"Sebastian Vettel ist genauso intelligent wie Michael. Supertalentiert ist er auch. Und er ist vor allem ein verdammt netter Kerl", meint Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Jung, schnell, sympathisch - einen besseren Botschafter als Vettel kann sich der Zampano für sein PS-Spektakel kaum wünschen.
Rekordmann Sebastian Vettel
Der Zimmermannssohn aus dem hessischen Heppenheim raste schon als Formel-1-Lehrling in die Rekordbücher der Königsklasse. Jüngster Pilot auf Pole Position, jüngster Spitzenreiter in einem Grand Prix, jüngster Rennsieger und jüngster Weltmeister, jüngster Doppelweltmeister, die meisten Pole Positions in einer Saison - vor Vettel scheint kaum eine Bestmarke sicher. Kann "Jung-Siegfried", wie ihn Red-Bull-Firmenchef Dietrich Mateschitz einmal nannte, die Vollgas-Branche so dominieren wie einst sein Vorbild Schumacher?
"Ich bin überzeugt, dass Sebastian Vettel als Kind und Jugendlicher genau jeden Schritt meiner Karriere verfolgt hat und heute davon profitiert", sagte Schumacher schon nach dem ersten WM-Titel seines legitimen Nachfolgers und erklärte: "Sebastians Stärke ist, dass er im richtigen Moment die richtigen Fäden zieht und das Maximum aus sich herausholen kann."
Sebastian Vettel wird erwachsen
Beatles-Fan Vettel, der noch immer auf einen Manager verzichtet, ist mittlerweile erwachsen geworden. Die Rückschläge, die den Wahl-Schweizer bis zu seinem ersten Titelgewinn 2010 immer wieder ausbremsten, haben ihn reifen lassen - auch wenn er abseits der Strecke noch immer den schlagfertigen Lausbuben gibt. "Ich habe meine Lektionen gelernt", sagt Vettel, der auf den beißenden britischen Humor der Monty-Python-Truppe abfährt. "Sebastian macht keinen Fehler zweimal", lobt sein Teamchef Christian Horner.
Schon längst spricht auch der Boulevard nicht mehr vom "Baby Schumi", sondern vom "Super Seb". Mit dem Rennsport-Virus hat ihn Vater Norbert infiziert, der im VW Golf Bergrennen fuhr. Als Vierjähriger drehte Vettel auf dem Grundstück seines Elternhauses die ersten Runden im Kart, bald mischte er bei den ersten Rennen mit.
Über BMW und Toro Rosso auf den Red Bull-Thron
Da im Team von BMW-Sauber alle Stammplätze besetzt waren, musste sich der Blondschopf weiter nach Optionen umschauen. Ende Juli bot sich dann die Gelegenheit: Toro Rosso trennte sich von Scott Speed und präsentierte Vettel als Nachfolger. Zum Grand Prix in Ungarn saß der ehemalige Red Bull-Junior erstmals im Cockpit des Teams von Gerhard Berger.
Die ersten vier Rennen liefen allerdings enttäuschend. Erst im Regen von Japan konnte Vettel erstmals auf sich aufmerksam machen. Mit einer beherzten Fahrt ging es vor bis auf Rang drei, bevor er bei schlechter Sicht in einer Safety-Car Phase in das Heck des vor ihm fahrenden Mark Webber krachte. Ein Rennen später machte er den Fehler wieder wett, indem er in Shanghai - ebenfalls im Regen - auf Rang vier über die Ziellinie rollte.
Über Erfolge in der Formel BMW und der Formel 3 diente sich der Abiturient mit Notenschnitt 2,8 zum Formel-1-Testpiloten bei BMW-Sauber hoch. Bei seinem ersten Einsatz als Freitagsfahrer war er 2006 in der Türkei prompt der Schnellste.
Nach seinem Grand-Prix-Debüt in Indianapolis am 17. Juni 2007 als Ersatz für den verunglückten Robert Kubica gab BMW ihn schweren Herzens für das Red-Bull-Schwesterteam Toro Rosso frei. Der Rest ist ein Erfolgsmärchen wie aus 1001 Nacht. Auf den etwas überraschenden ersten Titel 2010 im Wüsten-Emirat Abu Dhabi folgte 2011 direkt der zweite Streich - diese Mal mit elf Siegen und 15 Pole Positions in dominanter Manier. Wo soll das noch hingehen?
(Stand 01/2012)



