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Alles nur Pech für Vettel?

Schon wieder falsche Taktik

Sebastian Vettel - GP England 2014 Foto: Red Bull 75 Bilder

Es läuft nicht rund für Sebastian Vettel. Wie schon in China und in Kanada trickste ihn die Taktik seines Teams aus. So wurde nicht Vettel Dritter, sondern sein Teamkollege Daniel Ricciardo. Wir analysieren, wie es dazu kommen konnte.

10.07.2014 Michael Schmidt

Das Ergebnis sagt alles. Sebastian Vettel startete von Platz 2 und kam als Fünfter ins Ziel. Teamkollege Daniel Ricciardo ging als Achter ins Rennen und wurde auf Rang 3 abgewinkt. Vettel kam zwei Mal zum Reifenwechsel an die Box, Ricciardo nur ein Mal. Während der Australier 28,483 Sekunden in der Boxengasse verbrachte, waren es bei Vettel 57,345 Sekunden.

Prinzipiell machte Red Bull alles richtig. Beide Fahrer wurden in der Pause vor dem Re-Start mit den harten Reifen bestückt. Von den Positionen 5 und 7 blieb Red Bull nur eine alternative Strategie. Weil man wegen der Top-Speed-Schwäche des RB10 sonst im Verkehr festgemauert ist.

Der Plan war, den Gummi schnell wieder loszuwerden, um dann zwei Mal mit den Medium-Reifen zu Ende zu fahren. "Nach unseren Erfahrungen vom Freitag sollte die weichere Mischung maximal 20 bis 25 Runden halten", erklärte Teamchef Christian Horner.

Mit frühem Stopp an den McLaren vorbei

Sebastian Vettels Problem war, dass er hinter den beiden McLaren von Jenson Button und Kevin Magnussen verhungerte. Valtteri Bottas nutzte die Gunst der Stunde und seilte sich langsam von dem Trio ab, dessen Tempo von Button bestimmt wurde. In Runde 9 hatte der Finne bereits 2,5 Sekunden Vorsprung auf Button, Magnussen und Vettel.

Da entschied Red Bulls Kommandobrücke, Vettel frühzeitig aus dem Verkehr zu holen. "Wir haben eine aggressive Taktik versucht, um vor die McLaren zu kommen", führte Horner aus. Da schwang auch noch die leise Hoffnung mit, man könne mit dem Vorteil der frischen Reifen auch Bottas austricksen, sollte der Finne seinen ersten Stopp deutlich länger hinauszögern.

An ein Einstopp-Rennen dachte zu dem Zeitpunkt noch keiner. Am allerwenigsten Red Bull, die den Rest des Rennens mit den weicheren Sohlen fahren wollten. Zunächst lief alles nach Wunsch. Vettel fiel nach dem Boxenstopp in eine Lücke hinter Nico Hülkenberg und Daniil Kvyat. Vor ihm waren sieben Sekunden Luft um Tempo zu machen.

Daniel Ricciardo lag zu dem Zeitpunkt allein fahrend auf Rang 7. Bei ihm gab es keine Notwendigkeit, den Boxenstopp vorzuziehen. Fernando Alonso lag 4,2 Sekunden vor dem Australier.

Ricciardo dachte nie an ein Einstopp-Rennen

So kam Ricciardo gemäß dem ursprünglichen Plan in Runde 15 an die Box. Der spätere Dritte hätte sich zu dem Zeitpunkt nicht träumen lassen, dass es sein einziger Boxenstopp bleiben sollte.

"Ich hatte nie die Absicht ein Einstopp-Rennen zu fahren. Deshalb habe ich auch gleich Attacke gemacht. Die Runden gingen vorbei, eine nach der anderen, und ich wurde nicht langsamer. Irgendwann fragte mich das Team, ob ich noch 15 bis 20 Runden fahren könne. Ich sagte ihnen: Im Moment sieht es so aus. Fahren wir so lange, wie wir können." Es wurden 37 Runden daraus. Der mit Abstand längste Stint auf den weichen Reifen. Jules Bianchi kam Ricciardo mit 28 Runden auf einer Garnitur "medium" am nächsten.

Auf die Frage, ob Vettel nicht auch hätte durchhalten können, wehrte Horner ab: "Daniels Reifen waren in den letzten Runden am Limit. Seb hätte fünf Runden mehr zurücklegen müssen. Das hätte nicht gereicht." Tatsächlich lagen Ricciardos letzte drei Runden jenseits von 1.40 Minuten. Das brachte ihn noch in Bedrängnis. Button lag im Ziel nur 0,895 Sekunden hinter ihm.

Vettel auf den harten Reifen zu schnell

Für Vettel ist der Ablauf des Rennens trotzdem ärgerlich. Wie in Shanghai und in Montreal war er einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Der frühe erste Boxenstopp diktierte ihm den zweiten. Und dabei geriet er auch noch hinter Fernando Alonso. Der Ferrari bremste ihn 13 Runden lang ein. Damit war auch jede Chance vertan, mit den frischeren Reifen Button und Ricciardo noch einzuholen.

Man könnte sagen: Vettel fuhr zu Beginn auf den harten Reifen zu schnell. Das war sein Pech. Die McLaren hielten ihn auf. Und deshalb mussten Red Bulls Strategen handeln. Ricciardo war nach eigener Aussagen auf der harten Mischung enttäuschend langsam. Er verlor in der Anfangsphase auf Vettel pro Runde zwischen zwei und sieben Zehntel.

Der Australier hatte keinen um sich herum, den er mit einer schlauen Taktik austricksen musste. Also war es besser, die entscheidenden fünf Runden länger auf der Strecke zu bleiben. Dass sich das auszahlen würde, konnte in dem Moment keiner ahnen.

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