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Fahrbericht Ford Escort Cabrio, Opel Kadett E Cabrio und VW Golf I Cabrio

Vergnügungspark: drei starke Cabrios on Tour

Ford Escort, Opel Kadett E und VW Golf I Cabriolets Foto: Hardy Mutschler 14 Bilder

Der Tiefgaragen-Rundkurs sichert den Open-Air-Spaß auch bei bitterer Kälte oder heftigem Regen. Für die luftbetonte Parkplatzsuche qualifizieren sich die Cabrioversionen von Ford Escort, Opel Kadett und VW Golf.

13.01.2007 Sebastian Renz Powered by

Wenn Mädchen bei Schmuddelwetter das Verlangen packt, mal wieder ihren Bikini überzustreifen, laufen sie ins Sonnenstudio. Beachvolleyballer umgehen die Regenzeit, indem sie sich Sand in eine Halle schippen lassen. Und ab Oktober plantschen Schwimmer nur noch in Hallenbädern. An entsprechend wetterfester Infrastruktur für Cabriofahrer dagegen mangelt es grundlegend. Natürlich könnte man auch bei niedrigsten Temperaturen offen über Landstraßen fahren. Windgegerbte Roadsterbesitzer weisen dabei gern auf den positiven Effekt für Immunsystem und Schönheit hin. Kälte mag ja vielleicht noch angehen. Regen nicht.
 
Vergnügungspark Tiefgarage

Schon die Vorahnung jener Düfte, die durchgeweichte Cabrio-Polstergarnituren ausströmen, lässt es wenig erstrebenswert erscheinen, mit offenem Dach durch den Monsun zu düsen. Tobt also ein Azubi-Taifun über die Wetterkarte, während es eigentlich an der Zeit wäre, das Auto ordentlich durchzulüften, bleibt die Tiefgarage die einzige Möglichkeit für ein paar Runden mit durchwehtem, aber nicht durchnässtem Haupthaar. Gut, mit einem gewundenen Landsträßchen kann es das Tiefgaragenoval nicht aufnehmen. Aber auch das beste Sonnenstudio ist nicht so gut wie der schlimmste Strand – welcher ja bekanntlich der von Rimini ist.

Auch bei der Wahl der Cabriolets darf man nicht zu opulent denken. Mit einem Rolls-Royce Corniche Cabrio bei der engen Tiefgaragen-Sause aufzukreuzen, wäre ein ebenso gewichtiges Handicap, wie mit einem Medizinball beim Basketball anzutreten müssen. Zudem sollen die RR-Herren unter der Mittelmeersonne ältlich playboyen und nicht den Kompakt- Cabrio-Buben in der Tiefgarage im Weg herumgondeln.
 
Escort, Kadett und Golf setzen ja ebenfalls vier Passagiere an die Luft. Und zeigen auf der Größe moderner Kleinwagen die Kunst des Raumwunderns unter dick gefütterten, ganzjahrestauglichen Softtops. Wer übrigens an ihren Henkeln herumkrittelt, hat noch nie gesehen, wie flach ein ungebügeltes Cabrio aussieht, wenn es sich seitlich abgerollt hat. Im Vergleich zu den aktuellen Cabrios Ford Focus, Opel Astra TwinTop und VW Eos zeigen die drei Altstars, wie hübsch ein nett auftoupiertes Faltdach das Heck schmückt – im Gegensatz zu den ausladenden Hinterteilen der Neuen, die dort ihre raumgreifenden Dächer unterbringen.

Oder unterbringen könnten. Denn je härter sich Cabrios bedachen, desto seltener werden sie ja geöffnet. Bald wird man Stahldach- Cabrios zugelötet ordern können – gegen Aufpreis –, um die Zugluft ganz zu reduzieren. Bis dahin verhindern Windschotts und weit nach hinten gezogene Frontscheiben auch bei hohem Tempo zuverlässig ein Verwuscheln der Frisur. In Golf, Escort und Kadett weht es schon bei den dezenten Geschwindigkeiten auf den TG-Runden wie aus dem Fön. Obwohl sich bei allen die hinteren Seitenscheiben nur zur Hälfte herunterkurbeln lassen, regulieren die Fensterpositionen den Luftzug präzise.

