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Adrian Sutil

Sutils steiniger Weg zum Gipfel

Adrian Sutil & Techart Porsche GT2 Foto: Daniel Reinhard 20 Bilder

Adrian Sutil hat in der Saison 2010 erstmals an die Tür zur Formel 1-Top Ten geklopft. Der Force India-Pilot musste aber auch schmerzlich erfahren, dass es nicht immer nur nach oben geht. auto motor und sport hat den Aufsteiger in seiner Schweizer Wahlheimat besucht.

23.01.2011 Tobias Grüner

Adrian Sutil ist gut gelaunt. Obwohl sich die Schweiz in tristem Grau präsentiert, lässt sich der daueroptimistische Force India-Pilot die Laune von Wolken und Regen nicht verderben. Der Formel 1-Pilot zeigt durch die Scheibe seines von Tuner Techart verfeinerten Porsche 911 GT2 in Richtung der versteckten Berggipfel: "Ich wette, dass es da oben schön ist."

Dem aus dem Flachland stammenden Reporter auf dem Beifahrersitz bleibt bei dieser gewagten Prognose nur ein zweifelndes Lächeln. Gefühlte 100 Serpentinen und rund 1.500 Höhenmeter später folgt aber doch die Erleuchtung. Der graue Wolkenschleier löst sich schlagartig auf. Aus dem hellblauen Himmel knallt mit einem Mal die Sonne herunter. Adrian Sutil nimmt reflexartig die getönte Brille aus dem Ablagefach, schaltet einen Gang runter und stiefelt beherzt auf das Gaspedal.

Adrian Sutil entspannt in den Bergen

Die nur sehr karg profilierten 315er Cupreifen auf der Hinterachse suchen im Kampf gegen die 620 PS des hochgezüchteten Boxers verzweifelt nach Haftung. "Die Traktionskontrolle schalte ich immer als Erstes aus", grinst Adrian Sutil, während der Porsche auf die nächste Kehre zufliegt. Zum Glück sitzt ein Profi am Lenkrad, der das Terrain gut kennt. "Ich fahre zwischen den Grand-Prix-Rennen öfter hier hoch, um ein bisschen abzuschalten."

Die Frage nach der Höchstgeschwindigkeit seines Autos beantwortet Adrian Sutil ohne jedes Zögern: 341 km/h. Es besteht kein Zweifel, dass er diesen Wert nicht nur vom Blick in den Fahrzeugschein kennt. So schnell fährt selbst die Formel 1 nur einmal im Jahr - in Monza. "Die Geschwindigkeit auf der Straße fühlt sich allerdings viel spektakulärer an als auf der Rennstrecke", erklärt der Fachmann.

Der Weg zum Gipfel ist steinig. Das gilt für die Karriere von Adrian Sutil genau wie für den Weg hinauf zum Gotthard-Pass. Am Rande der kopfsteingepflasterten Tremola-Passage ist eine kurze Rast angesagt. Sutil, der erst im Alter von 14 Jahren in den Motorsport einstieg, ist in der Formel 1-Zeit der wilden Kart-Kids eine Ausnahmeerscheinung. Er versprüht vielleicht nicht den spontanen Witz eines Sebastian Vettel, doch die bedacht gewählten Worte des ausgebildeten Pianisten, der neben deutsch und englisch auch fließend spanisch spricht, haben Gewicht.

Force India vom Talent überzeugt

Wenn es im Team nicht läuft oder ihm sein Teamkollege in den Weg fährt, dann versteckt Adrian Sutil seinen Ärger nicht hinter leeren Worthülsen. "Er ist mir manchmal fast ein bisschen zu ehrlich", meint Force India-Geschäftsführer Otmar Szafnauer über seinen Schützling. Vom Talent des 28-Jährigen ist der ehemalige Honda-Mann allerdings überzeugt. "Fahrerisch gehört er direkt hinter Alonso, Hamilton, Vettel und Kubica in die Kategorie der Top-Piloten in der Formel 1."

Adrian Sutil genießt das Leben in der Königsliga. Er hat Spaß an schnellen Autos, teurer Kleidung und gutem Essen. Und er hat kein Problem damit, das auch nach außen zu zeigen. Die Gefahr abzuheben bestehe jedoch nicht, sagt er: "Man muss sich selbst immer wieder klarmachen, dass es ein Privileg ist, in der Formel 1 zu fahren."

Sutil nutzt seine Chance in der Formel 3

Adrian Sutil spricht dabei aus Erfahrung. Den eigenen Kindheitstraum hätte er beinahe schon früh begraben müssen. 2004 versuchte das Talent aus Bayern, sich in der Formel 3 für höhere Aufgaben zu empfehlen. Doch im schwachen Kolles-Team blieb ihm nur die Rolle des Hinterbänklers. "Mir hatte keiner geglaubt, dass es nur am Auto liegt. Erst im Finale von Hockenheim erhielt ich die Chance, das zu beweisen."

