Adrian Newey - Red Bull - Formel 1 2013 25 Bilder Zoom

Adrian Newey im Interview: "Größtes Problem ist der Frontflügel"

Adrian Newey hat wieder einmal das beste Auto im Feld gebaut. Sein Red Bull RB9 dominierte die zweite Saisonhälfte nach Belieben. auto motor und sport sprach mit dem Stardesigner über sein Meisterwerk, die Rolle der Reifen und das 2014er Auto.

Welche Rolle haben die Reifen in der ersten Saisonhälfte gespielt?

Newey: Eine unerwartet große. Die Teams, die heute behaupten, sie hätten ihre Autos für die 2013er Reifen maßgeschneidert, und das alles anhand eines Tests 2012 in Brasilien bei 50 Grad Asphalttemperaturen erkannt, lügen sich entweder selbst in die Tasche, oder sie sind einfach schlauer als wir. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, wie sie nach nur einer Trainingssitzung diese Reifen verstanden haben wollen. Ich glaube, dass die Charakteristik der Reifen für einige Autos eher zufällig gepasst hat. Und für einige andere nicht. Das hatte nichts mit Wissen zu tun.

Hat Red Bull die Rückkehr zu den 2012er Reifenkonstruktionen geholfen?

Newey: Es hat geholfen, auch wenn wir auf gutem Weg waren, die 2013er Reifen zu beherrschen. Autos, die hinten stark angestellt sind wir unseres, haben davon profitiert, da es die 2012er Reifen erlaubt haben, vorne tiefer zu fahren. Je größer die Anstellung, umso besser in schnellen Kurven.

Wo lag denn das Problem der 2013er Reifen?

Newey: Sie haben sehr sensibel auf hohe Fliehkräfte reagiert. Mit viel Benzin an Bord konnte man nicht voll durch schnelle Kurven fahren ohne sie zu zerstören. Die 2012er Reifen haben in diesem Punkt besser reagiert. Da eine der Stärken unseres Autos die schnellen Kurven waren, haben wir davon profitiert.

Welche Rolle hat der Fahrstil gespielt?

Newey: Die Fahrer haben die Reifen schon sehr gut verstanden. Sie hatten ja viel Übung damit. Der Schlüssel lag mehr darin, das Auto den Reifen anzupassen. Es ging darum, den Reifen nicht zu stark zu strapazieren. Und selbst wenn das nicht möglich war, gab es noch Lösungen. Du konzentrierst dich darauf, den Reifen in den Phasen zu nutzen, in denen weniger Last auf ihm liegt. Dafür gibt es aerodynamische und mechanische Lösungen. Die Kunst ist es, beide miteinander zu vereinen.

Der Red Bull hatte seine Probleme hauptsächlich auf Strecken, auf den der Vorderreifen stark gefordert wurde. Warum?

Newey: Das trifft auf den ersten Teil der Saison zu. In Shanghai waren wir schwach. Auch in Barcelona hatten wir Probleme. In der zweiten Saisonhälfte lief es besser. Korea ist wahrscheinlich die Strecke, auf der die Vorderreifen am meisten leiden. Da haben wir eine ganz gute Figur abgegeben. Das liegt einerseits daran, dass unser Auto auf den 2012er Reifen besser funktioniert, und dass wir während der Saison den RB9 stark weiterentwickelt haben. Diese Entwicklungsschritte hätten uns auch mit den 2013er Reifen geholfen.

Einige Teams behaupten, dass sie nach der Rückkehr zu den 2012er Reifen gezwungen waren, das Druckzentrum des Abtriebs nach hinten zu verschieben. Das habe sie benachteiligt. Wie war es mit Ihnen?

Newey: Wir mussten unser Druckzentrum nicht verschieben. Deshalb kann ich zu den Problemen der anderen Teams nichts sagen.

Es gab zwei Auspuff-Layouts. In wieweit war ihre Lösung mit der Rampe hinter den Endrohren ein Kompromiss in Bezug auf die Flaschenhalsform?

Newey: Wäre an dieser Stelle kein Auspuff erlaubt, hätten die Seitenkästen eine andere Form gehabt. Es ist ein Kompromiss, aber er ist sehr klein. Wir arbeiten mit dieser Lösung nun schon ziemlich lange, haben sie immer wieder verfeinert, so dass ich nicht sagen kann, ob die andere besser ist.

Hat Sebastian Vettels Fahrstil das Design des Autos beeinflusst? Haben Sie sich deshalb noch stärker auf das Anblasen des Diffusors konzentriert?

Newey: Ich würde nicht sagen, dass er die treibende Kraft war. Wir haben in diese Richtung entwickelt, weil Windkanal und CFD-Simulationen uns darin bestätigt haben. Unsere Diskussionen mit Vettel und Webber in Bezug auf die Fahrzeugentwicklung haben uns weder in die eine, noch in die andere Richtung beeinflusst. Ich muss sagen, dass Mark Webber in Bezug auf aerodynamische Änderungen am Auto ein größeres Feingefühl hatte als Sebastian. Wir hätten also eher auf ihn hören müssen. Die Entwicklung eines Autos wird aber nie für einen Fahrer maßgeschneidert.

Warum war der Red Bull in Singapur so überlegen?

Newey: Das ist für mich schwer zu sagen. Ich weiß nicht, was die anderen da gemacht haben.

Ihr Auto hat besonders in den langsamen Kurven Zeit gewonnen, also in Phasen, in denen der Auspuff nicht so stark bläst. Welche Rolle spielt die Motorsoftware?

Newey: Eine große. Sie beeinflusst die Fahrbarkeit, das Drehmoment und die Produktion von Auspuffgasen. Ist unser Motor anders als andere? Kann ich nicht sagen. Dazu kenne ich die Konkurrenz-Motoren zu wenig.

Das Aerodynamik-Konzept des Red Bull hat seit 2009 die Formel 1 dominiert. Wie groß ist die Gefahr, dass dies 2014 nicht mehr der Fall ist?

Newey: Das größte Problem im nächsten Jahr ist der schmalere Frontflügel. 150 Millimeter weniger hört sich nicht nach viel an, ist aber ein gewaltiger Unterschied, weil die Endplatten des Flügels sich nun in der Mitte der Vorderreifen befinden. Es wird eine große Aufgabe, diesen Nachteil wettzumachen. Du musst dich entscheiden, ob du die Luft innen oder außen herum führst. Die zweite Herausforderung ist es, den Motor und seine Nebenaggregate im Auto unterzubringen. Diese Antriebseinheit ist ein kompliziertes Biest. Die Installation ist ungefähr zwei bis drei Mal so schwierig wie beim aktuellen V8.

Ist es noch möglich, das 2014er Auto so anzustellen, wie sie es mit all ihren Autos gemacht haben?

Newey: Kann ich noch nicht sagen. Einerseits können wir den Auspuff praktisch nicht mehr dazu nutzen, den Diffusor zu versiegeln. Einmal, weil wir nur ein Endrohr haben, das unter dem Heckflügel mündet, und dann weil der Turbolader viel von der Power der Auspuffgase wegnimmt. Wir haben den Auspuff sicher besser in unsere Aerodynamik eingebunden als die meisten anderen Teams. Deshalb haben wir auch am meisten zu verlieren. Andererseits habe ich meine Autos schon angestellt, da gab es noch kein Anblasen des Diffusors. Es hat auch irgendwie funktioniert. Ich werde es also wieder versuchen.

In der Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal alle Formel 1-Erfolgsmodelle aus der Feder von Adrian Newey.

Michael Schmidt

Autor

Foto

Red Bull

Datum

4. Dezember 2013
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