Stolze 170 PS: Für so viel Leistung brauchen frei saugende Serienmotoren üblicherweise 2,3 bis 2,5 Liter Hubvolumen. Der neue TSI-Motor im Golf GT schafft das mit nur 1,4 Liter. Damit setzt VW die Idee des Downsizing, mit der Motorenentwickler Hubraum und Verbrauch minimieren wollen, derzeit am konsequentesten um. Grundidee des Downsizing ist, Prozessverluste des Motors zu vermindern.
Vier statt sechs Zylinder verursachen weniger Reibung, auch die ständig zu beschleunigende Drehmasse ist geringer. Mit kleinerem Hubraum gehen aber vor allem geringere Ladungswechselverluste einher. Entscheidend ist dabei, dass mit Verschiebung des Betriebs im Kennfeld hin zu höherer Last auch häufiger Bereiche mit niedrigerem spezifischen Verbrauch angesteuert werden können. Ohne Leistungskompensation ließe sich Downsizing freilich kaum als Fortschritt verkaufen. Deshalb bietet sich an, die Frischluft- und damit die Gemischmenge im Brennraum via Turbolader zu steigern. Doch der leidet bekanntlich am Turboloch. Geschickte Auslegung moderner Steuerkonzepte kann es zwar einigermaßen wirksam stopfen, doch variable Lader für Benziner stecken derzeit noch in den Anfängen. Also entschied sich VW zur Harmonisierung des Drehmomentanstiegs für eine spektakuläre und nicht ganz billige Twincharger-Lösung mit Turbolader plus Kompressor (siehe Kasten Seite 66).
Von deren Zusammenspiel merkt der Fahrer praktisch nichts, und das ist die gute Nachricht. Denn es soll ja – ausgehend von einem soliden Sockel – für harmonische Drehmoment- Entfaltung sorgen. Erst die Boost-Anzeige ruft in Erinnerung, dass hier ein sportlicher Ladermotor arbeitet, wenn der TSI auf den schnellen Gasfuß mitunter um Sekundenbruchteile verzögert reagiert. Dabei klingt der 1,4-Liter erstaunlich unangestrengt. Zurückhaltend gefahren lässt sich der Verbrauch sogar auf sechs Liter/100 km eindämmen. Das ist natürlich nicht nur Ergebnis des Downsizing-Konzepts, vielmehr trägt auch die Benzin-Direkteinspritzung ihren Teil dazu bei. Zwar wird bei VW derzeit nicht der verbrauchsoptimale Magerbetrieb ausgereizt, aber auch der DI-Homogenbetrieb schafft mit der systembedingt stärkeren Innenkühlung die Möglichkeit einer vergleichsweise hohen Verdichtung (10:1). Bislang wurde sie bei Turbos oft reduziert, zu Lasten des Wirkungsgrades. Mit der Dieselversion TDI stellt VW dem GT-Benziner den stärksten Diesel-Golf aller Zeiten zur Seite.
VW Golf Benziner oder Dieselmotor: Trimm zwei
Volkswagen trimmt den Golf auf mehr Sportlichkeit. Im GT haben Kunden jetzt die Wahl zwischen einem jeweils 170 PS starken Benziner und einem Dieselmotor. Ein Konzeptvergleich.
Autor: Klaus-Ulrich Blumenstock



