Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Adrian Sutil vor Gericht

Einigung ohne Verurteilung?

Adrian Sutil Gericht München 2012 Foto: dpa 23 Bilder

Update ++ Adrian Sutil sitzt im Münchner Amtsgericht auf der Anklagebank. Hat der ehemalige Force India-Pilot den Renault-Mitbesitzer Eric Lux wirklich vorsätzlich verletzt? Die ersten Aussagen brachten Klarheit über das Geschehen am 17. April 2011.

30.01.2012 Tobias Grüner

Im Verfahren Adrian Sutil gegen Eric Lux deutete sich schon am ersten Tag eine Entscheidung an. In der Mittagspause hatte Sutil-Manager Manfred Zimmermann der Gegenseite Interesse an einer Einigung signalisiert. Der Verteidiger von Lux betonte zwar, dass solch ein Vorgehen mitten im Prozess unangemessen sei, wollte sich das Angebot aber zumindest anhören.

Nach dem Ende der Anhörungen standen die beiden Beteiligen mit ihren Rechtsbeiständen am Abend noch lange im Flur des Münchner Amtsgericht, um mögliche Szenarien durchzuspielen. Sollten sich beide Seiten auf eine Lösung verständigen, muss nur noch Staatsanwältin Nicole Selzam ihr Einverständnis geben. Finden alle Parteien Dienstag früh zu einer Einigung, könnte das Verfahren relativ schnell ohne weitere Konsequenzen für Sutil zu einem Ende geführt werden.

Hamilton kann sich nicht erinnern

Als Richterin Christiane Thiemann die Sitzung am Montag (30.1.) um 9.05 Uhr eröffnete, sah es danach zunächst noch nicht aus. Mit Hilfe der Zeugenaussagen ging es darum, die Wahrheit zu finden. Die Frage lautete: Was war in der späten Nacht des 17. April im Shanghaier Mint-Club genau passiert? Was führte zur schweren Verletzung von Renault-Mitbesitzer Eric Lux?

In den ersten Stunden des Verfahrens kamen direkt die beiden Hauptpersonen zu Wort. Der Ablauf der Tatnacht wurde minütlich rekonstruiert. Sutil erklärte, dass er zusammen mit dem GP China-Sieger Lewis Hamilton im Shanghaier Mint-Club feiern wollte, als ihm in der abgesperrten VIP-Lounge ein Glas über die Hose gekippt wurde. Nachdem der 29-Jährige die Verursacherin genervt darauf angesprochen hatte, erschien plötzlich Lux am Tisch.

Zwischenfall nachts um 2.46 Uhr

Der Luxemburger Geschäftsmann hatte in dem VIP-Bereich einige Tische reserviert und verlangte von Sutil Respekt vor seinen Gästen. "Er hat zu mir gesagt: Weißt Du, dass ich ein Formel 1-Fahrer bin? Darauf habe ich gesagt: Weißt Du, dass ich ein Formel 1-Teambesitzer bin?", so Lux über die ungewöhnliche Vorstellung. Um 2.46 Uhr kam Lux das zweite Mal an den Tisch von Sutil und Hamilton. Dieses Mal blieb es nicht beim Wortwechsel. Lux beugte sich zu Sutil herab, der auf einer roten Couch Platz genommen hatte. Lux kam dem F1-Pilot sehr nahe, worauf dieser mit einer Handbewegung in Richtung Hals reagierte.

Das Gericht muss nun klären, ob es sich dabei um einen "Schubser" handelt, wie Sutil behauptet, oder einen "Schlag", wie von Lux geschildert. Nach Angabe von Sutil habe er sich in dem überfüllten Bereich bedroht gefühlt. Lux sei aggressiv auf ihn zugekommen. Sein Gegenüber verneinte das.

Einer, der in der ganzen Sache für Aufklärung hätte sorgen können, war Lewis Hamilton. Der McLaren-Pilot hatte direkt neben Sutil auf der Couch gesessen. Der Brite war als Zeuge geladen, konnte wegen beruflicher Termine aber nicht in München erschienen. Schriftlich deponierte er die Aussage bei Gericht, dass er sich an die entscheidende Szene sowieso nicht erinnern könne.

Dafür war Jerome D'Ambrosio im Gerichtsgebäude an der Nymphenburger Straße als Zeuge erschienen. Der damalige Virgin-Pilot war in der betreffenden Nacht ebenfalls vor Ort, konnte aber nur begrenzt zur Wahrheitsfindung beitragen. Er habe ein Klirren des Glases gehört, aber nicht gewusst wo es herkam, sagte der Belgier aus. Die Verteidigung versuchte dem neuen Lotus-Ersatzmann anhand der Videobilder nachzuweisen, dass er doch in die Richtung der streitenden Parteien geschaut hatte.

