenautos: Vom Bat-Mobil zum Jaguar C-X75

Batman fuhr mehr als einen, Daniel Düsentrieb sowieso, Opel erlangte durch sie Weltruhm und Chrysler baute eine Kleinserie.

Vom Bat-Mobil zum Jaguar C-X75
4WheelFun
Superkarpata Trophy 2012: Live-Report – Offroad am Limit

Brutaler Wettbewerb: Eine Woche lang schlagen sich die Teams auf eigene Faust durch die rumänischen Karpaten. Ein Live-Tagebuch.

Live-Report – Offroad am Limit
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...