Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Abkehr vom V6-Turbo?

"Beim V8 ist Mercedes nicht dabei"

Marco Mattiacci & Niki Lauda - GP Brasilien 2014 Foto: xpb 28 Bilder

Die Positionen im Motorenstreit sind unverändert unversöhnlich. Ferrari will 13 Extra-Token zur Weiterentwicklung, Mercedes nur 5. Renault hängt irgendwo dazwischen. Es wird mit Veto-Rechten und Stimmenmehrheit gedroht. Steckt dahinter die Agenda, den alten V8 zurückzubringen?

10.11.2014 Michael Schmidt

Am Renntag von Brasilien nahm sich der Motorenstreit eine Auszeit. Die Beteiligten hatten alle Hände damit zu tun, über den jeweils anderen zu schimpfen. Die einzelnen Positionen sind weiter unversöhnlich. Doch Ferrari-Rennleiter Marco Mattiacci kündigte an, dass die Verhandlungen nicht festgefahren sind: "Wir müssen uns an einen Tisch setzen, um eine Lösung zu finden, die den Sport weiterbringt."

Der Status quo sieht wie folgt aus. Ferrari und Renault fordern 13 Extra-Token und eine Ausdehnung des Entwicklungsfensters von Februar bis Juli. Zusätzlich zu den 32, die das Reglement über den Winter erlaubt. Mit den Wertmarken (Token) wird der Umfang der Modifikationen am Motor beschrieben. Bis jetzt dürfen 48 Prozent aller Komponenten verändert werden. Mit den 13 zusätzlichen Token wären es 67 Prozent.

Zustände wie in der DTM

Mercedes will den Rivalen nur 5 zusätzliche Token zugestehen. Das wären insgesamt 56 Prozent des Motors. Mercedes argumentiert mit zusätzlichen Kosten und Prinzipien. Das Reglement war von allen abgesegnet worden. Jeder wusste, was auf ihn zukam. Wenn Ferrari und Renault einen schlechten Job gemacht haben, dann können sie deshalb nicht einfach die Regeln ändern.

Bernie Ecclestone schlug sogar vor, dass Mercedes eine Entwicklungs-Auszeit nehmen solle, bis Renault und Ferrari aufgeschlossen hätten. Das wären Zustände wie in der DTM. Dort profitierte Mercedes von einem Sonder-Entwicklungsrecht.

Red Bull und Ferrari fürchten, dass sie den Rückstand zu Mercedes ohne eine Lockerung der Entwicklung nie aufholen können. Weil ihre Motoren und Strukturen um Jahre hinter dem Mercedes-Standard liegen.

Red Bull-Berater Helmut Marko schießt scharf: "Uns haben sie fünf Jahre lang mit Aerodynamik-Restriktionen eingebremst. Da hat auch keiner etwas gesagt. Wir verlangen von Mercedes ja nur, dass man uns die Chance gibt, näherzukommen.

Niki Lauda verrät, dass er mit Renault eine Chance auf Einigung sieht. Man will zwar nicht von den 5 Extra-Token abrücken, würde es den Gegnern aber gestatten, das zusätzliche Upgrade schon Ende April zu bringen.

Ferrari lehnt auch diesen Vorschlag ab. Und droht mit seinem Veto-Recht, um notfalls die Entwicklung ganz zu öffnen. Die Roten können gegen jeden Passus im technischen Reglement Einspruch einlegen. Dieses Sonderrecht ließe sich allerdings leicht anfechten. Es verstößt gegen jedes Wettbewerbsgesetz in der EU.

V8-Rückkehr als Rettung für bedrohte Teams?

Bei den verhärteten Fronten ist nicht immer ganz klar, welche Agenda hinter den einzelnen Positionen steckt. Geht es wirklich nur darum, mehr Freiheiten bei der Aufholjagd auf Mercedes zu bekommen? Oder sehen Bernie Ecclestone und Red Bull darin die goldene Chance, die ungeliebten V6-Turbos ins Museum zu stellen und zum Achtzlinder zurückzukehren?

Red Bull-Teamchef Christian Horner meinte auf die Frage: "Keiner geht gerne einen Schritt zurück. Manchmal muss man aber einsehen, wenn etwas schiefgelaufen ist. Wenn wir damit die Formel 1 am Leben erhalten, warum nicht? Irgendwann sind die Kosten auch für die Hersteller nicht mehr tragbar."

Genau dieser Punkt könnte eintreten, wenn sich die Gegner von Mercedes mit ihrer Stimmenmehrheit für 2016 eine Entwicklung ohne Limits erstreiten. Das würde dann so teuer werden, dass es kein Kundenteam mehr bezahlen kann. Und damit ginge das Geschäftsmodell der Hersteller nicht mehr auf. Marko glaubt, dass 80 Prozent der Teams jetzt schon für ein Comeback des V8 wären.

Da kommt ihm die Not der kleinen Teams entgegen, die sich gegen Vorwürfe wehren, sie würden über ihre Verhältnisse leben. "Keiner von uns wollte die neuen Motoren. Sie wurden uns aufgezwungen", sagen Lotus, Sauber und Force India.

Niki Lauda schüttelt den Kopf: "Wenn der V8 zurückkommt, steigt Mercedes aus." Auch Honda wäre weg, bevor es richtig losgeht. Porsche und Audi würden sich erst gar nicht mit der Frage beschäftigen, ob ein Einstieg Sinn macht.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden