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Alarm bei Pirelli

Red Bull und Mercedes wollen 2012er Reifen

Pirelli-Reifen - Formel 1 - GP Malaysia - 21. März 2013 Foto: ams 26 Bilder

Die Diskussionen um die neuen Pirelli-Reifen werden immer heißer. Red Bull und Mercedes rotten sich zusammen und fordern eine Rückkehr zum Reifen von 2012. Ihrer Meinung nach werden gute Autos im Rennen durch exzessiven Verschleiß bestraft. Außerdem seien die 2013er Pirellis ein Sicherheitsrisiko.

23.03.2013 Michael Schmidt

Krisensitzung bei Red Bull und Mercedes. Das Reifenthema lässt die Formel 1 nicht mehr los. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass die neuen Pirelli-Reifen die Autos bestrafen, die viel Abtrieb haben. Red Bull-Technikchef Adrian Newey sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Abtrieb und Verschleiß. Aber nicht wie früher, dass viel Abtrieb gleichbedeutend ist mit geringem Verschleiß.

"Genau das Gegenteil tritt ein. Wer die Reifen in den Kurven mehr belastet, bezahlt damit, dass sich der Gummi schneller von der Lauffläche schält", so die Analyse des erfahrenen Red Bull-Konstrukteurs. Sein Pilot Sebastian Vettel stöhnt: "Je besser das Auto, umso schlechter bist du dran."

Red Bull und Mercedes Opfer der Reifen?

Beim GP Australien wurde hauptsächlich Red Bull ein Opfer der Reifen. Der Absturz von der Qualifikation zum Rennen war eklatant. Auch im Lager von Mercedes hatte man das Gefühl, für ein schnelles Auto bestraft zu werden. Die Silberpfeile gingen im Training besser als im Rennen. Lotus und Ferrari sahen im Dauerlauf deutlich besser aus als Red Bull und Mercedes. Auch der Force India machte eine glänzende Figur. Möglicherweise sind alle drei Autos genau in dem Fenster, der den Pirelli-Reifen gerade nicht überfordert.

Die Reifengeschädigten gehen auf die Barrikaden. Niki Lauda zog gleich nach dem Saisonauftakt in Australien medienwirksam vom Leder und machte sich damit im Pirelli-Lager keine Freunde. In der Hitze von Sepang erwischte es alle. Die Reifen sahen nach den Dauerläufen aus, als wären sie geschreddert worden.

In den Laufflächen der Reifen fehlten teilweise handtellergroße Stücke. Hauptsächlich hinten. "Bei vielen haben die Drähte der Karkasse durchgeschaut", berichtete ein Teamchef. "Mehr als 15 Runden sind nicht drin. Uns fliegen die Fetzen auf der Geraden davon", berichtet Red Bull-Berater Helmut Marko. Lauda fühlte sich bestätigt: "An meiner Kritik war nichts falsch."

Profitiert Lotus vom Pirelli-Testauto?

Red Bull und Mercedes nehmen die Reifenmisere zum Anlass, von Pirelli Nachbesserungen zu fordern. "Am, einfachsten wäre es, sie bringen die 2012er Reifen zurück." Ob da Lotus und Ferrari mitspielen? "Die haben doch ähnliche Probleme", heißt es aus dem Lager der Reifenkritiker.

Auch mit dem Testauto von Pirelli sind viele Teams nicht mehr glücklich. Sie sehen einen Zusammenhang zwischen den Erfolgen des 2013er Lotus und dem 2010er Renault, den Pirelli als Entwicklungsauto benutzt. "Es ist doch klar, dass Pirelli seine Reifen für diesen Typ Auto entwickelt. Und der Lotus von heute trägt diese DNA in sich. Wir bekommen ja nicht mal Daten über dieses Auto wie Gewichtsverteilung oder Aero-Balance", ärgert sich Marko.

Stahlring heizt sich zu stark auf

Was ist der technische Hintergrund für die Gummischlacht? Die Pirelli-Reifen haben die Eigenheit, dass sie hauptsächlich auf der Innenseite der Lauffläche aufliegen. Angeblich werden nur 40 Prozent der Kontaktfläche genutzt. Pirelli wollte dem durch neue Karkassen vorbeugen. Die Schulter ist eckiger, die Flanken steiler. Dadurch sollte die Lauffläche besser aufliegen. Tut sie aber nicht, behaupten einige Formel 1-Ingenieure.

Durch die einseitige Belastung heizt sich der innere Ring in der Reifenschulter auf. Der ist in dieser Saison erstmals aus Stahl. Diese Hitze strahlt auf den Gummi ab. In der Kurve schiebt es die heiße Gummischicht von innen nach außen. Dabei schält sie sich ab. Die weicheren Gummimischungen verschärfen das Problem noch.

Autos, die viel Abtrieb generieren, fordern dem Reifen beim Bremsen und in Kurvenfahrten mehr ab. Deshalb leiden sie auch mehr unter diesem Problem. Ferrari-Testfahrer Pedro de la Rosa warnt aber davor, alles nur auf das Auto zu schieben: "Der Fahrer spielt dieses Jahr eine größere Rolle als bisher. Alonsos Fahrstil schont die Hinterreifen. Deshalb ist er im Vorteil."

Pirelli verweist auf bessere Show

Pirelli verweist auf die bessere Show. Die Rennen sind nicht mehr vorhersehbar. Gäbe es einen Betonreifen, würde Red Bull mit dem WM-Titel wahrscheinlich auf und davonfahren. Newey findet, dass man beim Versuch die Show zu verbessern nicht zu weit gehen darf. "Im Moment wirkt es alles ein bisschen künstlich." Lotus-Technikchef James Allison entgegnet: "Die Reifenproblematik ist für alle gleich. Man muss halt Strategien entwickeln, die Reifen am Leben zu halten."

Für ihre Kampagne bräuchten Red Bull und Mercedes einen GP Malaysia, der die Reifenmisere allen vor Augen führt. Entweder durch eine Inflation an Boxenstopps oder durch Reifenplatzer. Das Wetter könnte Pirellis Kritikern einen Strich durch die Rechnung machen. Wenn es regnet, wird das Thema auf den GP China vertagt.

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