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VW Amarok 2.0 BiTDI im Fahrbericht

Das kann der Bi-Turbo-Pickup von VW

VW Amarok 2.0 TDI 4Motion Foto: Achim Hartmann 30 Bilder

Mit dem wüstenerprobten VW Amarok, dem lässigsten aller aktuellen Volkswagen, kommen goldene Zeiten für verhinderte Helden. Wer nach etwas Abenteuer in seinem Leben sucht kann auf den VW-Laster mit dem 163 PS starken Diesel bauen.

07.03.2011 Sebastian Renz

Mein Sohn ist noch klein. Er weiß noch nichts von all den Achttausendern, die ich nie bestieg, den Wüstenexpeditionen, die ich niemals unternahm, oder den Schneestürmen, in denen ich mich nicht verirrte, weil ich zuhause auf dem Sofa saß. Eines Tages wird er aber all das herausfinden und andere Menschen als Helden verehren als seinen Vater. Er wird mich vielleicht sogar ein bisschen belächeln, wenn ich wieder mal im Frühherbst die bis minus 30 Grad Celsius wärmesichernde Outdoorjacke anziehe, um danach vollklimatisiert durch den Pendlerstau zu stocken. Noch habe ich ein wenig Zeit, mir zu überlegen: Habe ich keinen Pickup, weil meinem Leben die echten Abenteuer fehlen, oder fehlen meinem Leben die echten Abenteuer, weil ich keinen Pickup habe?

Pickup strotzt vor Unbezwingbarkeit

Auftritt VW Amarok – ein Pritschenwagen mit einer Grundfläche von 10,3 Quadratmetern. Das entspricht einem Achtel der Dreizimmer-Innenstadtwohnung, vor der er sich unbeholfen in eine knappe Parklücke zwängt. Aber der VW Amarok ist goldbraun wie der GMC Sierra meines eigenen Kindheits-Fernsehhelden Colt Seavers. Der übersprang mit seinem Auto Greyhound-Busse und transportierte die selbst für Achtjährige erkennbar attraktive Heather Thomas auf der Ladefläche. Die Farbe schafft also gleich mal Vertrautheit zum VW Amarok, einem Auto, das bis in die Tiefen seines Leiterrahmens vor Unbezwingbarkeit strotzt. Schließlich hat es sich durch die wüsten Pfade der Dakar gewühlt – der Großmutter aller Raid-Rallyes.

Der VW Amarok-Testwagen nähert sich der Zivilisation durch Ausstattungselemente wie Isofix-Befestigungen, Schminkspiegel und Komfort-Blattfedern. Ich glaube nicht, dass Colt Seavers diese Extras bestellt hätte, denn damit wirkt der Amarok ein bisschen wie die Brokeback-Mountain-Version eines Cowboyautos. Wie es sich für einen Pickup gehört, liegt sein Cockpit im Hochparterre. Es schaut im Prospekt zwar kuschelig aus, aber die sonst so oberflächenflauschigen VW-Innenarchitekten haben es in bestem Hartkunststoff möbliert, der sicher gut mit dem aufpreisfrei bestellbaren Robustboden harmoniert. Vorn trennt eine Mittelkonsole mit der Massivität einer Backsteinmauer die Passagiere, auf der breiten Rückbank kommen drei unter, wobei ihnen der VW Amarok kaum mehr Knieraum zugesteht als ein Polo. Mehr ginge auf Kosten der Pritsche.

Mächtiger Diesel, mächtig viel Platz, minimaler Komfort

Die ist so groß, dass eine Europalette quer zwischen die Radhäuser passt, was VW bejubelt und die Hauptklientel sicher erfreut. In meinen Leben hält sich die Bedeutung der Europalette bisher allerdings in sehr überschaubaren Grenzen. Aber es muss ja was drauf auf die VW Amarok-Pritsche, also staple ich einige Sachen: ein paar Klafter Brennholz, viele Kubikmeter Altpapier, Bobby-Cars und ein Zweimannzelt. Man könnte hier sogar übernachten und wäre etwas sicherer vor Klapperschlagen – wenn man Ersteres jemals tun würde und es zweitens hier welche gäbe. Und überhaupt: Ist alles ganz praktisch, aber zu billig für ein Abenteuer.

