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VW Amarok Offroad-Fahrbericht

Im Herzen Afrikas

VW Amarok Botswana Okavangodelta Foto: Ulrich Sonntag 25 Bilder

Wo sich Löwe und Antilope Gute Nacht sagen, soll der VW Amarok zeigen, was in ihm steckt. Der von vielen als schicker Lifestyle-Laster missverstandene Pickup muss richtig ranklotzen.

01.12.2015 Torsten Seibt Powered by

Es schnaubt, es raschelt, röchelt, rumpelt. Keine zehn Meter entfernt von meinem Zelt, eine helle Vollmondnacht, zieht eine Elefantenkuh vorbei. Ein Jungtier im Schlepptau. Auf welcher Seite der Respekt größer ist, lässt sich unmittelbar feststellen: Ich verziehe mich mal vorsichtshalber hinter einen ausreichend dimensionierten Baum und versuche unsichtbar zu werden. Hat zwar schon als Kind nicht geklappt, ist aber besser als der Gedanke daran, hier und jetzt als Elefantenschuh zu enden.

Willkommen in Afrika, dem echten, unmittelbaren.

Tatort der unheimlichen Begegnung der rüsseligen Art ist das Moremi Wildreservat, rund doppelt so groß wie das Saarland und Heimat von so ziemlich allem, was im südlichen Afrika Federn oder Fell hat. Sowie einer Handvoll Touristen, von denen sich gerade einer hinter einem Baum versteckt.

Weltkulturerbe Okavangodelta

Das Moremi Game Reserve liegt im obersten Zipfel Botswanas, mitten im weltberühmten Okavangodelta. Der rund 1.700 Kilometer lange Okavango speist hier unzählige Kanäle, Sümpfe, Seen und Wasserlöcher, die selbst zum Höhepunkt der Hitzeperiode im November nicht trocken fallen – Grund für die spektakuläre Artenvielfalt im 2014 zum Weltkulturerbe erklärten Okavangodelta.

„Wenn ich zu entscheiden hätte, wo ich meine letzten Lebenstage verbringe – das hier wäre wohl mein Favorit“ sagt Matthias Göttenauer. Er leitet unsere kleine Expeditionsgesellschaft durch das Moremi Game Reserve, und seine Einschätzung hat Gewicht: Mit seiner Agentur „experience“, aber auch als Expeditionsreisender im eigenen Auftrag, hat er die ganze Welt bereist. Unterwegs sind wir mit Göttenauers Safari-Flotte, bestehend aus acht VW Amarok. Der moderne VW-Pickup wirkt ungewöhnlich für diesen Einsatzzweck, doch Göttenauer schwört auf den Amarok.

Sein persönliches Exemplar hat bereits weit über 100.000 Kilometer auf der Uhr, die Teilnehmerfahrzeuge jeweils rund 60.000. Und der Großteil davon wurde irgendwo im Nirgendwo abgespult, auf Buckelpisten, Tiefsandfahrten, Schlammpfaden, zuletzt auf einer Afrika-Querung von Nord nach Süd. Bewusst ist auch die Getriebewahl ausgefallen. Die Teilnehmerfahrzeuge sind mit der Achtstufenautomatik ohne Geländeuntersetzung ausgestattet, verfügen allerdings zusätzlich über die zuschaltbare Hinterachssperre. Das beugt der Fehlbedienung durch Benutzer ohne Offroaderfahrung vor, eine abgerauchte Kupplung 500 Kilometer jenseits der Zivilisation kann niemand gut gebrauchen.

Vor allem aber, das zeigt der mehrtägige Offroad-Trip über anspruchsvolle Pisten im Okavangodelta, führt diese Wahl vor Augen, worauf es bei Expeditionsreisen wirklich ankommt: Keine für härtestes Gelände aufgebaute Extrem-Kompetenz, sondern unbedingte Zuverlässigkeit. Göttenauer hat allerdings auch etwas nachgeholfen, denn die Ansprüche an die Fahrzeuge, die teils mehrere tausend Offroad-Kilometer ohne Wartungsmöglichkeit bewältigen müssen, sind enorm.

VW Amarok mit sinnvoller Offroad-Umrüstung

Aufgerüstet wurden die VW Amarok zum Großteil aus dem Sortiment des VW-Offroad-Spezialisten Seikel. Ein Höherlegungsfahrwerk mit robusteren Dämpfern und verlängerten Federn an der Vorderachse liftet den VW Amarok um 25 Millimeter, Unterfahrschutzbleche für Motor, Tank und Getriebe sowie Rockslider an den Schwellern bewahren den Pickup vor Kaltverformung bei Felskontakt. Die Luftansaugung wurde mit einem Kunststoff-Schnorchel höhergelegt, was nicht nur die Wattiefe des VW Amarok stark erhöht. Der Schnorchel erlaubt auch die Montage eines Zyklon-Vorfilters, der im staubigen und sandigen Einsatz die Ansaugluft reinigt. Bei der Bereifung wird auf eine im Outback gut verfügbare Größe gesetzt: BF Goodrich All Terrain in 235/85-16, die weitere 25 Millimeter Bodenfreiheit gegenüber dem Serienzustand beitragen. Die Hardtops aus Aluminium stammen aus südafrikanischer Produktion.

Botswana ist nicht nur der atemberaubenden Fauna wegen ein lohnendes Ziel im südlichen Afrika. Als „Musterländle“ der Region zeigt der afrikanische Binnenstaat, was mit einer verantwortungsvoll agierenden Regierung möglich ist. Ein verhältnismäßig gut ausgebautes Gesundheitssystem, nahezu alle Kinder besuchen Schulen, fast ein Drittel davon bis zur Hochschulreife. Im von Transparency International ermittelten Korruptionsindex schneidet Botswana besser ab als Italien oder Spanien, auch religiös motivierte Konflikte sind hier praktisch unbekannt. Zum in Afrika nicht überall selbstverständlichen Sicherheitsgefühl für Reisende trägt natürlich auch die extrem geringe Besiedelungsdichte bei. Gerade einmal zwei Millionen Einwohner verteilen sich auf einer Fläche fast so groß wie Frankreich.

Einsamkeit und Natur pur

Für uns auf unserer Tour durch das Okavangodelta bedeutet das vor allem Einsamkeit und ungefilterte Eindrücke. Nahezu hinter jedem Busch sind Tiere auszumachen und zu beobachten, wer mit abgestelltem Motor in die Weite lauscht und späht, bekommt ein 3D-Kinoerlebnis der Extraklasse.

Die zum allergrößten Teil unbefestigten Pisten während der Exkursion sind in interessantem Zustand. Umgestürzte Bäume zwingen zu Umwegen ins Off, tiefe Auswaschungen und Löcher würfeln den Magen durcheinander. Die teils sehr sandigen, teils steinigen Wege bieten genug fahrerische Herausforderung, sie zu verlassen ist aus Naturschutzgründen streng untersagt. Auf längeren Verbindungsetappen zeigt der VW Amarok dann, warum ihn Göttenauer so mag: klapperfrei und stoisch bewältigt der Pickup den beschleunigten Marsch auf den Buckelpisten, gelegentlich rüde Fahrmanöver und volley genommene Querrillen mit ernstzunehmender Tiefe. Für die verstärkten Dämpfer, die auf den Pisten Schwerstarbeit verrichten müssen, sind wir besonders dankbar, sie schwächeln auch zum Schluss nicht.

Der VW Amarok bewährt sich im Härtetest

Der vermeintliche Verzicht auf die Geländeuntersetzung ist zumindest bei solchen Einsätzen in Wahrheit keiner. Die in den ersten Stufen kurz übersetzte Automatik bringt dank Wandlerunterstützung in tiefen Sand- und Schlammdurchfahrten selbst bei niedrigem Tempo ordentlich Drehmoment an die Räder, die zuschaltbare Hinterachssperre hat nur sehr sporadische Einsätze zu bewältigen. Das Ergebnis von drei Tagen intensivem Geländeeinsatz: Keine besonderen Vorkommnisse, kein Steckenbleiber, kein mechanischer Defekt, kein Plattfuß.

Die unbedingten Nehmerqualitäten des VW Amarok werden nach diesem Härtetest in Erinnerung bleiben. Viel mehr jedoch die unfassbare Vielfalt und überwältigende Natur in einem Land, das mit seiner Einzigartigkeit wohl jeden, der mit offenem Herzen reist, zum Wiederholungstäter werden lässt.

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