Elektrik gegen manuell

Unser Escort öffnet das Verdeck elektrisch. Spannhaken links und rechts am Scheibenrahmen lösen und Knopfdruck: Das Dach-Origami beginnt. Das ist zwar ein bisschen ein Halli-Galli, spart aber kaum Mühe und sicher keine Zeit. Der Escort wurde wie der Golf bei Karmann gefertigt. Neben der Produktionsstätte übernahm Ford von ihm auch das Verdeck. Man muss schon sehr trödeln, um das manuelle Golf-Dach langsamer zusammenzufalten als der E-Motor im Escort. Außerdem ist das Klappen ja der angenehmere Teil der Öffnungsprozedur. Danach geht erst das große Fummeln los – wenn die Persenning über den Verdeckwulst gewurstelt wird. Der Kadett stellt dabei die kleinere Herausforderung dar. Bei ihm mag man sich Fingernägel abbrechen.

Ein Fingerspiel

Bei Golf und Escort stehen gleich die ganzen Finger auf dem Spiel, bis alle Häckchen in den Ösen stecken. Wenn man sich zu zweit an der Abdeckung zu schaffen macht, bieten die Karmann-Cabrios großartige Möglichkeiten gegenseitiger Blutgrätschen. Aber dann sitzen die Staubhauben auch, wohingegen sich die des Kadett wieder in den Kofferraum zurückzieht. Denn die Plastikzapfen an der Persenning und die Ösen am Verdeck brechen nach genau dreieinhalb Tagen ab. Genauso schnell verschmutzt das Dach ohne Abdeckung. Damit das auch möglichst auffällig passiert, trägt es Weiß. Doch die Stripperei lohnt schon beim Ausparken. Erst offen lassen sich die Cabrios überblicken. Vor allem Golf und Kadett sind geschlossen böse Retour-Kutschen. Schaut man beim Rückwärtsfahren nach hinten, blickt man in eine dunkle Höhle.

Erst weit hinten leuchtet ein wenig Helligkeit durch die kleinen Heckscheiben. Beim Escort hilft ein Spoiler, das Ende der Karosserie abzuschätzen. Mehr Aufgaben erfüllt der Flügel nicht. Dem vorbeiströmenden Wind ist er sehr egal. Vielleicht beeinflusst das Brett ja Feinstaubwerte – das Fahrverhalten tangiert es jedenfalls nicht. Hingegen ergänzt er das eher schlichte denn ergreifende Heckdesign des Escort. Der ist ja das Sandwich-Cabrio, erschien 1983 – vier Jahre nach dem Golf und vier Jahre vor dem Kadett. 1986 bekam er eine glatte Front nach Sierra-Art und ein gefälligeres Cockpit.

Platz ist knapp bemessen

Trotz der größten Außenlänge bietet der Escort nicht den meisten Platz. Zwar gibt er sich nominell als Fünfsitzer aus. Aber die drei, die sich auf den Rücksitz klemmen, müssten schon solche Hungerhaken sein, dass sie unangeschnallt vom Fahrtwind aus dem Auto gepustet würden. Im Escort brandet die Luft bei der kleinen Garagen- Rundreise herb in den Innenraum. Die Fegerei lässt sich mit dem 1,6-Liter-105 PS-Motor regulieren. Doch ein wenig überrascht das XR3i-Aggregat schon. Z

um Sport muss sich das Triebwerk der Sportversion hörbar quälen, lässt dabei keinerlei Begeisterung erkennen. Für Päuschen von der Rennerei und für niedrige Drehzahlen sorgt das Getriebe. Auf der Suche nach den Gängen muss man ziemlich in der Schaltung herumstochern, erwischt dabei gern einen falschen, höheren Gang – drei statt eins und vier statt zwei. Auf dem engen Oval verliert der Escort wegen der fehlenden Servolenkung viel Zeit auf die anderen zwei. Jedoch wirkt er geschlossen dank seiner gestreckten Linie am elegantesten.

Youngtimer mit Charisma

Und er erlaubt sich ein paar sympathische Schrulligkeiten, die dem Golf in übersorgfältiger Modellpflege ausgetrieben wurden und dem moderneren Opel nie zu eigen waren. Der Escort ist das charismatischste Youngtimer-Cabrio. Dem Kadett dagegen geht – obwohl bei Bertone gebaut und damit Halb-Italiener – jedes mediterrane Flair ab. Von 1987 bis 1993 angeboten, erreichte der höfliche, ganz unwilde Kadett nie die überwältigende Popularität des Golf. Selbst der Escort – allerdings sieben Jahre gebaut – schaffte zwei Drittel mehr Verkäufe. Vielleicht liegt es daran, dass der Kadett mit dem dicksten Bügel, der tiefsten Sitzposition und der stärksten Frontscheibenneigung zwar das geborgendste Fahr-, aber das geringste Cabrio- Gefühl vermittelt.

Doch der Kadett macht nichts falsch, sondern belüftet seine Passagiere eben höflich. Das und der kleine 75-PS-Motor machen den Wagen ein bisschen zum Schnucki-Auto. Da Verwindungssteifigkeit keine herausragende Stärke des offenen Opel ist, würde der 115-PS-GSi-Motor die dann Dorfdisco-kompatibel tiefergelegte Karosse auch zu nachhaltig erschüttern. Wie die anderen wiegt der Kadett weniger als eine Tonne. Da reichen die braven 75 PS aus, obwohl der Opel auf den kurzen Geraden im Parkhaus ein wenig den Anschluss an den Ford und den VW verliert.

Vor allem agil

In Kurven holt er dank der präzisen Servolenkung und des agilen Fahrwerks wieder auf. Der Kadett ist das modernste Youngtimer-Cabrio. Richtig modern war das Golf I Cabrio nie. Bei seiner Premiere 1979 war die Basis schon fünf Jahre alt. Doch Volkswagen ließ ihn stur weiterproduzieren. So wurde er schon zu Bauzeiten ein Klassiker und schließlich das meistgefertigte viersitzige Cabriolet aller Zeiten. Wenn auch in Ehren ergraut, setzte er doch nach 14 Jahren Bauzeit noch Maßstäbe in puncto Verwindungssteifigkeit und Verdeck. Die Karmann-Qualität adelte ihn zum kleinsten Rolls-Royce-Cabrio und den würdigsten Nachfolger, den es für das Käfer Cabrio je hätte geben können.

Golf mit Ausdauer

Auch wenn das Facelift von 1987 kein Glücksgriff war: Die fetten Stoßstangen, Radlaufverbreiterungen und Schweller überschminken die filigrane Linie. Doch so wirkt der Golf stabiler als die beiden anderen Cabrios. Die übertrifft er auch in der Luftzufuhr. Durch die steile Frontscheibe und die hoch eingebauten Sitze bekommt man vorn eine starke Böe, hinten einen mittleren Orkan ab. Dem Golf-Motor geht auch als Letztem die Puste aus. Der 1,8-Liter-Langpleuel-Vierzylinder drückt früh seine maximale Kraft auf die Kurbelwelle. Bei gemütlichem Cruisen begeistert er mit Laufkultur, beim Bolzen mit spontaner Kraftentfaltung. Weil sich auch Fahrwerk und Lenkung keine Schwächen erlauben, ist der Golf das bestgereifte Youngtimer- Cabrio.

Doch jeder der drei Offenen für sich ist ebenso begehrenswert wie bezahlbar. Für ein paar grüne Scheine – Gegenwert eines Designer- Bikinis für die Freundin – gibt es Exemplare mit genug TÜV für diesen Sommer und den nächsten Winter. Man sollte sie das ganze Jahr angemeldet lassen, im Sommer unter Sonne, bei Regen unter Neonröhren auspacken. Eine Stunde Parkhaus-Open-Air kostet einen Euro. Dafür können Bikini-Mädchen nur acht Minuten im Solarium braten.   

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