VW Crafter 4Motion 23 Bilder Zoom

VW Crafter 4Motion Fahrbericht: Kompetenter Kletter-Kasten

VW bietet den Crafter ab sofort in einer Extrem-Variante an: mit Achssperren, Untersetzung und drastischer Höherlegung wird aus dem Kastenwagen ein ausgezeichneter Geländekünstler.

Nach Mercedes mit dem Sprinter bietet nun auch VW den gemeinsam mit Daimler entwickelten Crafter als Kastenwagen für Geländeeinsätze an. Anders als Mercedes, wo beim werkseitigen Umbau des Sprinter ein vergleichsweise mildes Paket zum Einsatz kommt, griffen die Entwickler der VW-Nutzfahrzeugabteilung allerdings in die Vollen. Dazu wurde ein weiteres Mal kooperiert, diesmal mit dem östereichischen Spezialumrüster Achleitner. Dort entstanden schon bisher sehr vernüglich umgebaute Geländetransporter auf Sprinter- und Crafter-Basis. Doch jetzt gibt es den Kletter-Kasten auf Basis der jüngst neu vorgestellten Crafter-Generation mit nochmals verfeinerter Technik ab Werk.

VW Crafter 4Motion: Multifunktionswerkzeug

Einsatzzwecke für ein solches Fahrzeug sieht VW reichlich. Bergbau, Konstruktionsbüros, Rettungsdienste oder ambitionierte Weltenbummler mit ausgedehntem Platzbedarf – ein praktischer Kastenwagen wird mit dem Umbau auf radikale Geländetechnik zum echten Multifunktionswerkzeug. Denn im Gegensatz zu den eher „schlechtwegetauglichen“ Transporter-Konzepten, wie sie auch VW zum Beispiel beim T5 anbietet, ist der neue Allrad-Crafter durchaus zu Offroad-Heldentaten in der Lage.

Dazu installieren die Achleitner-Techniker, die den von VW vorbereiteten Crafter für die jeweiligen Kunden umbauen, handfeste Geländetechnik. Hinten kommt eine Starrachse an Blattfedern zum Einsatz, vorne eine komplett überarbeitete und verstärkte Einzelradaufhängung. Die Stabilisatoren fallen kräftiger aus, um unangenehme Wankbewegungen zu unterdrücken. Das ergibt Sinn, denn gegenüber dem Serien-Crafter wuchs alleine über das Fahrwerk die Höhe um stolze zehn Zentimeter, hinzu gesellt sich die weitere erhöhte Bodenfreiheit durch die größere Geländebereifung.

Die Kraftverteilung übernimmt ein klassisches Verteilergetriebe mit Differential: der VW Crafter 4Motion hat permanenten Allradantrieb mit einer 50:50 Aufteilung. Wie beim Mercedes G gibt es für das Verteilergetriebe und für beide Achsen zuschaltbare 100-Prozent-Sperren, auch die Bedienungsreihenfolge (Mitte, hinten, vorne) gleicht dem G.

Technik wie beim Mercedes G

Ebenfalls per Knopfdruck zuschaltbar ist eine mit 2,5:1 knackig kurze Geländeuntersetzung. Elektrisch ist dabei allerdings nur der Eingangsbefehl per Knopf. Mechanisch geschaltet werden Sperren und Getriebeuntersetzung pneumatisch, also per Luftdruck. Das funktioniert robuster und schneller als Unterdrucksysteme oder die Steuerung per Elektromotor, so die Achleiter-Entwickler. Bei den Achsen handelt es sich um eine Eigenentwicklung von Achleitner, das Verteilergetriebe stammt vom japanischen Spezialisten Aisin.

Verheiratet ist das Gelände-Kompetenzpaket stets mit der stärksten Version der Crafter-Diesel: der auch aus dem Amarok bekannte Zweiliter-Vierzylinder leistet in der Crafter 4Motion-Ausführung 163 PS und 400 Newtonmeter, dirigiert wird er per Sechsgang-Schaltgetriebe.

