Mit Virgin Racing hatte sich der Brite Richard Branson 2010 ein neues Spielzeug gekauft. Nach Rekord-Ballonfahrten und dem spektakulären Weltraum-Programm stieg der exzentrische Milliardär mit aller Macht in die Formel 1 ein. Mit seinem nur 45 Mann starken Team wollte der Brite den etablierten Teams ein Bein stellen.
Das Formel 1-Team Virgin Racing, das vor der Saison 2012 in Marussia F1 umbenannt wurde, entsprang dem ehemaligen Rennstall Manor GP, bei dem Branson 2009 als Großsponsor einstieg. Vor dem Formel 1-Einstieg konnte Manor schon durch beachtliche Erfolge in unteren Formel-Klassen auf sich aufmerksam machen.
CFD-Strategie floppt
Bei der Entwicklung des ersten Autos ging das Designteam um Technikchef Nick With ganz neue Wege. Der Brite verzichtete auf Windkanaltests und entwarf die Boliden ausschließlich am Computer (CFD). Doch das Experiment floppte. Als auch das zweite Auto 2011 keinen Fortschritt zeigte, zog das Team die Reißleine und ersetzte Wirth durch den ehemaligen Renault-Chefingenieur Pat Symonds.
Die Weichen wurden nicht nur personell für eine bessere Zukunft gestellt. Virgin verbündete sich nach dem Vorbild von Force India mit McLaren. Die Techniker durften ab Oktober den Windkanal, die Fahrer den Simulator nutzen. Außerdem stellte McLaren für 2012 eine Eingreiftruppe von zehn Ingenieuren, die bei der Entwicklung des neuen Autos der Mannschaft von Pat Symonds zuarbeiten.
Die zehn Millionen extra, die der Support kostet, kamen von Miteigentümer Marussia. Als Gegenleistung für die Investition der russischen Sportwagenfirma erhält das Team ab 2012 einen neuen Namen. Aus Virgin Racing wurde Marussia F1.
Timo Glock auf verlorenem Posten
Auf der Fahrerseite ist Timo Glock das Gesicht des Rennstalls. Der Hesse ist seit der Teamgründung 2010 am Start, kämpfte bislang aber auf verlorenem Posten. In der Premierensaison, in der Glock zusammen mit dem Brasilianer Lucas di Grassi startete, belegte man am Ende den letzten Platz in der Konstrukteurs-WM.
Das wurde auch 2011 nicht besser. Nun hieß der Teamkollege des Deutschen Jerome D'Ambrosio. Zu einem Punkteergebnis reichte es aber immer noch nicht. 2012 bekommt Glock wieder ein neues Gesicht zur Seite. Ob mit dem Franzosen Charles Pic auch endlich die ersten Punkte eingefahren werden, ist allerdings fraglich.
(Stand: 01/2012)

