VW Golf Blue Motion und Toyota Prius im Doppelfahrbericht

Welcher Antrieb knausert am meisten?

 Diesel gegen Hybrid: Mit dem Duell des neuen VW Golf Blue Motion gegen die dritte, deutlich verbesserte Auflage des Toyota Prius geht der Kampf der Verbrauchswunder in eine neue Runde. Doch wer hat die Nase an der Tankstelle und in der Praxis vorn?  

Es ist ein ungleiches Duo, das dort zum Boxenstopp an die Tankstelle rollt. Nicht nur, weil die beiden nach un­terschiedlichem Treibstoff ver­langen. Vielmehr stehen Toyo­ta Prius und VW Golf Blue Motion für einen beinharten Kampf der Konzepte, der schon so manchen Autofahrer- Stammtisch rauchen ließ.

Der VW Golf knausert nur für Kenner

So versucht der VW Golf nicht nur die Ehre des konventionellen Kom­paktwagens mit Dieselmotor zu verteidigen, sondern auch noch die der deutschen Auto­mobilindustrie - gegen die dritte Generation des japa­nischen Vollhybrids, der inzwi­schen eine bemerkenswerte Reife erlangt hat. Öffentlichskeitswirksam war der Toyota Prius schon immer - im Gegensatz zum Knauser-Golf,  dessen CO2-Reduktionspoten­zial sich nur Kennern auf den ersten Blick erschließt. Er iden­tifiziert die 15 Millimeter tiefer­gelegte Karosserie mit spezi­ellen Spoilern und Schwellern, die Unbedarfte eher an Tuning als an Sparen erinnern. Zumal ein Teil seiner verbrauchsredu­zierenden Maßnahmen im Ver­borgenen stattfindet.  Etwa durch bedarfsgeregelte Nebenaggregate, spezielle Ver­kleidungen am Unterboden, rollwiderstandsarme 15-Zoll- Reifen, reibungsoptimierte Ge­lenkwellen sowie eine verän­derte Motorabstimmung inklusive abgesenkter Leerlauf­drehzahl. All das soll den Dieselkonsum des 1,6 Liter großen Common-Rail-Motors ebenso eindämmen wie des­sen lang übersetztes Fünf­ganggetriebe.  

Die Karos­serieform des Toyota Prius erschwert Zugang und Rundumsicht

Ein Teil davon fließt bereits in die Serie ein, der andere Teil (außer der Kunststoffkosme­tik) ist als so genanntes Blue-Motion-Technology-Paket mit den Ausstattungslinien Trend­linde, Comfortline und Highline sowie mit dem Siebengang- Doppelkupplungsgetriebe kombinierbar. Der VW Golf Blue Moti­on, als Viertürer 22.415 Euro teuer, wird dagegen als eigen­ständiges Modell stets mit Fünfgang-Handschaltung, blauen Sitzmittelbahnen und Chromumrandungen im Innen­raum angeboten. Und natürlich mit der golftypischen Solidität samt einfacher Bedienbarkeit.  Der Toyota Prius bringt in sei­ner mittleren Ausstattung Life (Grundpreis 26.750 Euro) 17- Zoll-Räder, schlüssellosen Zu­gang, Klimaautomatik sowie ein Head-up-Display mit. Seine aerodynamische Karos­serieform (cW 0,25) erschwert zwar Einstieg und Übersicht, dennoch bietet der 4,46 Meter lange Toyota Prius ein ordentliches Platzangebot sowie eine nach kurzer Eingewöhnung durch­schaubare Bedienung.