Wurde Sutil bedrohlich angegangen?

Die Frage, die das Gericht vor allem beantworten muss, lautet, ob Lux seinem Gegenüber einen Grund gab, sich bedroht zu fühlen. Sutil erklärte, er habe aus Reflex gehandelt. "Das ging alles so schnell. Ich hatte zuerst gar nicht gemerkt, dass ich ein Glas in der Hand hatte. Auch dass ich mich dabei selbst an der Hand verletzt hatte, wurde mir erst später bewusst."

Die Folgen der Auseinandersetzung waren am Hals von Eric Lux auch neun Monate nach dem Vorfall noch deutlich zu erkennen. Eine neun Zentimeter lange Narbe sticht an der linken Seite über dem Hemdkragen heraus. Einige Glassplitter seien immer noch unter der Haut, gab der Nebenkläger zu Protokoll. Direkt am Tag nach dem Zwischenfall konnte er den Kopf nicht richtig bewegen, hatte starke Schmerzen und klagte über fehlendes Gefühl im Ohr.

Der medizinische Sachverständige bestätigte, dass das Glas nur einen Zentimeter von wichtigen Blutgefäßen entfernt in die Haut eindrang. Die Folgen hätten potenziell lebensbedrohlich sein können, so das Urteil des Experten. Lux-Verteidiger Eberhard Kempf war zufrieden mit der Meinung des Mediziners. "Er hat bestätigt, dass die Verletzung nicht einfach durch eine en-passant-Bewegung geschehen ist, sondern das mittelgroße Kraft dabei nötig war."

Lux beklagt fehlende Kommunikation mit Sutil

Lux äußerte noch einmal sein Unverständnis darüber, dass sich Sutil direkt nach der Tat nicht persönlich bei ihm entschuldigt hatte. Der Formel 1-Pilot versuchte noch in der Nacht erfolglos ihn auf dem Handy zu erreichen, war dann aber mit der bereits lange zuvor gebuchten Maschine um 9.00 Uhr zurück nach Zürich geflogen. "Es wäre nicht schwer gewesen, mein Hotel herauszufinden", kritisierte Lux.

Die erste persönliche Entschuldigung erfolgte erst sieben Monate nach dem Vorfall beim letzten Rennen in Brasilien. Sutil hatte Lux beim Frühstück angesprochen und die Verletzung seines Gegenübers bedauert.

Spannend ist auch, wie die beiden Parteien die Angelegenheit zunächst regeln wollten. Laut Sutil hatte Lux "eine zweistellige Millionensumme" gefordert. Auch der Vorschlag, einige Rennen auszusetzen, stand im Raum. Die Verhandlungen scheiterten an den laut Sutil völlig überzogenen Vorstellungen der Gegenseite.

Außergerichtliche Einigung bisher unmöglich

Dabei verhandelte die Sutil-Seite nicht mit Lux persönlich. Die Gespräche liefen auch mit dessen Geschäftspartner Gerard Lopez. "Er hat es uns schwer gemacht", so Sutil über die Versuche, sich außergerichtlich zu einigen. "Er wollte mich zerstören. Er wollte meine Formel 1-Karriere ruinieren und dass ich jahrelang in den Knast gehe", so der damalige Force India-Pilot.

Sutils Verteidiger Jürgen Wessing deutete in der Befragung von Lux mögliche Motive für die Forderung nach dem Verzicht auf einige Grand Prix-Starts an. Wäre Renault dadurch im Konstrukteurspokal bevorteilt? Hätte einer der Nachwuchspiloten aus dem Fahrerkader von Lux eine Chance auf eine Anstellung gehabt? "Lux dementierte entschieden. "Daran habe ich nicht eine Sekunde gedacht."

In der Verhandlung wurde auch das Video des Vorfalls gezeigt. Sutils Manager Manfred Zimmermann, der ebenfalls als Zeuge geladen wurde, hatte extra einen großen Fernseher in den Gerichtssaal gebracht. "Die Bilder sind sauschlecht", musste selbst Verteidiger Wessing zugeben. "Ich habe es mir 40 bis 50 Mal angeschaut und das Video in 15.000 Einzelbilder aufgesplittet.

Wessings bezeichnete die Verhandlung in der Mittagspause als "uphill battle" - als zähen Kampf. "So ist die Münchner Justiz - Freisprüche hat man hier nicht häufig." Vielleicht ist das ja auch ein Grund für den Last-Minute-Versuch sich außergerichtlich zu einigen

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden