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Alarm bei der Formel 1

EU-Kommission untersucht Formel 1-Verträge

Flaggen -  EU & Formel 1 Foto: xpb 41 Bilder

Jetzt wird es eng für das Formel 1-Establishment. Der EU-Kommission liegt ein Antrag vor, die Wettbewerbsverzerrung in der Königsklasse zu untersuchen - und zwar dringend.

26.11.2014 Michael Schmidt

Die Treffen der Strategiegruppe und der Formel 1-Kommission am Dienstag (25.11.2014) in Genf führten in den wichtigen Fragen zu keinem Ergebnis. Ferrari, Red Bull und McLaren blockierten und verzögerten die Verhandlungen so lange, dass nur 6 der 29 Punkte auf der Agenda behandelt wurden. Für die Motorenentwicklung gilt das aktuelle Reglement. Eine Preissenkung bei den Motoren für die Kundenteams wurde von Fiat-Boss Sergio Marchionne abgewürgt.

Als die Diskussion auf eine gerechtere Verteilung der Einnahmen kam, stellten sich Ferrari und Red Bull quer. Mercedes wäre bereit, auf einen Teil der Auszahlung zugunsten der kleinen Teams zu verzichten, wenn auch beiden anderen großen Teams ihren Obolus beisteuern. CVC-Chef Donald Mackenzie signalisierte für diesen Fall einen Zuschuss aus der Kasse der Rechteinhaber. Doch es blieb bei guten Wünschen und der Sturheit der Hardliner.

Alter Friedensvertrag zwischen FIA und EU verletzt

Trotzdem gibt es Hoffnung für die Privatteams. Möglicherweise müssen die Verträge zwischen den Teams, den Rechteinhabern und der FIA neu geschrieben werden. Im Sinne eines fairen Wettbewerbs. Seit dem 21. November liegt ein entsprechender Antrag der neuen Wettbewerbs-Kommissarin Margrethe Vestager in Brüssel auf dem Tisch.

Der Brief, der auto motor und sport vorliegt, wurde von der englischen Labour-Abgeordneten Anneliese Dodds an die EU-Kommission geschrieben. Der Wahlkreis von Dodds liegt genau in der Gegend Englands, in der fast alle Formel 1-Teams beheimatet sind. "Zwei dieser Teams wurden in jüngster Vergangenheit in die Insolvenz überführt. Mit dem Ergebnis, dass viele Arbeitsplätze verloren gegangen sind."

Die englische Parlamentarierin schreibt an ihre Kollegin in Brüssel: "Ich bin dankbar, dass Sie sich in Zukunft dafür einsetzen, Verletzungen des Wettbewerbsgesetzes aufzuspüren und sie aufzulösen. Meiner Ansicht nach liegt eine solche Verletzung gerade im Fall des Formel 1-Motorsports vor." Dodds bezieht sich auf ein Abkommen zwischen dem früheren Wettbewerbskommissar Mario Monti und dem ehemaligen FIA-Präsidenten Max Mosley vom 13. Juni 2001. Dieses sei im Licht der augenblicklichen Verträge gebrochen worden.

Konflikt zwischen kommerziellen Interessen und Sport

Die streitbare Dame aus dem Südosten von England bezieht das Scheitern der Teams und die drohende Pleite weiterer Rennställe auf die ungerechte Verflechtung von Geld und Macht in der Formel 1. "Die kleinen Teams werden ungerecht behandelt, weil sie vom Entscheidungsprozess ausgeschlossen sind. Die Vorauslese sämtlicher Regeländerung wird in einem Gremium mit dem Namen Strategiegruppe getroffen, das ausschließlich den großen Teams vorbehalten ist. Dazu ist die Rolle der FIA als Regelhüter geschwächt."

Dodds sieht im jüngsten Abkommen zwischen der FIA und den Rechteinhabern einen unzulässigen Konflikt zwischen kommerziellen Interessen und der Aufgabe, den Sport zu regeln. Sie bezieht sich in einer Anlage darauf, dass der Weltverband von den Rechteinhabern nicht nur einen deutlich höheren Abschlag am Gewinn erhält, sondern nimmt auch Anstoß an der Sonderregelung für den Fall eines Börsengangs. Dann erhielte die FIA 45.819.734 Aktien der Formel 1-Dachgesellschaft Delta Topco zum Preis von einem US-Cent pro Anteil.

Antrag an die EU mit höchster Dringlichkeit

Als Resultat dessen habe die FIA an Macht eingebüßt. Sie sei nicht mehr in der Lage ihren Auftrag durchzusetzen, dass alle Teams fair behandelt werden. Stattdessen habe sie in dem neuen Abkommen eine Einbuße ihrer Autorität akzeptiert, als Gegenleistung für ein direktes kommerzielles Interesse an der Meisterschaft. Was in dem Friedensabkommen zwischen der EU-Kommission und der FIA von 2001 ausgeschlossen wird.

Dodds fordert ihre Kollegin in der EU-Kommission unmissverständlich auf, die Sache in die Hand zu nehmen. "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie die mögliche Verletzung von Wettbewerbsrecht in der Formel 1und dem 2001er Abkommen mit höchster Dringlichkeitsstufe untersuchen und dann die notwendigen Maßnahmen ergreifen könnten, um die ursprünglichen Abmachungen wiederherzustellen.“ Wie wichtig die Angelegenheit für Dodds ist, zeigt der letzte Satz. Die beiden Politikerinnen trafen sich zu einem Gedankenaustausch am 25. November in Straßburg. Am gleichen Tag, als die Formel 1 in Genf vergeblich um Reformen rang.

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