Der Toyota Prius kann bis 50 km/h rein elektrisch fahren

Hauptmerkmal bleibt jedoch das Hybridsystem, bestehend aus einem 99 PS starken 1,8- Liter-Benziner, der das spar­same Atkinson-Verbrennungs­verfahren beherrscht, einem 60 kW starken Elektromotor plus einem stufenlosen Getrie­be sowie einer dazugehörigen Leistungselektronik.  Während der Roll- und Brems­phasen arbeitet der Elektro­motor als Generator und speist die zurückgewonnene Bewegungsenergie in die Ni­ckel-Metallhydrid-Batterie. Sie liegt unter dem Ladeboden und besitzt eine Kapazität von 6,5 Amperestunden sowie ei­ne Systemspannung von 650 Volt. Beim Beschleunigen kann der akkugespeiste E-Mo­tor den Benziner unterstützen oder den Toyota Prius bis zu einer Geschwindigkeit von rund 50 km/h sogar rein elektrisch an­treiben. Die Reichweite ist in­des begrenzt, weiter als einen Kilometer kommt man selten. Dennoch ist der E-Antrieb vor allem in der Stadt eine prak­tische Sache, ebenso wie das integrierte Start-Stopp-System.

Der VW Golf Blue Motion bevorzugt den Flow

Mit Letzterem kann der Blue Motion ebenfalls dienen, wäh­rend er im Gegensatz zum Toyota Prius (der Toyota Prius Lif eim Top Test) beim Anfahren einen konzentrierten Umgang mit Gas- und Kupplungspedal verlangt. Schuld daran trägt die Kombination aus verbrauchsreduzierender Mo­torabstimmung und langer Übersetzung. Einmal in Fahrt, bewegt sich der VW Golf umso geschmeidiger. Sein 1,6 Liter großer Common-Rail-TDI hat den ungehobelten Auftritt der Pumpe-Düse-Ahnen abgelegt, gibt den laufruhigen Gentle­man, der erst bei hohen Dreh­zahlen zart metallisch nagelt. Ansonsten bleibt er akustisch im Hintergrund. Wer indes den TDI-Bumms der alten Tage erwartet, muss umdenken. Der Neue bevorzugt den Flow, schnürt mit rund 1.500 Touren bei Landstraßentempo dahin, dreht selbst in der Nähe sei­ner Höchstgeschwindigkeit nur wenig über 3.000/min.

Bei hohem Tempo profitiert der Toyota Prius nicht

Der Toyota Prius hingegen lässt sei­nen Piloten zwar über die Mo­tordrehzahl im Unklaren, ver­schweigen kann er sie nicht. Sobald es über sanftes Cruisen oder gehobenes Orts­tempo hinausgeht, fräst sich der Vierzylinder in die Gehör­gänge der Insassen, um sich dort festzusetzen. Unterstützt vom stufenlosen Getriebe, das den Vierzylinder regelrecht hochjubelt. Auf der Autobahn fällt es dem Toyota Prius damit schwer, von seinem Hybridan­trieb zu profitieren.  In der Stadt oder über Land läuft es besser. Hier erzieht er seinen Fahrer nicht nur per einschlägiger Anzeigen, son­dern auch durch das Anspre­chen des Antriebs auf Pedal­befehle zum Sparen. Besonders zäh reagiert der Hybrid im Öko-Modus, wäh­rend im Power-Mode ein Hauch zarter Spritzigkeit auf­kommt. Mit einem Testschnitt von 5,5 L/100 km pirscht sich der Vollhybrid an die 5,0 L/100 km des Diesel heran. Ähnlich wie bei den Vergleichsfahrten, wo sich der VW Golf temposeitig kaum abset­zen kann.

Der VW Golf dominiert in den Kurven

Subjektiv fährt er allerdings wesentlich agiler und kurvenwilliger. Dazu trägt neben dem aufwendigeren Fahrwerk die präzise Servo­lenkung und das penibel ab­gestimmte ESP bei. Überdies federt und dämpft der VW Golf Blue Motion trotz des serienmä­ßigen Sportfahrwerks deutlich geschmeidiger und ausgewo­gener als der Toyota Prius, der vor allem durch sein hölzernes Ansprechverhalten auf kurze Unebenheiten missfällt.  So muss sich der Toyota Prius am Ende klar hinter dem ausge­wogenen VW Golf einordnen.

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Jörn Thomas

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Hybrid oder Diesel? Welchen Antrieb bevorzugen Sie?
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