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Wiesmann Roadster MF4-S

Roadster mit BMW-Technik im Fahrbericht

Wiesmann Roadster MF4-S Foto: Reinhard Schmid 14 Bilder

Gut 15 Jahre nach dem Debüt seines luftigen Roadsters präsentiert Sportwagenhersteller Wiesmann ein neues Modell, in dem traditionell wieder viel BMW-Technik steckt. Im leichten MF4-S kann vor allem der hoch drehende V8 aus dem M3 zeigen, was wirklich in ihm steckt.

08.05.2009 Dirk Gulde

Der Druck auf den silbernen Startknopf sorgt für Weckrufe der besonderen Art: Achtzylindrige Fanfarenstöße durchdringen den milden Frühlingsmorgen, bereits im Leerlauf posaunt der aus dem BMW M3 verpflanzte Vierliter seinen Tatendrang heraus. Also kurz mit dem ebenfalls von BMW stammenden Siebengang- Doppelkupplungsgetriebe vertraut machen, und los geht's.

In der Stadt bleiben wir noch im Automatik-Modus und reihen uns brav hinter den Polo und Astra auf der rechten Spur ein. Fahrer und Maschine müssen schließlich erst Betriebstemperatur erreichen. Dann das Ortsschild. Per Lenkradpaddel zwei Gänge zurück und Vollgas. Der graue Roadster taucht leicht hinten ein, brüllt los und springt binnen eines Fingerschnipps auf Landstraßentempo. Beschleunigung digital: Sollwert festlegen, abrufen, fertig.

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Fahrbericht Wiesmann Roadster MF4-S
auto motor und sport 10/2009
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Drei Kilogramm pro PS im Wiesmann MF4-S

Hat der Zweisitzer aus dem Stand noch mit Traktionsproblemen zu kämpfen, gibt es – einmal in Fahrt – kein Halten mehr. 420 PS und ein Drehvermögen bis über 8.000/min hinaus sorgen schon im offenen M3 für mächtig Vortrieb. Im Wiesmann MF4-S haben sie es jedoch mit 600 Kilo weniger zu tun. Mit drei Kilogramm pro PS lässt der Zweisitzer in Sachen Leistungsgewicht selbst die Cabrio-Elite à la Porsche 911 Turbo oder Mercedes SL 65 AMG (3,6 bzw. 3,5 kg/PS) hinter sich.

Überragende Fahrleistungen machen jedoch nur einen Teil der Wiesmann-Faszination aus. Weil jedes Fahrzeug in Handarbeit entsteht, lassen sich unzählige Details nach Kundenwunsch umsetzen. Nicht nur, dass die Lackiererei jeden erdenklichen Farbton mischt oder die hauseigene Sattlerei aus über 4.000 verschiedenen Lederarten einen exakt auf die Konstitution des Fahrers abgestimmten Sitz polstert: Auch bei Felgen, Instrumenten, Verdeck oder Bremsen besitzen Kunden umfangreiche Mitspracherechte.

Im Gegensatz zum weiterhin angebotenen Ur-Roadster Wiesmann MF-3 mit Sechszylinder und Gitterrohrrahmen basiert der rund 40 Zentimeter längere MF4-S auf einem Alu-Monocoque, das ebenfalls von Hand in der Wiesmann-Manufaktur im nordrhein-westfälischen Dülmen entsteht. Wie im Rennwagen oder Flugzeugbau werden die einzelnen Chassis-Teile für besondere Steifigkeit genietet und zusätzlich verklebt. Zum geringen Gesamtgewicht trägt die Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) bei, die mit ihren Rundungen an Sportwagen-Ikonen der Nachkriegs-Ära wie den Jaguar XK 120 oder den Austin Healey erinnert.

Neuzeitliche Technik trotz historischer Vorbilder

Trotz aller historischer Vorbilder zeigt sich der Wiesmann für neuzeitliche Technik offen: Neben serienmäßigen Fahrer- und Beifahrerairbags sowie Xenon-Lampen gibt es gegen Aufpreis Klimaanlage, ESP oder Sitzheizung. Wahlweise lässt sich der MF4 auch mit dem 4,8-Liter-V8 aus dem BMW 550i ordern, der sich mit weniger Leistung, aber mehr Drehmoment entspannterem Reisen verpflichtet fühlt. Getreu puristischer Roadster- Philosophie wird das Verdeck in jedem Fall wie zu Urzeiten des Automobilbaus von Hand geöffnet und unter einer Leder-Persenning verstaut.

Da die mächtigen V8 hinter der Vorderachse sitzen, entsteht eine ausgewogene Gewichtsverteilung von nahezu 50:50 Prozent. Neben dem niedrigen Schwerpunkt, der breiten Spur und dem verwindungssteifen Chassis ein weiterer Grund für die außergewöhnlichen Fahreigenschaften: So reagiert der Zweisitzer spielerisch auf Vorgaben der Servolenkung, um selbst bei hohem Kurventempo nicht von seinem neutralen Kurs abzuweichen. Zudem wirkt beruhigend, dass auch die BMW-Bremse mit dem Leichtgewicht nur wenig Mühe hat.

Da die ESP-Leuchte beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren in den Dauerbetrieb geht, sollten Exemplare ohne den Schleuderschutz allerdings nur von Könnern in Betracht gezogen werden. Trotz seiner sportlichen Ader konnte sich der Zweisitzer sogar einen Rest Komfort bewahren: Kurze, gemeine Asphalt- Schäden absorbiert die Federung erstaunlich geschmeidig.

Der Wiesmann MF4-S kostet mindestens 140.000 Euro

Mit gut 140.000 Euro Basispreis für die Version mit automatisiertem Siebengang-Getriebe stößt der MF4-S jedoch nicht nur leistungsmäßig, sondern auch finanziell in die Gefilde von Supersportwagen vor. Doch wer Anfang der neunziger Jahre einen der ersten Wiesmann-Roadster für damals 100.000 Mark gekauft hat, bekommt heute – je nach Laufleistung – noch bis zu 50.000 für den Zweisitzer. Aber Euro. Von solchem Werterhalt können Inhaber von Aktiendepots momentan nur träumen. Geringe Stückzahlen machen eben begehrt, schließlich sind seit Firmengründung kaum mehr als 1.000 Wiesmann Roadster und Coupés entstanden.

Wer sein Vermögen nicht länger an der Börse verlieren, sondern lieber in Sonnenstrahlen, Glückshormone und neugierige Blicke investieren möchte, muss sich jedoch noch etwas gedulden: Trotz Wirtschaftskrise ist die Jahresproduktion 2009 in Höhe von 30 MF4- Roadstern bereits ausverkauft.

Technische Daten
Wiesmann MF4-S
Grundpreis164.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4220 x 1860 x 1190 mm
Hubraum / Motor3999 cm³ / 8-Zylinder
Leistung309 kW / 420 PS (400 Nm)
Höchstgeschwindigkeit293 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h4,4 s
Verbrauch12,3 L/100 km
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