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Volvo 343L und V40 D3 im Fahrbericht

Volvoness damals und heute

Volvo 343L, Volvo V40 D3, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 22 Bilder

Falsch lag Franz Beckenbauer nicht, als er meinte: "Die Schweden sind keine Holländer." Und dass aus Holländern nur schwer Schweden werden, zeigt die Geschichte von Volvo 343 und V40.

23.05.2014 Sebastian Renz

Hundert Seiten umfasst die Bedienungsanleitung des Volvo 343. Weil der nach 45 Seiten schon erklärt ist, beschreiben die restlichen dann Pflegemaßnahmen wie den Getriebeölwechsel zwischendurch. Ums Fahren geht es nur auf Seite 38: "Fahren: Fahrpedal so weit niedertreten, dass die gewünschte Geschwindigkeit erreicht wird." Es folgen zwei Seiten über Wohnwagenbetrieb. Eh klar. Vorurteile? Wir?

Nein. Aber der Volvo 343 war nie ein Wagen für den ambitionierten Automobilisten. Wobei sich die ohnehin nur selten für das Produkt der DAF Corporation interessieren: den 66 nämlich, dessen singuläres, bis heute unvergessenes Highlight die Riemenautomatik darstellt, die es ermöglicht, vorwärts wie rückwärts gleich schnell zu fahren. Jedenfalls möchte der niederländische Konzern gern all den treuen Kunden eine Aufstiegsmöglichkeit bieten, entwickelt daher den 77. Der ist gleichzeitig fertig wie die Firma selbst, im Frühjahr 1975 übernimmt Volvo beides.

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Volvo 343L und V40 D3 im Fahrbericht Chose Hollandaise
auto motor und sport 06/2014
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Volvo V40 ist der erste echte kompakte Volvo

Ein paar Monate und wenige Änderungen später rollt im Frühjahr 1976 der erste Volvo 343 im niederländischen Born vom Band und ergänzt die Palette, die ansonsten nur aus dem gleich zum Volvo umgekrempelten DAF 66 und den 240/260- Modellen besteht. Das neue Kompaktmodell sei, so informiert ein Händlerhandbuch, ideal für "junge, trendbewusste Fahrer, Absolventen von Hochschulen sowie frisch vermählte Ehepaare".

Fast 40 Jahre später hat sich an der Zielgruppe nichts geändert (wobei dem exakten Vermählungszeitpunkt von Ehepaaren womöglich keine gar so große Bedeutung mehr zugemessen wird), aber der Volvo V40 ist seit 2012 der erste kompakte Volvo, der sie in der wendungsreichen Geschichte dieser Modelle erreicht. Die sind alle Kinder einer Mutter mit unstetem Lebenswandel. Nach dem Volvo 343 von DAF kooperieren die Schweden bei der 400er-Reihe (1988 bis 1996) mit Renault, verbandeln sich danach von 1996 bis 2004 für S40/V40 mit Mitsubishi. Die direkten Vorgänger des aktuellen V40, also C30, S40 und V50, entstehen in der kurzen, Missverständnis-Ehe mit Ford.

Focus lebt im V40

Auch der Volvo V40 nutzt weiterhin Technik des Focus II – das Fahrwerk etwa oder den 1,6-Liter-Turbodiesel. Doch gerade jetzt, da Volvo dem Geely-Konzern gehört, hat sich der 40er als das etabliert, was früheren Modellen verwehrt war: als echter Volvo.

Volvoness besteht ja aus einer Mischung von Trutzigkeit und Schweden-Folklore, die dazu führt, dass du dich selbst bei Graupelschauer in Köln-Niehl so eingemuckelt fühlst wie bei einem Sommerschauer im Heuschober von Bullerbü. Und aus Sicherheit: Ein Volvo lässt Elche an sich abprallen, und der Volvo V40 fährt das komplette Sicherheitsarsenal auf, vom Fußgängerairbag über das City-Notbremssystem, Spurhalte- und -wechselhelfer bis zum Querverkehrswarner beim Rückwärtsausparken. Etwas übertrieben könnte man feststellen, dass es einem der Volvo V40 schon erheblich erschwert, an einem Unfall teilzunehmen.

Das gelingt auch dem Volvo 343, bei dem die passive Sicherheit aus bulligen Stoßfängern, Knautschzonen, dem strukturell integrierten Überrollbügel, der Verbundglasfrontscheibe und als Flankenschutz in die Türen geschweißten Stahlrohren besteht. Für die aktive ist neben dem Fahrwerk mit McPhersons vorn und DeDion-Hinterachse der Antrieb zuständig. Mit seiner Lethargie stellt er sicher, dass man eigentlich nie rechtzeitig da ist, wenn sich irgendwo die Möglichkeit zum Verunfallen bietet.

