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Alain Prost über die neue Formel 1

"Technologie zu schlecht erklärt"

Alain Prost - Jacques Laffitte - Formel 1 - GP Abu Dhabi - 02. November 2013 Foto: xpb 17 Bilder

Der vierfache Monaco-Sieger Alain Prost ist Markenbotschafter von Renault, doch er sieht die neue Formel 1 kritisch. Das größte Problem sei nicht der Lärm, sondern die Unfähigkeit der Formel 1 ihre wunderbare Technik zu erklären.

22.05.2014 Michael Schmidt

Alain Prost zählt zu den Rennfahrern mit Köpfchen. Der 59-jährige Franzose trug nicht umsonst den Spitznamen "Professor", gewann 51 Grand Prix und holte vier WM-Titel. Heute arbeitet Frankreichs bester Rennfahrer als Botschafter von Renault und als TV-Kommentator. Prost ist ein genauer Beobachter des Motorsports. Und er hat eine eigene Meinung. Die war noch nie gefärbt von der Sprachregelung seiner Arbeitgeber. Renault hat diese neue Motorenformel gewollt. Trotzdem sagt Prost: "Die neue Formel 1 ist sicher kein voller Erfolg. Dafür steckt sie zu viel Kritik ein."

Lärmdiskussion nur als Ausrede

Die dezente Geräuschkulisse sieht Prost noch als den unwichtigsten Teil dieser Kritik. "Für mich ist der Lärm eine Ausrede, um andere Dinge zu kaschieren, die nicht funktionieren." Die da wären? "Die Formel 1 hat es nicht geschafft, den Fans die wundervolle neue Technologie zu erklären und ihnen zu sagen, warum es sie gibt."

Das sei der Fehler aller Beteiligten. Stattdessen wird das eigene Produkt schlecht geredet. Sehr oft zu unrecht. "Im Februar haben wir uns alle ausgemalt, was passiert, wenn alle Autos ausfallen. Heute haben wir schon wieder die Zuverlässigkeit der Autos vom letzten Jahr. Da wurde unnötig Wind gemacht."

Formel 1 erreicht die junge Generation nicht

Prost glaubt nicht, dass die neue Motorenformel für den Rückgang des Interesses am Sport verantwortlich ist. "Diese Entwicklung erleben wir schon seit zwei Jahren. Offenbar erreichen wir die jüngeren Zuschauer nicht. Und viele der alten verlassen uns, weil sie der goldenen Vergangenheit nachtrauern." Deshalb hält Prost die neue Formel E für einen guten Gradmesser. "Es ist ein Abenteuer. Keiner von uns kann sagen, ob sie einschlägt. Wenn, dann wird sie ein neues Publikum begeistern. Und dieses könnte über den Umweg der Formel E sich dann für den Motorsport der klassischen Art begeistern."

Für den Großteil des Publikums ist die Formel 1 zu kompliziert geworden. Prost warnt die Beteiligten davor, von den eigenen Eindrücken auf andere zu schließen. "Wenn ich mir einen Grand Prix anschaue ist das nicht das gleiche, als wenn ein normaler Fan zuschaut. Oder einer, der das zum ersten Mal sieht. Ich habe die Erfahrung meiner eigenen Karriere. Ich kenne den Sport und kann auf Daten und Funksprüche zurückgreifen, viel mehr als der TV-Zuschauer. Deshalb sind für mich Rennen interessant, die für andere langweilig wirken, weil sie diese Extra-Information nicht haben."

Zu viele künstlichen Elemente

Prost prangert auch die vielen künstlichen Elemente an, die diesen Sport spannend machen sollen. Zum Beispiel die Regel, dass ein Fahrer Reifen wechseln muss, um wenigstens ein Mal mit jeder der beiden Mischungen gefahren zu sein. "Warum bietet Pirelli nicht drei unterschiedliche Mischungen an? Der Fahrer muss auf dem Reifensatz losfahren, auf dem er sich qualifiziert hat. Dann ist es ihm überlassen, ob er das Rennen auf dem Satz zu Ende fährt oder zwischendurch wechselt. Das ergibt viel mehr Strategiemöglichkeiten, und der Fahrer ist mehr in die Strategie mit eingebunden. Sind wir doch ehrlich: Die Taktik ist vorbestimmt. Der Fahrer kriegt vor dem Start gesagt, wie sein Rennen aussehen wird. Das ist nicht gut für den Sport."

Zum Schluss kommt Prost auf den schwachen Saisonstart seines Partners Renault zu sprechen. "Wir waren einfach zu spät dran. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie Erfolg gemacht wird. Red Bull hatte einen Plan und ist damit vier Mal Weltmeister geworden. Mercedes hatte einen Plan, und fährt im Augenblick vorne weg. Renault braucht einen Plan für 2015."

Das heißt nicht, dass Renault die Entwicklung am aktuellen Triebwerk einstellen soll, um sich voll auf die kommende Saison zu konzentrieren. "Wir müssen uns kontinuierlich verbessern. Keiner kann sagen, wo Renault heute im Vergleich zu Mercedes steht. Renault hat beim GP Spanien einen großen Sprung gemacht. Mercedes liegt immer noch vorne, aber viele haben übersehen, dass bei denen der Sprung vom Auto kam."

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