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VW Golf GTI von Abt, B&B und Oettinger

Drei getunte Kraftpakete im Fahrbericht

Abt Golf GTI Dark Edition, VW Golf GTI Performance B&B Stufe 2, Oettinger Golf GTI Foto: Hans-Dieter Seufert 30 Bilder

Die Tuner Abt, Oettinger und B&B hauchen dem VW Golf GTI noch mehr Power ein und befreien ihn von seinem Drang zum Alleskönner. Wir sind mit den drei getunten Kompaktwagen gefahren.

18.06.2014 Sebastian Renz Powered by

Manche meinen ja, der 230 PS starke VW Golf GTI Performance sei derzeit der perfekte Kompaktsportler. Was durchaus stimmen mag, bewertet man all seine Einzelqualitäten – vom Handling über den Verbrauch bis zur Nutzbarkeit der Isofix-Verankerungen – und addiert sie so zur Summe seiner Eigenschaften. So gesehen mag man einen VW Golf GTI tatsächlich nicht besser machen können. Aber durchaus anders.

Tuner spitzen VW Golf GTI auf mehr Leistung und Dynamik zu

Genau darum geht es Abt, B&B und Oettinger, die den VW Golf GTI Performance auf mehr Leistung und Dynamik zuspitzen. Darin haben alle drei Firmen lange Erfahrung. Sie waren schon zu Zeiten des Golf II GTI im Namen der Dynamisierung unterwegs. Damals, als noch Kolben, Nockenwellen und Ventile frisiert wurden. Heute toupieren sie den GTI elektronisch auf das Leistungsniveau des Golf R. Alle drei Tuner modifizieren dazu die Motorsteuerung und steigern dabei den Ladedruck des Zweiliter-Turbo-Benzindirekteinspritzers. Den hat VW für den aktuellen Golf neu entwickelt. 220 PS leistet er im GTI, zehn mehr im GTI Performance und 300 im Golf R.

Dessen Erscheinen kommt den Tunern doppelt gelegen. Einerseits beweist er, dass auch VW dem Triebwerk mit dem internen Entwicklungscode EA888 dauerhaltbare 300 PS zutraut. Andererseits können die Tuner diese Leistung wegen des Verzichts auf den Allradantrieb deutlich günstiger anbieten. Während der Golf R 8.500 Euro teurer ist als der vorderradgetriebene VW Golf GTI Performance, verlangt B&B für 68 PS Zusatzleistung 2.995 Euro, bei Oettinger gibt es 60 Extra-PS sogar schon für 2.030 Euro, bei beiden inklusive Einbau und Eintragung. Dagegen fährt der 300 PS starke Abt-GTI derzeit ausschließlich in der Dark Edition vor, einem Komplettpaket samt Karosserie-Kit, Radsatz und vierflutigem Endschalldämpfer.

Abt VW Golf GTI Dark Edition ab 49.500 Euro

Macht 49.500 Euro für den Allgäuer Golf, der mit Flügeln, Schwellern, Stickern und dem angedeuteten Diffusor hier den Auftritt des VW Golf GTI – nennen wir es mal – präsenz-optimiert. Im Leerlauf röhrt der Motor angriffslustig, bollert aus den Endrohren.

Der etwas krawallige Auftritt passt zum Fahrverhalten des Dark. Mit Gewindesportfahrwerk samt adaptiven Dämpfern – sie variieren in ihren Kennlinien, allerdings nur in den Stufen hart, härter und noch härter – sowie größeren Rädern legt der VW Golf GTI auch den letzten Rest an Besonnenheit ab. In Kurven biegt der Abt so noch ungestümer, noch direkter ein, reagiert aber viel zickiger auf Lastwechsel als das Serienmodell. Lupft man in der Kurve, zackt er giftig mit dem Heck aus, was das ESP auf der Straße mit heftigen Eingriffen wieder einregelt.

Dafür tobt er mit deaktiviertem Schleuderschutz wilder und agiler als die anderen beiden Gölfe über die Strecke – sowie mit einem für einen Fronttriebler erstaunlich hohen Bedarf an Gegenlenken. Allerdings schleifen die Contis in engen Kurven in den Radhäusern, was so gar nicht zum Abt'schen Anspruch passt.

Dafür passt die Traktion zur Kraft: Aus Kurven zieht sich der Dark Edition dank der beim Performance-GTI serienmäßigen mechanischen Quersperre gripstark heraus. Im Vergleich zum Serien-Performance soll der Abt 0,6 Sekunden schneller aus dem Stand auf Tempo 100 spurten, zehn km/h mehr Topspeed schaffen. Woran wenig Zweifel bleibt, wenn er die Gerade hinunterstürmt.

Allerdings wirkt er nicht nur bei Auftritt und Komfort etwas ungehobelter als B&B und Oettinger, sondern auch bei der Leistungsentfaltung. Nach einem kurzen Ladedruckhänger legt der Direkteinspritzer umso heftiger los, das treffsichere und schnelle Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe muss eilig einen Gang nach dem anderen hochschalten. Beim Anbremsen tänzelt dann wieder das Heck des VW Golf GTI.

Ja, so wild wie der Abt Dark wäre der VW Golf GTI heute wohl, wäre er nach seiner ersten Generation nicht in Richtung Allgemeinverträglichkeit abgebogen. Aber wahrscheinlich kostete er dann auch so viel wie der Abt, der in dieser Edition doch einiges an Glitter herumfährt, was ihn nur teurer, aber nicht besser macht. Die größte Leistung ist hier die größere Leistung.

B&B mit vier Stufen für den VW Golf GTI

Die bietet B&B aus Siegen in vier Stufen für den VW Golf GTI an: Mit einer Ladedruckerhöhung um 0,15 Bar sowie Kennfeldanpassung schafft die Stufe 1 für 1.096 Euro inklusive Montage 280 PS. Die von uns gefahrene Stufe 2 für 2.995 Euro zündet 298 PS – mithilfe von 0,2 Bar mehr Ladedruck, eines Sportkats mit vermindertem Gegendruck sowie mit weiterem Feinschliff bei der Motorabstimmung. Darüber rangieren noch die 326 PS starke Stufe 3 (7.950 Euro) sowie Stufe 4 mit 340 PS für 9.950 Euro.

Allerdings genügen schon die 298 PS, um die Vorderräder trotz der mechanischen Quersperre in Traktionsnöte zu bringen. Das mag am neuen Fahrwerks-Set-up liegen, das einen Satz 19-Zoll-Räder (2.998 Euro) mit Spezialstabilisatoren vorn und hinten (498 Euro) und einem Federnsatz kombiniert, der den VW Golf GTI 40 Millimeter tieferlegt.

Obwohl B&B anders als Abt und Oettinger auf Adaptivdämpfer verzichtet, bietet der bis auf sachtes Heckdrängen wenig lastwechselsensible Abstimmungskompromiss trotz deutlicher Betonung auf Dynamik noch akzeptablen Komfort – mal abgesehen vom rumpeligen Abrollen der großen Räder. Doch ist der Vorderradantrieb hier mit der Kraft des Motors überfordert. Beim Beschleunigungssprint kommt die Vorderachse des VW Golf GTI ins Stampfen. Und so eilig der B&B auch in Kurven zackt, so progressiv er auf Lastwechsel mit dem Heck mitlenkt – spätestens beim Herausbeschleunigen aus den engen Kurven des Hockenheimrings schubbert er dann eben doch stramm untersteuernd zum Kurvenrand. Selbst im zweiten Gang des leicht und präzise schaltbaren, passend übersetzten, manuellen Sechsganggetriebes verscharren die Vorderräder die Kraft der 435 Newtonmeter.

Das sind 85 Nm mehr als in der Serie. Sie charakterisieren den B&B mehr als seine höhere Leistung, die nicht so homogen einsetzt wie beim Oettinger. Auf einer breiten Drehmomentwoge zieht der VW Golf GTI von B&B über die Autobahn, legt selbst oberhalb von 200 km/h noch wuchtig zu. Wobei sich die Qualität der Leistungssteigerung neben der kürzesten Nullhundert-Zeit auch darin zeigt, dass B&B, neben fünf Jahren Garantie auf die Software, gegen individuellen Aufpreis bis zu drei Jahre auf Motor, Getriebe und Antrieb gibt, während Abt und Oettinger nur zwei Jahre gewähren – die allerdings ohne Aufpreis.

Der cleverere R? Oettinger GTI

Wo wir gerade beim Geld sind: Für 250 Euro knipst der Oettinger die Mehrleistung per Power-Switch an – eine Umschaltfunktion zwischen Serienleistung und dem Upgrade, welche der Start-Stopp-Taste endlich mal eine erquickende Funktion überträgt. Ein kurzer Druck bei eingeschalteter Zündung aktiviert die Leistung. Und die entwickelt sich besonders harmonisch, mit homogenem Druck von niedrigen Drehzahlen bis hoch in Richtung
7.000. Dazu harmoniert der Motor des VW Golf GTI fein mit dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, es lässt das Triebwerk auf D satt ziehen, im S-Programm gierig drehen.

Neben dem energischen Antrieb überzeugt auch das KW-Edelstahl-Gewindefahrwerk (2.199 Euro mit Einbau). Es mindert den erstaunlichen Langstreckenkomfort des VW Golf GTI kaum, lässt ihn auf den 19-Zoll-Dunlops zwar herber abrollen, aber eben auch direkter und präziser einlenken – allerdings nicht ganz so gierig wie die Rivalen. Dafür bietet der Oettinger die beste Balance, bleibt in Kurven lange neutral, bevor er in sachtes Untersteuern schiebt. Fuß vom Gas, und das Heck dreht leicht ein. Beim Herausbeschleunigen hält die Sperre den Wagen fest auf Spur. Effektiver und harmonischer bringt keiner der drei Rivalen die Leistung auf die Straße, der Oettinger wirkt aber trotz gesteigerter Agilität extrem fahrsicher.

Mit der Sportbremsanlage für 3.515 Euro verzögert er zudem noch bissiger. Insgesamt haben die Techniker alle Tuningmaßnahmen so sorgsam umgesetzt, dass der Oettinger mehr ist als ein stärkerer und zu gespitzter VW Golf GTI. Für alle, die einen besonders individuellen Golf wollen, könnte er eine Alternative zum R darstellen. Eine teurere jedoch, wenn es bei Oettinger das volle Programm sein soll, summieren sich die Kosten für Leistungssteigerung, Sportbremse, Radsatz und Fahrwerk doch auf 10.794 Euro. Er mag nicht so zugespitzt sein wie die anderen, doch hier ist der Oettinger Spitze.

Technische Daten
Abt Golf GTIB&B Golf GTIOettinger GTI
Grundpreis49.500 €40.208 €48.709 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4268 x 1790 x 1442 mm4268 x 1790 x 1442 mm4268 x 1790 x 1442 mm
KofferraumvolumenVDA350 bis 1305 L350 bis 1305 L
Hubraum / Motor1984 cm³ / 4-Zylinder1984 cm³ / 4-Zylinder1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung221 kW / 300 PS (420 Nm)219 kW / 298 PS (435 Nm)213 kW / 290 PS (440 Nm)
Höchstgeschwindigkeit258 km/h265 km/h256 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h5,8 s5,7 s5,8 s
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