Das Crafter-Cockpit ist bis auf die markenspezifischen Embleme bereits vom Mercedes Sprinter bekannt, was kein Nachteil ist: unter ergonomischen Gesichtspunkten findet der Fahrer einen gut sortierten und ordentlich möblierten Arbeitsplatz mit viel Ablagen und großer Bewegungsfreiheit. Die entscheidenden Merkmale des VW Crafter 4Motion finden sich dagegen links vom Lenkrad: eine Schalterreihe, die Sperren und Untersetzung ansteuert. Die restlichen Armaturen und Bedienungseinheiten entsprechen dem herkömmlichen Serien-Crafter, eine Umgewöhnung ist deshalb nicht nötig.

VW Crafter 4Motion im Geländetest

Beim Geländetest des VW Crafter 4Motion kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Kastenwagen erreicht zwar keine wirklich herausragende Verschränkung, doch dafür hat er ja die Differentialsperren an Bord. Kurz auf den Schalter getippt, aus dem Untergrund meldet sich die Pneumatik-Steuerung mit einem leisen „Pfft“ zu Wort und es geht nahezu unaufhaltsam vorwärts. Löcher, in denen man einen Kleinwagen verstecken könnte, durchmisst der Kastenwagen mit Seelenruhe. Dass es dabei wahlweise Heck oder Front auch mal einen halben Meter in die Luft hebt, verstärkt das Fahrvergnügen nur. Erstaunlich ist vor allem, mit welcher Dominanz der Zweiliter-Diesel in der Untersetzung anschiebt. Steilhänge lassen sich wahlweise im ersten Gang ganz behutsam erklettern oder im zweiten mit ordentlich Dampf.

Durch die weit oben liegende Sitzposition fühlen sich die Schräglagen zwar subjektiv dramatischer an als in einem herkömmlichen Geländewagen, doch durch die effektiven Stabis und den niedrigen Schwerpunkt geht mit dem Crafter mindestens genau so viel wie etwa mit einem Land Rover Defender. So lange man ihn nicht dachhoch schwer belädt – doch das gilt auch für einen Geländewagen.

Die Straßentauglichkeit soll durch das verstärkte Fahrwerk trotz Höherlegung kaum leiden, lediglich bei Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit zieht ein Serien-Crafter sicher davon. Auch beim Gelände-Crafter bleiben die wichtigen Sicherheitsfeatures (ABS, ESP, Airbags) unverändert im Einsatz, erst bei Aktivierung der Geländetechnik wird das ESP ausgeschaltet.

Der Wermutstropfen kommt zum Schluss: Als ausgesprochenes Schnäppchen geht der Umbau nicht durch. 19.950 Euro plus Steuer sind für das Komplettpaket mit drei Sperren fällig, erhältlich ist der Allrad-Umbau für alle Crafter-Varianten mit dem 163-PS-Diesel, vom Fahrgestell bis zum Großraum-Kasten. Immerhin: mit dem eigentlichen Umbau des Basisfahrzeugs hat der Kunde nun keine Umstände mehr: Ansprechpartner für Kauf und Wartung ist der Vertragshändler vor Ort.

Fazit:

Im Vergleich zu anderen Lösungen überzeugt beim VW Crafter 4Motion die Konsequenz, mit der hier auf echten Geländeeinsatz umgerüstet wurde. Keine Kompromisse mit Traktionskontrolle oder halbherziger Untersetzung, sondern handfeste Technik und ein echter Permanent-Allrad. Der deftige Preis ist leider klassenüblich, allerdings ist die Einbindung in die Konzern-Struktur bei Garantie, Ersatzteilversorgung und Wartung ein echtes Argument. Nicht nur für gewerbliche Anbieter scheint der VW Crafter 4Motion eine interessantes Angebot zu sein. Auch Weltenbummler und Expeditionsreisende erhalten hier eine reizvolle Alternative zu oft unterdimensionierten Geländewagen oder gebrauchten Militär-Lkw.
 

Jeep Grand Cherokee SRT8 2012 erster Test

Foto

Stephan Lindloff

Datum

12. Mai 2012
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