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Volvo 340 DL

Schwedischer Kompakter im Fahrbericht

Volvo 340 DL Foto: Frank Herzog 10 Bilder

Deutsche Autofahrer stehen ständig unter Strom: Überall müssen sie die Ersten sein, das ganze Leben ein einziger Stress. Dabei wäre Entspannung leicht zu erreichen. Unser Tipp: Schwedenstahl aus Holland. Einfach einen Volvo 340 kaufen. Vielleicht sogar mit Variomatic.

31.08.2009 Klaus Finkenburg Powered by

Legenden, die sich um als besonders schräg geltende Autos ranken, gibt es viele. Beispiel gefällig? Irgendwann in den 70er Jahren treffen sich ein holländischer, ein schwedischer und ein französischer Automanager zum Geschäftsessen.

Man speist in dem üblichen gehobenen Restaurant und ist auch einem edlen Tropfen nicht abgeneigt. Nur der Holländer bevorzugt einen Joint. Nachdem die üblichen Freundlichkeiten ausgetauscht sind, hat der Schwede seine erste Flasche geleert. Schon leicht beschwingt kommt er zum Anlass des Treffens: "Wir brauchn dringennt wass Kompakts. Abber hegggetriebenn, wie unsssre andrenn auch."

Große Augen beim Franzosen. Bei ihm zuhause befinden sich die angetriebenen Räder üblicherweise vorn. "Muss Moteur dann aber längs. Passt also nur ganz kleines Moteur", gibt er zu bedenken. Kein Problem für den Holländer: "Wenn die Getriebe hinten, ist doch genug Luft unter die Haube." Er nimmt noch einen tiefen Zug von seiner Tüte und kichert vor sich hin: "Und dann haben wir ja noch unsere bewährte Antrieb mit die Gummi."

Der Volvo 340 DL ist eine Art Golf mit Transaxle-Antrieb

Ganz ernst gemeint war letzteres freilich nicht. Doch dem Schweden, mittlerweile etwas benebelt, entgeht dies. Der Franzose, als Einziger nüchtern geblieben, nutzt die Gunst der Stunde und dreht ihm auch noch schnell einen müden, alten Baukastenmotor an. So wurde der Volvo 340 geboren. Es wird eine Art Golf mit Transaxle-Antrieb, wobei das Getriebe im Wesentlichen aus einem verwirrenden System von Gummibändern besteht, die die wenige Motorkraft so effektiv zügeln, dass das Auto auch nach zwei Flaschen kräftigem Roten noch problemlos zu beherrschen ist.

Die Voraussetzungen dafür, einen Flop auf dem Markt zu landen, könnten kaum besser sein. Doch Pustekuchen. Immerhin rund 1,1 Millionen Volvo der 3er-Baureihe setzten die Schweden bis zum Ende der Produktion 1991 ab. In einigen Ländern gelten Volvo 340 sowie die Stufenheckversion 360 mittlerweile sogar als höchst sammelwürdige Sahnestücke. Insbesondere die Holländer lieben das ursprünglich als DAF 77 entwickelte Auto, dort gibt es eine rege Clubund Liebhaberszene. Nur hier zu Lande gehört etwas Mut dazu, sich als 3er-Freund zu outen. Selbst ausgesprochene Volvo- Liebhaber betrachten das Auto bestenfalls als halbwegs standesgemäße Notlösung für den Winter, wenn der "richtige" alte Schwede Pause hat.

Der Volvo 340 DL ist eine eigenständige Erscheinung

Warum eigentlich? Der Volvo 340 ist im Vergleich zum zeitgenössischen Kompaktallerlei eine eigenständige Erscheinung, und man muss ja auch nicht unbedingt eine Variomatic-Version kaufen. Ab 1979 war der 340 nämlich auch als Schaltfahrzeug zu haben. Mit der Vorstellung des 360er im Jahr 1981 kam sogar ein fünfter Gang hinzu, mit dem auch der von uns gefahrene 340 aufwarten konnte. Trotz des weit vom Knüppel entfernten Getriebes und etwas langer Schaltwege gelingen zur Not sogar schnelle Gangwechsel flüssig und exakt. Zum Temperamentsbolzen wird das Auto zwar auch durch hektisches Rühren im Getriebe nicht. Sowohl im unteren als auch oberen Drehzahlbereich gibt sich das Aggregat eher zäh. Doch wer den Motor vor allem im mittleren Bereich laufen lässt, kommt ja auch vom Fleck.

