Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows

Interview mit Adrian Newey

"Schönes Auto mit 2014er Regeln wird schwer"

Adrian Newey - Christian Horner - Sebastian Vettel - Red Bull - Formel 1 - GP Indien - 27. Oktober 2013 Foto: Infiniti 25 Bilder

Adrian Neweys Autos haben Sebastian Vettel, Mika Häkkinen, Jacques Villeneuve, Damon Hill, Alain Prost und Nigel Mansell zu Weltmeistern gemacht. auto motor und sport sprach mit dem Star-Designer über den jüngsten WM-Titel, Sebastian Vettels Geheimnis und seinen Lieblings-Red Bull seit 2009.

10/31/2013 Michael Schmidt
Was ist das Gen, das alle Mehrfach-Weltmeister miteinander verbindet?

Newey: Sie haben die Fähigkeit am Limit zu fahren und gleichzeitig zu begreifen, was sie dabei tun. Wenn sie dann aus dem Auto steigen, können sie sich an alles erinnern. Und sie lernen aus allem, was sie während der Fahrt aufgesaugt haben.

Ist es unfair Vettel den Respekt zu verweigern, weil er seit fünf Jahren im besten Auto sitzt?

Newey: Formel 1 ist ein Teamsport. Mann und Maschine. Dann das eine vom anderen zu trennen und zu sagen, das war nur das Auto oder der Fahrer, ist Zeitverschwendung. Du gewinnst nicht vier Weltmeisterschaften in Folge, ohne ein großartiges Auto und einen großartigen Fahrer zu haben.

Wie vergleichen Sie Vettel mit den Champions, die in Ihren Autos gefahren sind?

Newey: Im Detail sind sie alle verschieden. Jeder hat seine Art, Dinge anzugehen. Das ist menschlich. Was haben sie gemeinsam? Sie sind übernatürlich talentiert, aufgeweckt, intelligent. Sie wissen, warum sie schnell sind.

Bekommen Sie besseres Feedback von diesen Fahrern?

Newey: Das Feedback, das Sebastian uns gibt, ist sehr wichtig für die Entwicklung des Autos. Aber unterschätzen Sie nicht den Beitrag, den Mark Webber leistet. Interessanterweise spürt Mark kleine aerodynamische Änderungen am Auto früher und detaillierter als Sebastian. Er hat da mehr Feingefühl.

Wo hat sich Vettel am meisten gesteigert?

Newey: In seiner Art, Rennen zu fahren. Er überholt heute viel entschlossener als früher. Das ganze entwickelt sich aus dem Kartsport. Entscheidend ist, was man dazulernt, wenn die Autos komplizierter werden.

Kommen wir zum Rennen in Indien: Welche Strategie war besser: Start auf den harten oder weichen Reifen?

Newey: Als wir am Samstagmorgen die Strategie diskutiert haben, war überhaupt nicht klar, welche Taktik die bessere sein würde. Nach dem Freitagstraining wussten wir, dass die weichen Reifen nicht lange halten würden. Wir wussten, dass Sebastian weit ins Feld fallen würde, wenn er mit den weichen Reifen beginnt. Damit er besser überholen kann, haben wir an seinem Auto etwas Abtrieb reduziert und ihm einen längeren siebten Gang eingebaut. Bei Mark wussten wir, dass er ziemlich schnell freie Fahrt haben und sein Tempo fahren würde können. Für Sebastian hing alles davon ab, wie schnell er durch den Verkehr kommt. Das hat er exzellent gelöst.

Warum haben Sie Webber die weichen Reifen im Mittel-Stint gegeben und nicht am Ende?

Newey: Mark hatte sich einen so großen Vorsprung herausgefahren, dass er kurz hintereinander zwei Mal stoppen konnte, ohne eine Position an den Dritten zu verlieren. Damit war klar, dass wir die weichen Reifen in der Mitte des Rennens loswerden wollten, um der Gefahr eines Safety-Cars aus dem Weg zu gehen. Das war Marks Risiko. Seine Strategie wäre im Fall eines Safety-Cars ein ernster Nachteil gewesen, und dabei war es ziemlich egal, zu welchem Zeitpunkt es auf die Strecke gegangen wäre.