Im Volvo 343 verbandeln die Techniker den 1,4-Liter-Renaultmotor mit der DAF-Variomatic. Motor und Kupplung sitzen vorn, das Getriebe an der Hinterachse. Bei ihm laufen die Riemen über zwei Kegelscheiben, die den Abstand zueinander so variieren, dass sich die Übersetzung kontinuierlich zwischen 14,22 und 3,86 : 1 verändert. So soll der Motor stets mit optimaler Drehzahl und damit besonders effizient arbeiten. Soll.

Bessere Rundumsicht im Volvo 343

Was unter anderem nicht gelingt – schon wegen der hohen Reibungsverluste der Riemen. Aber steigen wir doch einfach ein: Erstaunlich wuchtig schnappt die Tür ins Schloss. Wer die Cockpits alter Volvos mag, die in ihrer funktionalen Massivität immer an Schalterräume sowjetischer Kraftwerke erinnern, fühlt sich schnell wohl im Volvo 343. Dazu kommt die Rundumsicht – selbst wenn außer dem linken Fondfenster alle Scheiben zugefroren sind, siehst du da besser raus als aus einem ganz abgetauten Volvo V40.

Zündung. Start. "Ouououou", jault der Motor, also den Choke ein Stück herausziehen. Im zweiten Versuch rempelt der Anlasser den 1.400er an. Der verfällt in einen schnarrigen Leerlauf. Wählhebel ganz nach hinten auf D. Fuß von der Bremse. Und: nichts.

Das liegt an der Fliehkraftkupplung, die erst bei 1.050/min beginnt, den Kraftschluss herzustellen – ein Vorgang, der bei 2.350/min vollendet ist. 2.350 Touren sind für den kurzatmigen Motor eine ganze Menge, was dazu führt, dass ihn die Automatik gern im Zwischenbereich hält. In dem beschleunigt der Wagen sacht und verzögert, das Zu- und Abnehmen des lärmigen Antriebsheulens ändert sich außerhalb der Stadt. Da fällt das Abnehmen weg.

Emotionale Langsamfahrstufe

Gemächlich und brüllend schiebt sich der Volvo 343 durch die Landschaft, das beschauliche Temperament schont die Bremsen. Meist genügen Gaswegnehmen und die Riemenreibung zur Verzögerung. Dazu lässt sich die Motorbremse in der Langsamfahrstufe intensivieren. In die schaltet sich auch das Fahrergemüt. Denn trotz ausgeglichener Gewichtsbalance, Transaxle-Konzept und Hinterradantrieb kurvt der Volvo 343 schwermütig und mit erstaunlichen Lenkkraftforderungen um Biegungen. Er ist eben eher der geradlinige Typ. Aber wie er federn kann, selbst mit den Blattfedern hinten.

Diese Qualität fehlt dem straff abgestimmten Volvo V40. Er versteht sich als dynamischer Kompakter, was angesichts des – im Vergleich etwa zu einem BMW Einser – beschaulichen Handlings eine leicht verschobene Selbstwahrnehmung offenbart. Aber natürlich fährt er um drei Jahrzehnte leichter, schneller und effizienter als der Volvo 343. Wie in allen neu entwickelten Volvo seit dem 480 S von 1987 sitzt der Motor im V40 quer im Bug, treibt die Vorderräder (klar, mit Allrad beide Achsen) an. Als Besonderheit erlaubt sich der V40 den Fünfzylinder-Diesel mit vehementem Durchzug bei knurrigem Sound. Wie der Antrieb hat das Interieur die Kargheit aufgegeben: Während der 343 Tankvorrat, Tempo und Wassertemperatur anzeigt, spielt der V40 Schalttipps oder Abstandsdiagramme auf das in drei Grafikmodi programmierbare Display.

Mit 1.139.689 Exemplaren zählt der Volvo 343 zu den erfolgreichen Volvo, auch weil es ihn über 15 Jahre und als Viertürer, Limousine, mit Schaltgetriebe sowie stärkeren Motoren gibt. Immer ist er vernünftig und langlebig. Der Volvo V40 verbindet kurzweiligen Lifestyle mit schwedenstählernem Volvo-Image. Und wie der 343 Völker – Volvo baut ihn in Gent. Mit dem V40 sind die Schweden Belgier.

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