VW Up im Fahrbericht: Ein Herz für Städter

VW Up, Seitenansicht

Mit dem neuen Kleinwagen Up, einem preiswerten Einstiegsmodell, möchte Volkswagen vor allem bei der Großstadt-Klientel punkten. Ein erster Fahrbericht zeigt, wie die Chancen für den Erfolg stehen.

Mit manchen Entscheidungen tut man sich schwer, andere fliegen einem zu. Vor vier Jahren reiste die Volkswagen-Spitze im Firmenjet von der Detroit Auto Show nach Hannover. Im Gepäck hatten sie die Gewissheit: Kleine Autos braucht die Welt - auch der amerikanische Teil von ihr. Im Landeanflug war der VW Up beschlossene Sache. Und die Designer Walter de Silva und Klaus Bischof hatten auch schon die ersten Skizzen zu Papier gebracht. Jetzt feiert die Serienversion des VW Up auf der IAA Premiere.

Vorab gab es bereits Gelegenheit, mal kurz mit dem knuffigen VW Up zu fahren. Der erste Eindruck: von Minimalismus im VW Up keine Spur. Zumindest auf den vorderen Plätzen sitzt man ausgesprochen kommod. Die Sitze sind bequem und bieten guten Seitenhalt. Das Raumgefühl, die Kopffreiheit - alles passt.

Gut verarbeiteter Innenraum im VW Up

Im Blickfeld hat man eine breite, lackierte Blechtafel, die in der Mitte die Bedienung für Klimatisierung und Radio beherbergt. Die Schalter und Tasten sind gut platziert und wirken hochwertig. Die seitlichen Luftausströmer beispielsweise rasten beim seitlichen Verdrehen und schließen mit einem satten Klack.

Und der neue Dreizylinder? Er gibt sich zunächst leise. Untenherum wirkt er aber nicht sonderlich spritzig. Obenherum meldet er sich dann knurrig zu Wort. "Das ist auch so gewollt", erklärt VW-Chefentwickler Ulrich Hackenberg. Der Entwickler hatte zu Beginn etwas Mühe mit dem VW-Up-Konzept. In der ursprünglichen Planung waren Heckmotor und Heckantrieb vorgesehen. Hackenberg, ein Freund von Synergien, favorisierte den quer eingebauten Frontmotor mit Vorderradantrieb - und setzte sich durch. Der neue Dreizylinder kann sogar im Golf eingesetzt werden. Und weitere Ausbaustufen des Einliter-Motors bis hin zur Turboaufladung kann man sich gut vorstellen.

Vier Erwachsene und 251 Liter Gepäck im VW Up

Für Hackenberg sind es neben der Kompaktheit drei Themen, die für den neuen, kleinen VW Up sprechen: zum einen die hohe Raumeffizienz. Mit einem sehr langen Radstand von 2,42 Metern verschafft man dem VW Up einen großen Innenraum mit Platz für vier Erwachsene und einem Kofferraumvolumen von 251 Litern. Klappt man die geteilte Rücksitzbank um, dann wächst der Stauraum auf beachtliche 951 Liter an.

Der zweite Punkt auf der Hackenberg-Liste ist ein kleines aufgesetztes Navigon-Navigationsgerät. Es kommuniziert mit dem VW Up, via Touchscreen lassen sich Navigation, Telefon oder Infotainment steuern. Es gibt aber auch wichtige Fahrzeuginformationen - beispielsweise die Anzeige des Park-Piloten. Das kleine Navigerät ist herausnehmbar und kostet unter 400 Euro.

Dritter Punkt ist die Sicherheit. ESP ist Serie. Die City-Notbremsfunktion des VW Up, eine Novität im Kleinwagen-Segment, wird Aufpreis kosten. Bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h leitet das System bei einer drohenden Kollision automatisch eine Notbremsung ein.

VW Up untersteuernd, aber agil

Und wie sieht es mit der Fahrsicherheit des VW Up aus? Zunächst überrascht der Komfort, den man von einem Kleinwagen so nicht erwartet. Und dann fährt er zwar untersteuernd, aber agil um die Ecken. Von übermäßiger Aufbauschwankung ist dabei nichts zu spüren. Der kleine Volkswagen schwimmt munter mit im Verkehr. Getrübt wird der positive Eindruck durch früh einsetzende Windgeräusche. Aber es handelt sich noch um Vorserienmodelle des VW Up. Bis zum Verkaufsstart im September sollen der eine oder andere Grat an Plastikteilen oder das Hakeln in den ersten beiden Gängen ausgemerzt werden. Denn Hackenberg betont: "Wir wollen auch in diesem Segment ein Auto mit unserer gewohnten VW-Präzision hinbekommen."

Im Karosseriebereich des VW Up ist dies schon gelungen. VW-Chef Martin Winterkorn streicht stolz über die präzisen Linien und Kanten: "Das kann so kein anderer." Marketing-Chef Luca de Meo freut sich, dass der "größte europäische Autobauer mit dem VW Up jetzt auch ein Einstiegsmodell für unter 10.000 Euro im Angebot hat". Der Vorgänger Fox war zwar nicht viel teurer, aber eher eine Enttäuschung. Er kam in seinem Segment gerade einmal auf 2,3 Prozent Marktanteil. Mit dem VW Up soll es auch mit den Vertriebszahlen nach oben gehen: "Wir erwarten pro Jahr 100.000 neue Kunden", definiert de Meo das Ziel.

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Bernd Ostmann

Autor:

auto motor und sport, Heft 20 / 2011

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