So breche ich auf. Kurz vorglühen, dann rempelt der Anlasser den Zweiliter-Biturbodiesel im VW Amarok an. Er sitzt unter einer Haube vom Format einer Reihenhaus-Terrasse und selbstzündet trotz Common-Rail-Einspritzung in nageligem Pumpe-Düse-Slang. Ruppig verzahnt sich der erste von sechs lang übersetzten Gängen. Der VW Amarok mit dem Wendekreis eines Containerschiffs legt vom Seitenstreifen ab. Sein grunziger Diesel schiebt ihn auf die Autobahn, bei Tempo 170 verheddert sich da der Wind auf der Ladefläche. Weil die Komfortblattfedern noch immer für eine Maximalzuladung von 862 Kilo ausgelegt sind, federn sie mit der Feinsinnigkeit von Brückenträgern. So trampelt die hintere Starrachse des VW Amarok dem vorderen McPherson-Ensemble hinterher.

Kieswege beleidigen den VW Amarok

Runter auf die Landstraße und rein in die Wildnis, wo sich herausstellt, dass selbst die finstersten Ecken Deutschlands – also rund um Schorndorf – schon ausreichend erforscht sind, in einem Land, in dem man keine zwei Kilometer mehr fahren kann, ohne einen Coffee to go aufgedrängt zu bekommen. Als seien früher große Teile der Bevölkerung auf dem Weg zum Supermarkt an Unterkoffein verstorben. Ich schottere tapfer ein paar Kieswege entlang, was der VW Amarok mit dem serienmäßigen permanenten Allradantrieb, 24,9 Zentimeter Bodenfreiheit und 50 Zentimeter Wattiefe jedoch eher als Beleidigung denn als Herausforderung empfindet.

Und was von der Gesamtdramatik doch etwas hinter dem Überspringen eines Busses zurückbleibt. Aber das ist ja das Übel am öffentlichen Personen-Nahverkehr: Nie ist ein Bus da, wenn man ihn braucht. Dennoch: Wo dieses Auto nicht hinkommt, sollte man vielleicht besser gar nicht hinwollen. Dabei knurrt der Motor mit gerade mal 1.200 Touren, brummelt über Land, zieht ruckfrei hoch und zapft sich bei gemächlicher Fahrt alle 100 Kilometer nur knapp acht der 80 Liter aus dem Tank.

Ein paar Tage mit dem VW Amarok, und man erlebt die heimelige Souveränität, mit der er sich gegen alle Unbill stemmt: Eine Gewitterfront prallt an ihm ab, Blitzeis lässt ihn kalt, und wenn die Straße ausgeht, kraxelt er eben auf Feldwegen weiter. Bald kann man sich nicht mehr vorstellen, mit einem weniger talentierten Auto unterwegs zu sein.

Amarok – ein Auto mit vielen Möglichkeiten

Natürlich verkantet es sich in engen Ortskernen, aber wie erhebend ist es, Gartenabfälle auf der Deponie einfach von der Pritsche zu werfen und diese anschließend abzukärchern, während drum herum C-Klasse-Fahrer Flecken im verloursverkleideten Laderaum ihres T-Modells begreinen. Wir vergessen manchmal, dass es beim Auto nicht um veloursverkleidete Laderäume geht. Ein Auto soll uns das Leben einfacher machen, nicht komplizierter.

Darin besteht auch der größte Reiz des VW Amarok: Stell dir nur die Möglichkeiten vor. So vieles ginge, wenn es müsste. Absichtserklärungen – also die Weigerung, sofort und direkt zuzugeben, dass man etwas nie tun wird – sind natürlich oft der Haupterwerbsgrund für Laster wie den Amarok. Was man dem VW Amarok schlecht vorwerfen kann. Der Held, was er verspricht.

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Technische Daten
VW Amarok DC 2.0 BiTDi 4Motion
Grundpreis37.170 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe5254 x 1954 x 1834 mm
Hubraum / Motor1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung120 kW / 163 PS (400 Nm)
Höchstgeschwindigkeit181 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,1 s
Verbrauch7,8 L/100 km
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