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Visio M im Fahrbericht

E-Flitzer für rund 16.000 Euro

Visio M, Frontansicht Foto: Beate Jeske 8 Bilder

Studenten, Doktoranden und Professoren der TU München haben das Elektroauto Visio M entwickelt. Ihr Ziel: E-Mobilität zu vernünftigen Preisen möglich zu machen.

08.04.2015 Birgit Priemer

Wir dürfen noch vor Bundesministerin Johanna Wanka ran, die sich einen Eindruck verschaffen will, was aus ihren Fördergeldern geworden ist. Immerhin 7,1 Millionen Euro hat das Forschungsministerium in den letzten zweieinhalb Jahren zur Verfügung gestellt, um am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TU München im Verbund mit der Industrie erkunden zu lassen, wie das E-Auto der Zukunft aussehen könnte – eine schöne Stange Geld.

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Fahrbericht Visio M der TU München
auto motor und sport 04/2015
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Studenten in dunklen Anzügen bereiten in der Werkstatt den Besuch vor, legen Broschüren aus und rücken in aller Ruhe Exponate zurecht. Der kostbare Prototyp darf die Halle sogar noch einmal verlassen, um mit auto motor und sport auf Erprobungsfahrt zu gehen. Es regnet schließlich nicht.

Fokus auf Bezahlbarkeit

Also reinsetzen, sich im kargen Interieur einrichten. Aber halt – so einfach geht das in dem 3,60 Meter langen Visio M nicht. Wer die ideale Position sucht, verstellt nicht den Sitz in Längsrichtung, sondern Pedalerie und Lenkrad. Kurze Eingewöhnungsphase, dann passt es. Das zentrale Bedienelement in der Mitte wirkt zumindest für iPad-Nutzer auf Anhieb vertraut.

Den Forschern rund um Lehrstuhlinhaber Markus Lienkamp ging es beim Visio M vor allem darum, ein bezahlbares Elektroauto zu entwickeln – eine Art Volkswagen also, obwohl diese Marke auf der Liste der Projektpartner fehlt. Immerhin sind Daimler und BMW mit dabei. Zweite Forderung im Lastenheft war, dass das Auto wenig wiegt: "Für ein E-Auto ist geringes Gewicht essenziell", erklärt Lienkamp, "denn mehr Gewicht erfordert mehr Akkuleistung für die gleiche Reichweite und verursacht so höhere Kosten."

Visio M wiegt nur 535 kg

Ohne Batterie wiegt der Zweisitzer mit einer Fahrgastzelle aus kohlefaserverstärktem Kunststoff gerade einmal 450 Kilogramm. Der Lithium-Ionen-Akku mit 13,5 kWh Kapazität, der hinter den Sitzen untergebracht ist, bringt es auf weitere 85 Kilogramm. Alles in allem beläuft sich die Reichweite des kleinen E-Flitzers auf rund 160 Kilometer – völlig ausreichend für die täglichen Büro- und Shoppingtouren. Keine Kompromisse gibt es in puncto Sicherheit: Der Visio M punktet mit Airbags im Stoßfänger, in den Türen und zwischen den Passagieren, um auch deren Zusammenprall zu verhindern.

Ein Tritt aufs Gaspedal, und schon legt der Visio M los – nicht so vehement wie ein BMW i3 zwar, aber so, dass der Pilot eine Prise Fahrspaß schnuppern kann. Der Wagen lenkt agil in Kurven ein und bietet selbst auf unebenen Pisten einen ordentlichen Federungskomfort. Die Macher versprechen eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 12,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit soll bei abgeregelten 120 km/h liegen – theoretisch ginge noch mehr.

Visio M im Slalom mit 65,6 km/h

Und noch ein Wert für Zahlen-Enthusiasten: Den normierten 18-Meter-Slalom schafft das Forschungsauto mit 65,6 km/h. Damit bewegt er sich auf Augenhöhe mit dem Hybrid-Sportwagen BMW i8. Schließlich bestand das Ziel der Forscher darin, ein vollwertiges Autokonzept zu entwickeln, das auch in Sachen Agilität keine Einbußen erfordert – trotz schmaler 16-Zoll-Räder. Eine ausgewogene Achslastverteilung und ein niedriger Schwerpunkt tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei.

Bei der Ausfahrt rund um das Unigelände in Garching bei München erregt das Unikat wenig Aufsehen, denn die Menschen hier haben sich offenbar schon an den Anblick des aerodynamisch optimierten Modells (cw-Wert 0,24) gewöhnt. Als Nächstes will Ministerin Wanka erfahren, ob sich ihre Investition gelohnt hat. Denn erst wenn aus dem Einzelstück bis 2020 ein Serienauto für die angestrebten rund 16.000 Euro wird, war es eine gute Geldanlage.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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