Im deutlich besser organisierten ASM-Team wurde kurzfristig ein Platz frei, den Adrian Sutil für ein Rennen übernahm. Der Rest ist Geschichte: Ohne Tests stellte der Deutsche seinen neuen Renner auf die Pole-Position und sicherte sich so einen Stammplatz bei ASM für die nächste Saison. "Das war absolut die Wende in meiner Karriere. Nur deswegen bin ich heute in der Formel 1", ist sich Sutil sicher.

Adrian Sutil auf dem Weg nach oben

2005 wurde er Vizemeister der Formel 3-Euroserie, geschlagen nur von seinem Freund und Teamkollegen Lewis Hamilton. Im Gegensatz zu dem heutigen McLaren-Star musste Adrian Sutil vor seinem Formel 1-Einstieg aber noch ein Wartejahr in Japan einlegen. Endlich in der Königsklasse angekommen, ging bei Spyker unter seinem alten Formel 3-Chef Colin Kolles aber nicht viel voran. Erst als der indische Milliardär Vijay Mallya das Zepter übernahm, kam Schwung in den Force India-Laden. "Die Organisation wurde besser, Mercedes und McLaren haben uns geholfen, und auch unsere Designabteilung hat professioneller gearbeitet", beschreibt Sutil den Prozess.

In der Saison 2009 folgte plötzlich der ganz große Durchbruch. Adrian Sutil gibt zu, dass er selbst nicht so schnell damit gerechnet hatte: "Als wir in Belgien plötzlich um den Sieg gefahren sind, war ich völlig überrascht. Ich war so übermotiviert, dass ich keine perfekte Runde im Qualifying hinbekommen habe." Sein erfahrener Teamkollege Giancarlo Fisichella fuhr nach der Pole-Position auf Rang zwei. Adrian Sutil konnte sich erst zwei Wochen später in Monza mit Rang vier für die verpasste Chance von Spa entschädigen.

Force India-Knick in der zweiten Saisonhälfte

Ortswechsel. Der Formel 1-Aufsteiger hat seinen weißen Techart-Renner mittlerweile vor einer gemütlichen Alpenhütte abgestellt. Draußen frischt der Wind auf. Die Wolken ziehen an den Berghängen nach oben. Die Gipfel geraten langsam wieder außer Sichtweite. Drinnen spricht Adrian Sutil über die neue Erfahrung, dass es auch in der Formel 1 einen Weg nach unten gibt.

Dabei hatte das Jahr 2010 eigentlich so vielversprechend begonnen: Bestzeit im ersten Freien Training von Bahrain, sieben Mal Punkte in den ersten zehn Rennen - der neunte WM-Rang schien im Kampf gegen Michael Schumacher bereits in Reichweite. Doch in der zweiten Saisonhälfte kam plötzlich der Knick. Zum ersten Mal in der Geschichte von Force India zeigte die Formkurve nicht mehr nach oben. "Wir hatten Probleme mit dem angeblasenen Diffusor. Bei der Konkurrenz waren die Updates einfach größer", analysiert Adrian Sutil. Im Schlussspurt verlor er sogar noch den angestrebten Top-Ten-Platz gegen Rubens Barrichello.

Adrian Sutil hat Top Ten im Visier

Trotz der Verbesserung von Platz 17 auf Rang elf in der Jahresendabrechnung überwog beim ehrgeizigen Deutschen am Ende die Enttäuschung. "Es muss immer weitergehen. Für nächstes Jahr ist die einstellige Platzierung fest geplant", steckt sich Adrian Sutil die nächsten Ziele.

Gerne hätte er dafür den Arbeitgeber gewechselt. Adrian Sutil machte nie ein Geheimnis aus seinem Wunsch, für einen großen Rennstall zu fahren. Der große Traum heißt Ferrari. "Ich finde die Autos auf der Straße geil. Ich finde das Rennteam geil. Ich finde die Farbe geil. Das ist etwas ganz Besonderes", schwärmt der Deutsche von den Italienern. Aber auch McLaren oder Mercedes GP hat der Starnberger auf dem Zettel. "Ich würde sehr gerne noch einmal mit Lewis Hamilton in einem Team fahren", lautet ein Wunsch für die Zukunft.

Vijay Mallya: "Sutil ist mit dem Team gewachsen"

Da die großen Cockpits dieses Jahr aber schnell besetzt waren, blieb Adrian Sutil wieder einmal nur die Vertragsverlängerung bei Force India als einzige Option. Teamchef Vijay Mallya ließ seinen Fahrer zappeln, obwohl er ihm zuvor öffentlich umgarnte: "Er ist mit dem Team gewachsen und hat viel zum Aufstieg beigetragen. Dabei hat er sich auch persönlich weiterentwickelt. Ich erwarte, dass der Aufwärtstrend weiterhin anhält."

Zunächst führt der Weg von Adrian Sutil aber noch einmal nach unten. Auf der Fahrt zurück in seine Wahlheimat Oensingen taucht der weiße Porsche schon nach wenigen Metern wieder ab, in das Schweizer Nebelmeer.

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