Das Fahrwerk schließlich kann sogar vergleichsweise hohe Erwartungen erfüllen. Dank Transaxle-Bauweise und einer entsprechend günstigen Gewichtsverteilung sind beachtliche Kurvengeschwindigkeiten möglich - die man wegen der dann hohen Lenkkräfte aber eher vermeidet. So bleiben stets beträchtliche Reserven, was einer entspannenden Art der Fortbewegung ebenso zuträglich ist, wie der wenig Aufregung verursachende Motor. Beruhigend wirken auch die Bremsen. Sie sind gut zu dosieren und ermöglichen ordentliche Verzögerungswerte.

Das Platzangebot im Volvo 340 DL ist gut

Der Federungskomfort geht ebenfalls in Ordnung, obwohl der 340 hinten noch richtige Blattfedern hat. Trotz seiner kompakten Abmessungen vermittelt der 340 fast ein bisschen das Gefühl, einen richtigen, schweren Volvo zu fahren. Auch das Platzangebot ist gut, sogar im Fond und im Kofferraum (332 Liter). Hinsichtlich der Korrosionsbeständigkeit kann der kleine Volvo zwar nicht ganz mit den größeren Geschwistern mithalten, doch auch dem 340 wurden gute Anlagen für ein langes Leben in die Wiege gelegt. Die üblichen Schwachpunkte werden beim Standard-Kaufcheck schnell entdeckt: Hier sind vor allem Seitenschweller und hintere Radläufe sowie der Batteriekasten und die vorderen Federbeindome zu nennen. Dabei gilt die Faustregel: Je später das angebotene Fahrzeug gebaut wurde, desto besser ist tendenziell die Rostvorsorge.

Auch die Motoren sind problemlos. Sowohl der von Renault stammende 1400er als auch der einen Hauch kräftigere 1700er aus dem PSA-Regal gelten als sehr robust. Ein Schwachpunkt ist die Verschraubung des Luftfilters mit dem Vergaser. Insbesondere beim 1,4-Liter kann sich diese oder gleich der Vergaserdeckel durch Vibrationen lösen, der Motor zieht Nebenluft. Die entsprechenden Schrauben sollten daher regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls nachgezogen werden. Als fast unzerstörbar gilt der vergleichsweise kräftige 2-Liter von Volvo (ab 95 PS), ab Modelljahr 1981 offeriert.

Variomatic-Getriebe lässt den Volvo 340 skurril wirken

Der 1600er- Renault-Diesel mit 54 PS spielt eher eine Außenseiterrolle, extrem selten ist der aufgebohrte 1600er-Oettinger mit 90 PS. Dass der Volvo 340 als etwas skurril gilt, mag zum nicht unerheblichen Teil an dem von DAF entwickelten stufenlosen Variomatic-Getriebe liegen. Das 1400er-Motörchen, mit dem die Variomatic ausschließlich verbaut wurde, wirkt damit noch müder, als es tatsächlich ist. Zudem unterschätzen 340er-Besitzer gern den Wartungsaufwand des Riemengetriebes. Umfassende Tipps dazu gibt es auf den Internetseiten des Volvo-Forums "alter-schwede.de" im Bereich "Technik A - Z". Etwa alle 5.000 Kilometer sollte das Spiel der Riemen justiert werden, alle 20.000 bis 25.000 Kilometer steht ein Wechsel an. Die Kosten dafür liegen in der Volvo-Werkstatt bei knapp 400 Euro.

Über Schönheit kann man natürlich streiten, doch zeigt sich beim Volvo 340 durchaus mehr Licht als Schatten. Zum Einstieg in die Welt klassischer Volvo taugt er durchaus, leider wird das Angebot allmählich dünn. Die Preise sind aber auch heute noch sehr günstig. Selbst Topexemplare mit geringen Kilometerständen und guter Ausstattung kosten selten mehr als 2.000 Euro, brauchbare Autos mit ein bisschen Restaurierungsbedarf sind schon für wenige hundert Euro zu haben. Und der Gegenwert kann sich sehen lassen: Stresssymptome wie Schlafstörungen, Magenprobleme oder Herzinfarkt sind unter Volvo 340-Besitzern angeblich wenig verbreitet.

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