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Manfred Winkelhock und Stefan Bellof

Erinnerung an Winkelhock und Bellof

Manfred Winkelhock Stefan Bellof Foto: xpb 12 Bilder

Vor 25 Jahren starb Manfred Winkelhock bei einem Sportwagenunfall in Mosport. Nur drei Wochen später traf es Stefan Bellof in Spa. Der deutsche Motorsport beklagte im  Spätsommer 1985 zwei schmerzliche Verluste.

12.08.2010 Michael Schmidt

Der Spätsommer 1985 ist noch so präsent, als wäre er gestern gewesen. Dabei ist es schon 25 Jahre her, als der deutsche Motorsport innerhalb von 20 Tagen zwei seiner größten Talente verloren hat. Am 12. August jährt sich der Todestag von Manfred Winkelhock zum 25. Mal. Nur drei Wochen später steht ein weiteres trauriges Jubiläum ins Haus. Man hatte sich kaum von Winkelhocks Tod erholt, da erwischte es auch Stefan Bellof.

Tod im Porsche 962 beim Sportwagrennen

Beide starben in einem Porsche 962 bei Rennen zur Sportwagen-Weltmeisterschaft. Die Einsätze bei den Langstreckenrennen waren für Winkelhock und Bellof eine Art Ersatzbefriedigung, denn in der Formel 1 fuhren Deutschlands Hoffnungsträger in unterlegenen Autos hinterher. Im Porsche waren sie Siegfahrer.

Die Gruppe C hatte seit ihrer Einführung 1982 den zehn Jahre lang brachliegenden Sportwagensport wachgeküsst. Die Langstreckenklassiker von Le Mans, Spa, Monza oder Nürburgring erlebten eine Renaissance. Porsche fuhr gegen Lancia und Jaguar und eine Horde von englischen Garagisten. Das Werk belieferte zahlreiche Kundenteams mit identischen Autos vom Typ 962, die durchaus siegfähig waren, wie Winkelhock beim 1.000 Kilometer-Rennen in Monza bewies. Winkelhock war bei Kremer unter Vertrag, Bellof bei Brun.

Sportwagen nicht so sicher wie Formel 1

Im Gegensatz zur Formel 1, wo sich Kohlefaser als Werkstoff für Chassis bereits durchgesetzt hatte, waren die Gruppe C-Renner mit ihren Aluminiumchassis rollende Zeitbomben. In der Rundenzeit standen sie einem Formel 1-Auto um nicht viel nach.

Für Winkelhock und Bellof verlief die Formel 1-Saison 1985 enttäuschend. Winkelhock war beim englischen RAM-Team gelandet. Das von Gustav Brunner gezeichnete Auto mit seinem Hart-Turbo taugte nur für Startplätze im hinteren Mittelfeld. Die Ausfallquote war hoch: sechs Ausfälle bei acht Starts. Winkelhock tröstete sich mit seinen Trainingsergebnissen. Der Schwabe führte bis zum GP Deutschland, seinem letzten Formel 1-Einsatz, das Duell gegen Teamkollege Philippe Alliot mit 6:2 klar an.

Stefan Bellof bestritt 1985 seine zweite Saison bei Tyrrell. Die erste hatte mit Licht und Schatten geendet. Unvergessen war die Fahrt des Gießeners in Monte Carlo 1984 auf Platz drei. Die insgesamt fünf WM-Punkte aus seiner ersten Saison waren Bellof jedoch wieder gestrichen worden, weil sein Rennstall beim Schummeln erwischt wurde. Tyrrell fuhr mit untergewichtigen Autos, die kurz vor der Zieldurchfahrt bei einem Blitz-Boxenstopp auf das Mindestgewicht gebracht wurden. Man füllte Bleikügelchen unter Hochdruck in einen Wassertank.

1985 reichte es für Bellof immerhin noch zu vier WM-Punkten, alle erziehlt mit dem gegen die Turbos haushoch unterlegenen Cosworth V8. Erst ab dem GP Deutschland kam Bellof in den Genuss des Renault V6-Turbos, doch das in Eile auf den Turbomotor umgebaute Auto war ein schlechter Kompromiss. Trotz wenig zählbarer Ergebnisse hatte der Hesse genug gezeigt. Die Fachwelt stellte ihn mit Ayrton Senna auf eine Stufe. Bellof stand bei McLaren und Ferrari ganz oben auf dem Wunschzettel für die Saison 1986.

Bellof starb drei Wochen nach Winkelhock

In der Sportwagen-Weltmeisterschaft kämpften die beiden Deutschen mit konkurrenzfähigem Material. Am 11. August 1985 stand Mosport in Kanada auf dem Plan. Eine Rennstrecke, von der sich die Formel 1 aus Sicherheitsgründen schon acht Jahre zuvor verabschiedet hatte. Nach zwei Stunden Rennzeit prallte Winkelhock in seinem Kremer-Porsche frontal gegen die schlecht abgesicherte Mauer einer bergab führenden Linkskurve. Augenzeugen zufolge war das Auto wegen eines schleichenden Plattfußes in der Kurve einfach geradeaus gefahren. Winkelhock wurde mit schweren Kopfverletzungen aus dem Wrack geborgen. Einen Tag später starb der 33-jährige Waiblinger in einem Krankenhaus in Toronto.

Nur 20 Tage später folgte in Spa der nächste Schock. Stefan Bellof kämpfte mit seinem Brun-Porsche rundenlang gegen Lokalheld Jacky Ickx im Werksauto um die Führung. Ein Duell mit Brisanz: Alt gegen jung, Privatfahrer gegen Werkspilot, und das alles noch auf belgischem Boden. Spa war das Wohnzimmer von Jacky Ickx. Klar, dass der GP-Sieger früherer Tage gegen den um 13 Jahre jüngeren Markenkollegen nicht nachgeben würde. Ein Unfall lag in der Luft, als die beiden Porsche Seite an Seite auf die Eau Rouge-Kurve zuflogen und keiner der beiden auch nur einen Millimeter nachgeben wollte. In der Senke kollidierten die beiden Autos. Während Ickx in einem günstigeren Winkel weiter oben am Berg mit dem Heck voran in die Streckenbegrenzung einschlug, donnerte Bellof nach einer 360 Grad-Pirouette fast frontal gegen das genauerte Fundament der Tribüne an der Außenseite der Kurve. Der Gießener starb noch im Streckenhospital.

Sein Formel 1-Teamchef Ken Tyrrell machte sich bittere Vorwürfe: "Ich hätte ihm die Gruppe C-Einsätze verbieten sollen." Mit Winkelhock und Bellof starben auch die Hoffnungen der Motorsportfans, die endlich wieder einen deutschen Fahrer in einem konkurrenzfähigen Formel 1-Auto sehen wollten. Sie mussten noch sechs Jahre warten, bis ausgerechnet in Spa der Stern von Michael Schumacher aufging.

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