Haben sich bei ihm die Probleme mit der Lichtmaschine vom Vorjahr wiederholt?

Newey: Das wissen wir noch nicht.

Was musste Vettel tun, um nicht das gleiche Problem zu bekommen?

Newey: Wir haben ihm gesagt, eine ganze Reihe von Einstellungen am Auto zu verändern, um Strom zu sparen. Zum Beispiel KERS nicht mehr zu benutzen. Bei der Führung, die wir hatten, konnten wir auf etwas Rundenzeit verzichten.

Bei Vettel gab es die Schrecksekunde zweieinhalb Stunden vor dem Start. Was war da mit dem Getriebe los?

Newey: Wir haben Schmutz im Ölkreislauf gefunden und vermuteten, dass er von einer Schaltklaue stammen könnte. Als wir das Getriebe aufgemacht haben, stellte sich heraus, dass wir richtig lagen. Wir konnten die Teile erst wechseln, als das Auto aus dem Parc fermé raus war und sich unser Verdacht bestätigt hat.

Warum konzentrieren sich alle Probleme auf Mark Webbers Auto?

Newey: Was soll ich sagen? Ich kann ihnen nur versichern, dass sämtliche Verschwörungstheorien Unsinn sind. Die Autos sind identisch. Es muss wohl Pech sein.

Welcher Red Bull der Familie von RB5 bis RB9 ist Ihr persönliches Lieblingsauto?

Newey: Uh, eine harte Frage: Vielleicht der RB6, weil er uns 2010 die erste Weltmeisterschaft gebracht hat.

Und das technisch versierteste Auto?

Newey: Ganz klar, der RB5 von 2009. Wir haben damals die Regeln besser gelesen als unsere Konkurrenz, auch wenn wir den Doppeldiffusor zunächst nicht an Bord hatten. Ich halte ihn noch heute für illegal. Abgesehen davon war das Paket sehr gut. Aber als Team waren wir noch nicht so weit, das ganze Potenzial des Autos so zu nutzen, wie wir das heute tun. Es ist ein Kompliment an den RB5, dass von da an alle seine Nachfolger eine Evolution waren. Sie können sich auch das ganze restliche Feld anschauen. Nehmen Sie alle 2009er Autos und lackieren Sie sie in weiß. Dann machen Sie das gleiche mit allen 2013er Autos. Wenn Sie dann alle nebeneinander aufreihen, dann werden Sie feststellen, dass der RB5 der Vater sehr vieler Autos ist.

2014 haben wir wieder eine große Regeländerung. Besteht die Gefahr, dass Sie wieder die Regeln besser lesen als Ihre Kollegen?

Newey: Wer kann das sagen? Das macht irgendwo den Reiz von Regeländerungen aus. Sie können das Feld durcheinander wirbeln. Wir sehen 2014 große Aerodynamikänderungen, wenn auch nicht so groß wie 2009. Aber dafür gibt es dazu noch die Motorenreform, und die betrifft auch uns als Chassisingenieure, weil wir die ganzen Elemente irgendwo im Auto unterbringen müssen. Es kann passieren, dass einer der Motorenhersteller einen signifikanten Vorteil im Vergleich zu den anderen haben wird. Eine entscheidende Rolle wird auch die Standfestigkeit spielen. Es sind also ziemlich viele Fragen offen.

Was überwiegt: Der Reiz der neuen Herausforderung oder der Frust weiterer Restriktionen?

Newey: Unter dem Strich die Restriktionen. Auf den ersten Blick denkst du dir: Da ist aber Vieles neu. Wenn du die Regeln dann im Detail liest, merkst du, wie stark eingeschränkt du bist. Die Nase, der Auspuff, der Heckflügel.

Werden die neue Autos hässlich aussehen?

Newey: Die neuen Regeln machen es schwer, das Auto schön aussehen zu lassen.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Weltmeisterautos von Adrian Newey.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Empfehlungen aus dem Netzwerk
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden