VW Blue Motion im Fahrbericht

VW Polo, VW Golf und VW Passat auf Diät

VW Blue Motion

Mit Start-Stopp-Systemen und jeder Menge Detailarbeit setzt VW die Blue-Motion-Modelle von Golf, Polo und Passat auf Diät.

Ein bisschen wurmt es immer noch. Da hatte man mit dem Drei-Liter-Lupo das sparsamste Serienauto der Welt im Programm, doch blöderweise interessierten sich 1999 noch zu wenig Autokäufer für CO2-Emissionen oder Verbrauchsrekorde. Und selbst Öko-Vorreitern war der happige Aufpreis zum Serien-Lupo meist zu hoch. Für VWs Marketing-Abteilung wäre der Kleine heute ein Hit - allein, um der Hybrid-Fraktion Paroli bieten zu können. Doch so langsam verraucht der Ärger über den frühen und nachfolgerlosen Tod des Sparfüchschens. Denn inzwischen erreichen VW-Modelle ähnliche Verbrauchswerte ohne Leichtbaukomponenten oder sonstige teure Technik, die dem Vorzeige-Zwerg 2005 den wirtschaftlichen Garaus machten.

Technische Daten - Polo, Golf, Passat
Fahrzeugtyp VW Polo Blue Motion VW Golf Blue Motion VW Passat Blue Motion
Motorbauart / Zylinderzahl Reihe / 3 Reihe / 4 Reihe / 4
Hubraum 1.299 ccm 1.589 ccm 1.598 ccm
Leistung 55 kW (75 PS) bei 4.200 1/min 77 kW (105 PS) bei 4.400 1/min 77 kW (105 PS) bei 4.400 1/min
max. Drehmoment 180 Nm bei 2.000 1/min 250 Nm bei 1.500 1/min 250 Nm bei 1.500 1/min
Leergewicht / Zuladung 1.071 kg / 579 kg 1.239 kg / 511 kg 1.420 kg / 540 kg
Länge x Breite x Höhe 3.970 x 1.682 x 1.462 mm 4.199 x 1.779 x 1.480 mm 4.765 x 1.820 x 1.461 mm
Radstand 2.470 mm 2.578 mm 2.713 mm
Gepäckraum 280 / 952 L/VDA 350 / 1.305 L/VDA 565 / 1.731 L/VDA
Beschleunigung (0-100 km/h) 13,6 s 11,3 s 12,4 s
Höchstgeschwindigkeit 173 km/h 190 km/h 193 km/h
ECE-Verbrauch Diesel Diesel Diesel
Gesamt 3,3 L/100 km 3,8 L/100 km 4,4 L/100 km
CO2-Ausstoß 87 g/km 99 g/km 114 g/km
Grundpreis 16.575 Euro 21.650 Euro 27.850 Euro

Blue Motion Golf verbrauchsärmer als Toyota Prius

Im neuen VW Golf Blue Motion reduzieren etwa Leichtlaufreifen die Fahrwiderstände, ebenso eine gründlich überarbeitete Aerodynamik mit Dachkantenspoiler im GTI-Look, Tieferlegung um 15 Millimeter sowie windschnittigere Schürzen und Kühlergitter. Die Lichtmaschine speist zudem nur beim Bremsen und Ausrollen Strom in die Batterie ein, um dem 1,6-Liter-TDI beim Beschleunigen nicht zur Last zu fallen. Hinzu kommt ein Start-Stopp-System, das den Diesel im Stand ausknipst, sowie eine drehzahlsenkende Übersetzung des Fünfganggetriebes.

Wie schon im Vorgänger verzichtet VW auf den sechsten Gang, da er zumindest nach dem Normzyklus zu keiner weiteren Verbrauchsreduzierung führt. Doch die vielen kleinen, aber unspektakulären Maßnahmen zeigen auch so Wirkung: Mit einem Normkonsum von 3,8 Litern unterbietet der Askese-Golf nicht nur den regulären 105-PS-TDI um 0,7 Liter, er liegt sogar ein Zehntel unter dem benzingetriebenen Hybrid Toyota Prius (der Toyota Prius im Einzeltest). Der entscheidet jedoch wegen der höheren Energiedichte von Diesel die CO2-Wertung mit 89 zu 99 g/km für sich.

Der VW Golf Blue Motion rechnet sich erst nach 100.000 Kilometern

Glücklicherweise wurde beim Feilen am Verbrauch nicht gleich noch der Fahrspaß abgeschmirgelt: Trotz langer Übersetzung, die dem Vierzylinder bei 100 km/h gerade mal 1.600/min zubilligt, legt sich der Spar-Golf kräftig ins Zeug. Die enorme Gangspreizung verlangt beim Überholen allerdings schon mal den Griff zum Schalthebel. Komforteinbußen müssen Blue-Motion-Käufer ebenfalls kaum befürchten. Selbst Tieferlegung und Leichtlaufreifen ändern nichts daran, dass weder kurze noch lange Unebenheiten für Unruhe sorgen. Da der VW Golf auch in seiner 99-Gramm-Variante mit toller Geräuschisolierung begeistert und sonst zu keinen Abstrichen zwingt, spricht nur die Preisdifferenz von rund 1.000 Euro für den Standard-TDI. Vom vermutlich höheren Wiederverkaufswert abgesehen, rechnet sich die Öko-Variante erst nach über 100.000 Kilometern. Immerhin sprechen für den auf dem Trendline basierenden Blue Motion neben einem reineren Umweltgewissen auch Alufelgen, Multifunktionsanzeige und ein schmuckeres Cockpit.

VW Polo Blue Motion ist der Drei-Liter-Lupo-Nachfolger

Im überarbeiteten VW Passat Blue Motion setzt VW ebenfalls auf den 1,6-Liter-Diesel. Obwohl schon der Vorgänger seinen 110 PS starken Zweiliter per Start-Stopp abschaltet, konnte der Normverbrauch des neuen Motors mit seiner geringeren inneren Reibung um 0,5 auf 4,4 Liter gedrückt werden. Gerade für den Variant ein beeindruckender Wert, da er über 1.700 Liter Gepäck schluckt und trotz Downsizing-Motor souverän antritt. Doch der legitime Nachfolger des Rekord- Lupo heißt eindeutig VW Polo Blue Motion (der VW Polo im Top Test ). Seine 3,3 Liter auf 100 Kilometer machen ihn zum derzeit sparsamsten Fünfsitzer der Welt, und dank dem 45-Liter-Tank reichen angesichts der Durchschnittslaufleistung in Deutschland von 11.000 Kilometern ganze acht Tankstellenbesuche im Jahr - entsprechend zurückhaltende Fahrweise vorausgesetzt.

Der VW Polo Blue Motion hat nur noch drei Zylinder

Mit seinem intelligenten Lademanagement, Start-Stopp sowie Feinschliff bei Aerodynamik inklusive verkleidetem Unterboden und im Windkanal geschliffenen Felgen ist er nach ähnlichem Muster gestrickt wie seine größeren Brüder. Allerdings wurde deren TDI eines Zylinders beraubt. Der neue 1,2-Liter kommt jedoch immer noch auf stramme 180 Nm Drehmoment und zieht nach Durchschreiten einer spürbaren Anfahrschwäche ab 2.000/min mit kehligem Dreizylinder-Schnattern davon. Im Vergleich zum ebenfalls dreizylindrigen Pumpe-Düse-Vorgänger läuft der Neue jedoch vor allem im Teillastbereich deutlich weicher und leiser. Dass der Öko-Polo keine rollende Verzichtserklärung sein soll, zeigt die großzügige Serienausstattung mit Alufelgen, Tempomat, Lederlenkrad, Mittelarmlehne sowie Nebellampen. Allerdings wird der VW Polo Blue Motion dadurch fast 1.800 Euro teurer als der 75 PS starke Vierzylinder-Basis-TDI.

VW setzt auf Verbrauchsreduktion statt Hybridantrieb

Nahezu zeitgleich mit der Einführung der drei Ober-Sparer lassen sich für fast alle Modellreihen so genannte Blue-Motion-Technology-Pakete ordern. Ziel ist es, die jeweils genügsamste Motorvariante durch Start-Stopp-Systeme oder sonstige Maßnahmen noch weiter auf Diät zu setzen. Bis Spritspar-Konzepte wie Hybrid- oder Elektroantriebe für breite Käuferschichten bezahlbar werden, setzt VW also voll auf Verbrauchsreduktion des Verbrennungsmotors. Wenn das der selige Drei-Liter-Lupo noch erlebt hätte.

Download
Kommentare
Bild vergrößern
Dirk Gulde

Autor:

auto motor und sport, Heft 24 / 2009

Ist Blue Motion ein gelungenes Spritspar-Konzept?
Anzeige
Thema
Start-Stopp-System: Weitere Artikel zu diesem Thema
Johnson Controls : Neues Batteriewerk in China

Der Batteriehersteller Johnson Controls baut in China für 100 Millionen Dollar ein Werk für Start-Stopp-Batterien.

Elektroauto ie:3 Johnson Controls
Volvo senkt Verbrauch: Start-Stopp für Automatikversionen

Volvo kombiniert ab September den Turbodieselmotor D3 mit Automatikgetriebe optional mit einem Start-Stopp-System.

Volvo V 60, Volvo S 60, Gruppenbild
Top Artikel
VW Polo 1.6 TDI Highline: Der neue VW-Kleinwagen im Top-Test

Nach den behutsamen Änderungen beim Golf macht VW beim Polo kurzen Prozess: Der Nachfolger ist außen wie innen ein völlig neuer Kleinwagen - der beste?

VW Polo 1.6 TDI
Opel Insignia, VW Passat: Spritspar-Limousinen im Doppeltest

Neue Sparversionen von Opel Insignia und VW Passat bieten Mittelklasse-Komfort bei niedrigem Verbrauch. Dank Zweiliter-Turbodiesel kommt dabei sogar der Fahrspaß nicht zu kurz.

VW Passat Blue TDI
Newsletter
Neuwagen suchen

Neuwagen zu Internet-Preisen

Konfigurieren Sie jetzt Ihr Wunschfahrzeug zu besonders günstigen Konditionen!

Aktuelle Ausgabe
auto motor und sport - Heft 5/2012
Ab jetzt im Handel auto motor und sport - Heft 05/2012
Sportauto
Tuner 0-300-0 km/h 2011: Tuning-Elite beim High-Speed-Test

Acht getunte Sportmodelle mit 5.481 PS nahmen beim Beschleunigungs- und Bremsentest 0-300-0 km/h teil.

Tuning-Elite beim High-Speed-Test
Motor Klassik
Opel Diplomat B V8: Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz

Ein schleudernder Mercedes verwandelt Steffen Exners Opel Diplomat in einen Totalschaden. Doch Exner baut ihn wieder auf.

Groß-Projekt - Aufbau statt Schrottplatz
4WheelFun
Kälte-Chaos für Dieselfahrer: Was tun, wenn der Diesel streikt?

Eiseskälte in Deutschland, und immer mehr Diesel-Fahrzeuge bleiben liegen. Woher kommt das und was lässt sich dagegen tun?

Was tun, wenn der Diesel streikt?
Alle Autos von A-Z
  • Loading...
  • Loading...