Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Adrian Sutil vor Gericht

Richterin spricht F1-Fahrer schuldig

Adrian Sutil Gericht München 2012 Foto: dpa 23 Bilder

Das Münchner Amtsgericht hat Adrian Sutil wegen gefährlicher Körperverletzung zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Die Richterin sah es als erwiesen, dass der Rennfahrer Eric Lux vorsätzlich mit einem Glas am Hals verletzt hatte.

31.01.2012 Tobias Grüner

Um kurz nach 11 Uhr sprach Richterin Christiane Thiemann ihr Urteil, mit dem nur die wenigsten gerechnet hatten. Adrian Sutil wurde zu anderthalb Jahren Haft verurteilt, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wurden. Außerdem muss Sutil die Kosten des Verfahrens tragen und zusätzlich noch 200.000 Euro an wohltätige Zwecke stiften.

Adrian Sutil: "Vielleicht nehme ich ein Jahr Auszeit."

"Ich bin froh, dass es jetzt erstmal vorbei ist", erklärte ein sichtlich bewegter Sutil nach der Urteilsverkündung. "Das einzig Positive ist, dass ich mit Herrn Lux im Reinen bin. Wir haben uns die Hand gegeben." Wie es mit der Karriere des 29-Jährigen weitergeht, ist allerdings unklar. "Vielleicht nehme ich ein Jahr Auszeit. Wir werden uns jetzt überlegen, was das Beste ist."

Ob Sutil das Urteil anfechten wird, ist ebenfalls noch unklar. "Wir müssen erst einmal den Frust verarbeiten. Dann werden wir eine Entscheidung treffen, ob wir in Berufung gehen", erklärte Sutil-Verteidiger Jürgen Wessing. Ob das Urteil auch sportrechtliche Folgen in Form des FIA-Lizenzentzugs für den Rennfahrer hat, ist nicht bekannt. Manager Manfred Zimmermann erklärte dazu: "Wir haben ein Schreiben von der FIA, dass es sich um eine private Angelegenheit handelt. Ich rechne nicht mit weiteren Konsequenzen."

Medizinisches Gutachten sieht Sutils Schuld

Die Richterin sah es nach der Beweisaufnahme und den Zeugenaussagen als erwiesen, dass sich Sutil am 14. April 2011 im Shanghaier Nachtclub Mint der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hatte. Der damalige Force India-Pilot hatte bei einem Streit den Mitbesitzer des Renault-Teams, Eric Lux, mit einem Champagner-Glas schwer am Hals verletzt.

Die Richterin ging in ihrer Urteilsbegründung vor allem auf die Aussage des medizinischen Experten ein. Der Gutachter hatte festgestellt, dass das dünne Champagnerglas "lotrecht" auf den Hals auftrat. "Es muss sich damit um eine geführte Bewegung des Glases gehandelt haben", so Richterin Thiemann. Der Behauptung von Sutil, intuitiv auf einen Angriff reagiert zu haben, schenkte das Gericht keinen Glauben.

Sutil zeigt sich enttäuscht über Hamiltons Absage zur Aussage

Lewis Hamilton hätte an dieser Darstellung vielleicht etwas ändern können. Doch der McLaren-Pilot, der während des Vorfalls direkt neben Sutil auf einer Couch saß, konnte sich nicht daran erinnern, etwas beobachtet zu haben. Die Einladung zur Zeugenaussage nahm der Brite mit Verweis auf Terminprobleme nicht wahr. "Es kann wohl jeder nachvollziehen, wie ich darüber denke", erklärte Sutil enttäuscht. "Es wäre eine nette Geste gewesen, wenn er dabei gewesen wäre."

Zusätzlich zur Körperverletzung betonte die Richterin in Ihrem Schlusssatz auch, dass Sutil als Profisportler eine Vorbildfunktion habe. Außerdem seien dem Geschädigten Lux "gravierende Folgen" entstanden. Die Narben an der linken Halsseite waren auch neun Monate nach dem Vorfall noch gut zu erkennen.

Richterin folgt Staatsanwaltschaft in weiten Teilen

Dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, begründete Thiemann mit besonderen strafmildernden Umständen Sutils. Der Rennfahrer war zuvor noch nicht straffällig in Erscheinung getreten. Außerdem sei er bereits durch den Prozess selbst gestraft, indem er keinen neuen Vertrag für die Saison 2012 erhielt.

Damit folgte Richterin Thiemann in weiten Teilen den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Im Gegensatz zum ursprünglichen Strafbefehl (ein Jahr auf Bewährung) hatte die Anklage in ihrem Plädyoer eine Strafe von einem Jahr und neun Monaten gefordert. Am Ende blieb das Urteil nur drei Monate darunter.

Die Abweichung vom ursprünglichen Strafbefehl, der von Sutil abgelehnt wurde, begründete Staatsanwältin Nicole Selzam mit der Rechtslage: "Es war nie die Absicht, ein öffentlichen Prozess vor der Presse durchzuführen. Die Strafe im Antrag entsprach dem gerichtlichen Höchstmaß."

Reflex Sutils ist "lächerlich"

Die Staatsanwaltschaft hatte es - wie später die Richterin auch - als erwiesen angesehen, dass Sutil bei seinem Angriff vorsätzlich gehandelt habe. Eine Bedrohungslage war demnach nicht zu erkennen. Die Aussagen des Angeklagten zu der entscheidenden Szene bezeichnete die Staatsanwältin als "nebulös", die Formulierungen seien gut einstudiert. Sutil habe nicht plausibel erklären können, wie es zu der Verletzung gekommen sei. Die Entschuldigung des F1-Piloten, dass es sich bei der Handbewegung um einen Reflex gehandelt habe, wertete Selzam als "lächerlich".

Im Gegensatz zur Staatsanwältin hielt sich der Rechtsbeistand von Lux, Eberhard Kempf, in seinem Plädoyer merklich zurück. Zwar sah es auch der Anwalt des Nebenklägers als erwiesen an, dass Sutil vorsätzlich und ohne Bedrohung gehandelt habe, man verzichtete allerdings auf die Forderung eines Strafmaßes. Wichtiger war es zu betonen, dass es Lux niemals darum ging, Kapital aus dem Streit zu ziehen.

Kempf deutete an, dass sich Sutil wohl mit einer früheren persönlichen Entschuldigung viel Ärger erspart hätte. Der Anwalt bezeichnete die ganze Angelegenheit als "eine Geschichte verpasster Gelegenheiten." Am Abend nach dem ersten Verhandlungstag hatte Sutil sein Gegenüber noch einmal angerufen und sich persönlich entschuldigt. Lux akzeptierte die Entschuldigung des Rennfahrers. Eine mögliche Einigung im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs scheiterte noch während des Prozesses am Einspruch der Staatsanwaltschaft.

"Es war ja kein Weißbierglas!"

Die Verteidigung hatte sich in ihrer Abschlusserklärung vor allem auf die Frage konzentriert, ob Sutil wirklich bewusst war, dass er während des Stoßes zum Hals von Lux ein Glas in der Hand hielt. Anwalt Wessing verglich es mit der Suche nach einer Brille, die man bereits auf der Nase hat. Als Rennfahrer sei es für Sutil Selbstschutz, die Verletzungsgefahr an der Hand zu vermeiden. "Es war ja kein Weißbierglas, das man an der Tischkante zerschlägt und als Waffe benutzt, oder ein Schlag mit einem Bierhumpen. Das wäre etwas anderes", so Wessing.

Zweifel versuchte der Verteidiger auch in der Frage aufkommen zu lassen, ob Sutil eine vorsätzliche Tat und die schweren Verletzungen seines Gegenübers überhaupt zuzutrauen sind. Die Zeit in der Formel 1 habe gezeigt, dass er ein "ausgewogener und friedfertiger Mensch" sei. Das spielte am Ende im Urteil aber nur eine untergeordnete Rolle.

Adrian Sutil verdiente 2011 750.000 Euro

Während der Zeugenbefragung am Dienstag (31.1.) waren zuvor noch einige interessante Details zu Sutils finanzieller Situation ans Tageslicht gekommen. Auf Nachfrage musste der Pilot aussagen, dass er 2011 insgesamt rund 750.000 Euro verdiente. Für die Förderung seiner Karriere stehen noch Schulden in Höhe von 600.000 bis 800.000 Euro bei seinem Management aus.

Sutil hat nun sieben Tage Zeit sich zu überlegen, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Das Urteil wird erst rechtskräftig, wenn er die Strafe akzeptiert.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden