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Alain Prost im Interview

"Volle Rückendeckung für F1-Projekt"

Alain Prost - Renault - 2015 Foto: Renault 35 Bilder

Alain Prost war die treibende Kraft hinter Renaults Formel 1-Projekt. Der vierfache Weltmeister erklärte der Konzernleitung, dass es zu Ganz oder gar nicht keine Alternative gibt. Jetzt freut sich Prost, dass alle bei Renault hinter dem Werksteam stehen.

08.02.2016 Michael Schmidt
Braucht die Formel 1 die Hybridtechnik?

Prost: Gehen wir ein paar Jahre zurück. Da hatten alle großen Autohersteller mehr oder weniger den gleichen Motor. Daraufhin haben die Autofirmen gesagt: Wir hören auf, wenn wir nicht unsere Kompetenz mit etwas zeigen können, das auf dem Automobilmarkt relevant ist. Sie wollen beweisen, dass sie besser sind als die Konkurrenz. Viele beklagen sich über die Dominanz von Mercedes. Aber sind wir mal ehrlich: Sie haben den besten Job gemacht. Sie verdienen es zu gewinnen. Du musst in der Formel 1 manchmal akzeptieren, dass ein anderer besser ist.

Also kein Weg zurück zur V8-Ära?

Prost: Ich weiß, dass sich viele Fans die V8-Ära zurückwünschen. Aber das wäre das falsche Signal. Die Formel 1 muss neue Technologie zeigen. Vielleicht ist ein Kompromiss möglich zwischen dem, was sich die Fans wünschen und dem, was die Hersteller wollen und brauchen. Wir brauchen neue Regeln. Aber nicht nur in einem Gebiet. Es muss ein Gesamtkonzept sein, für Auto, Motor, die Sportgesetze. Wenn wir nur den Motor ändern, wäre das gefährlich. Eine Woche lang streiten wir über Motoren, eine über Reifen, eine über die Autos. So geht das nicht. Wir müssen am gesamten Paket arbeiten.

Renault kommt zum dritten Mal als Werksteam in die Formel 1. Was ist anders als früher?

Prost: Zum ersten Mal gibt es eine volle Rückendeckung vom Vorstand. Er steht hinter dem Projekt. An erster Stelle unser Präsident Carlos Ghosn. Sie haben bei der Präsentation gemerkt, wie stark er sich mit dem Projekt identifiziert. Das war in der Vergangenheit nicht so. Selbst als Renault Weltmeister geworden ist, ging das in der Kommunikation fast unter. Ich habe in den letzten 2 Monaten hart dafür gearbeitet. Es hätte keinen Sinn gemacht, sich auf so ein Abenteuer einzulassen, wenn nicht alle mitziehen. Diesmal steht auch ein Gesamtplan dahinter. Alle Länderdivisionen von Renault stehen dahinter, das Marketing ist voll darauf abgestimmt, es gibt ein logisches Sportprogramm mit Anbindung an die Serienproduktion.

Wird das auch so sein, wenn Renault nicht Weltmeister wird?

Prost: Es ist für Renault nicht zwingend notwendig Weltmeister zu werden. Wir müssen aber irgendwann in der Lage sein, an der Spitze um die Weltmeisterschaft mitzufahren. Damit die Leute rund um die Welt das Gefühl haben: Renault ist ein Top-Team. Für Mercedes oder Audi ist es viel wichtiger zu gewinnen. Sie haben nur diesen einen Anspruch. Für uns ist der WM-Titel eine Zugabe.

Wie groß ist die technische Herausforderung?

Prost: Sie ist größer als in der Vergangenheit. Aber das ist gewollt. Renault will in der Hybrid-Technik vorankommen. Deshalb gibt es auch eine Zusammenarbeit mit Infiniti in diesem Bereich. Das Aufholen ist auch wegen der Regeln schwieriger geworden. Wenn du in der Vergangenheit ein Problem hattest, hast du in einer Woche alles geändert und bist die übernächste Woche auf die Teststrecke gegangen. Jetzt gibt es zu viele Restriktionen.

Wie wichtig ist es, dass Renault Geduld hat?

Prost: Wir haben einen Neunjahres-Plan. Jeder in der Firma weiß das. Es ist unmöglich, dass wir in diesem Jahr vorne mitfahren. Jeder kennt die Geschichte des Teams im letzten Jahr. Es muss viel Arbeit reingesteckt werden, um es wieder auf die Füße zu bringen. Wir wollen die Leute nicht anlügen. Vor allem der Anfang der Saison wird hart. Uns steht ein Entwicklungsprozess bevor, der zwei, drei Jahre dauern wird. Wir müssen uns gedulden. Und wir werden es tun. Die Frage ist, ob die Medien und die Öffentlichkeit mit uns so viel Geduld haben werden. Deshalb ist gerade am Anfang die richtige Kommunikation extrem wichtig.

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