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VW Bulli im Fahrbericht

Hippie-Bus mit E-Antrieb

VW Bulli, Studie, Front, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Auch wenn der neue Bulli ein wenig den Geist der Hippie-Ära beschwört, ist er eigentlich ein richtiger VW: ingeniös, pfiffig und solide.

11.05.2011 Jörn Thomas

So richtig glauben können wir es erst, wenn wir den kompakten VW Bulli wirklich sehen – angeblich anno 2015 hinter den Schaufenstern der Händler. Zu oft und zu lange hat VW die Fans genarrt. Etwa 2001 mit der Studie Microbus. Abmessungen T4, postmodernes Design und ein 3,2-Liter-V6 hinterm Grill mit Maxi-Logo. Nun, das Maxi-Logo hat bis zum jüngsten Bulli-Vorschlag überlebt, der 3,2-Liter nicht.

Ob Bus-Freak oder Mini-Maniac - der VW Bulli kriegt sie alle

Gut so, die nur 3,99 Meter lange VW Bulli-Studie rollt lautlos - vorerst, der Antrieb des kommenden Golf E-Motion macht es möglich. Okay, für die neuerliche hippiemäßige Eroberung Hinterindiens auf den Spuren des T1 werden die 300 Kilometer Reichweite nicht genügen. Doch für den Sturm auf die Herzen der Autofans reicht es locker. Ob Bus-Freak oder Mini-Maniac, der VW Bulli kriegt sie alle. Und hat auch sonst einiges auf dem Kasten.

Etwa einen 85 kW und 270 Newtonmeter starken E-Motor vor der angetriebenen Vorderachse. Die dazugehörige Lithium-Ionen-Batterie mit zwei Einheiten von jeweils 20 kWh Kapazität steckt im Sandwichboden des VW Bulli. Dank dem flachen Boden und der konsequent kubischen Form mit steilen Seitenwänden räkeln wir uns vorn und hinten auf einer durchgehenden Sitzbank mit Platz für jeweils drei. Schalthebel? Wozu, er entfällt ebenso wie der Drehzahlmesser. Ein Drehschalter für Starter und Wählhebel genügt, sein Pendant gegenüber befehligt das Licht. Die Bedienung funktioniert fast so klar und intuitiv wie beim Ur-Bulli von 1950, obwohl der Begriff intuitiv damals ebenso exotisch war wie alternativlose Wutbürger.

Als der niederländische VW-Importeur seine legendäre Transporter-Skizze entwarf, gab es weder Marketingstrategien noch Kundenclinics. Die VW-Mannschaft verheiratete einfach Käfertechnik mit einer Kastenkarosse. Hinten schnatterten 25 PS, vorn kurbelte der Pilot am nahezu horizontalen Lenkradkranz. Aber irgendwie reichte es. Fürs Kleingewerbe und im zweiten Leben mit der Gitarre im Gepäck zum Hindukusch.

Drehmomentstark und emissionsfrei

Und heute? 2011 steckt ein iPad auf einer Leiste im Armaturenträger. Es genügt, über dessen Bildschirm zu streichen und zu drücken – schon ploppen die Apps, navigiert das System, spricht Bluetooth frei. VW Bulli goes Facebook. Die ganze Chose lässt sich überdies per Lenkradtasten steuern und auf das Multifunktionsdisplay im Armaturenbrett herüberziehen. Zieht der Beifahrer das iPad zu sich herüber, bekommt er seine Bildschirmdarstellung.

An die gute alte Gitarre, schwingende Saiten und schmauchendes Gras erinnert in Zeiten von Audio-Streamern und iPod-Separatisten lediglich der Fender-Schriftzug. Normalerweise auf Gitarren und entsprechende Verstärker spezialisiert, darf sich die Marke im VW Bulli um den passenden Sound kümmern. Was die VW-Presseorgane befleißigen, sofort einen Bezug zu Jimi Hendrix und dessen Fender Stratocaster herzustellen. Sie wissen schon, Woodstock, 1969, the star spangled banner und so.

Nun, unser exklusives VW Bulli-Rendezvous an einem Frühlingstag 2011 im niedersächsischen Outback hat mit Woodstock so viel zu tun wie ein Mikrowellen-Pling mit Drei-Sterne-Küche. Aber nichts gegen Mikrowellen. Sie sind genauso leise und praktisch wie der VW Bulli. Aber bei weitem nicht so lustig. Der 1.450-Kilogramm-Würfel saust E-typisch drehmomentstark und lokal emissionsfrei vom Fleck (11,5 Sekunden auf 100, maximal 140 km/h), liebt überdies Laderaum-Tetris.

Variabler Innenraum

Die vordere Bank des VW Bulli  lässt sich zu zwei Dritteln klappen, die Rückbank macht sich ebenfalls auf Hebelzug klein. Dann erweitert sich das Standard- Ladevolumen von 370 auf 1.600 Liter. Wer lieber flachlegt, kann dies ebenfalls tun – mit wenigen Handgriffen wird die in einem weiten Bereich verschiebbare Sitzanlage zur Liegewiese. Vordersitze und klappbare Verlängerung hinten helfen mit, auf den flachen Sitzrückseiten ruht es sich hervorragend.

VW Bulli kann auch mit Verbrennern

Ach, dann genügen Ihnen die 300 Kilometer Reichweite doch nicht? Kein Problem, der modulare Querbaukasten macht flexibel, wie Projektleiter Dzemal Sjenar schwärmt. So passen auch ganz normale Verbrennungsmotoren mit einem oder 1,4 Liter Hubraum hinter die Lüftungsschlitze. Lenken und fahren kann der VW Bulli schon jetzt mit seinem E-Antrieb wie ein Großer, wenn auch einer mit kleinem Wendekreis. Schwere Zeiten für die ohnehin schüttere Vier-Meter-Konkurrenz um Fiat Qubo samt Geschwistern sowie Renault Grand Modus, selbst wenn der Bulli sich preislich an Caddy und Touran orientieren dürfte.

Doch wer hätte in den 68ern gedacht, dass der Langhans irgendwann mal ins Dschungelcamp ginge? Viel lieber würden wir allerdings den VW Bulli auf der Straße sehen. Am besten schon morgen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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