Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Alonso

"Ferrari ist Geschichte, und wer für sie fährt ist ein Teil davon"

Foto: dpa 60 Bilder

Fernando Alonso ist der Mann der Stunde. Der 27-jährige Spanier gewann die letzten zwei Rennen und holte 30 Punkte seit dem GP Belgien - mehr als jeder andere. Der Weltmeister von 2005 und 2006 ist für seine kontroversen Ansichten bekannt. auto-motor-und-sport.de sprach mit dem Renault-Piloten in Shanghai.

18.10.2008 Michael Schmidt

Sie haben zwei Rennen in Folge mit Renault gewonnen. Jetzt könnten Sie eigentlich ihre Vertragsverlängerung bekanntgeben.
Alonso: Tut mir leid. Ich weiß, was ich nächstes Jahr mache, aber ich werde es erst nach dem letzten Rennen in Brasilien bekanntgeben. Bis dahin will ich mich darauf konzentrieren, für Renault das bestmögliche Ergebnis einzufahren.

Was ist in Shanghai möglich?
Alonso: Ich würde ja gerne sagen, ein Sieg. Aber unter normalen Bedingungen sind McLaren und Ferrari zu schnell für uns. Ein Podestplatz ist aber möglich.

Wo hat Renault soviel Zeit gefunden?
Alonso: Es waren viele kleine Dinge geändert, wie zum Beispiel der neue Frontflügel. Das ist aber nicht die ganze Erklärung. Das wichtigste ist, dass wir jetzt besser verstehen, wie wir das Auto abstimmen müssen. Seitdem ist das Auto wie verwandelt, viel einfacher zu fahren. Wenn ich ehrlich bin: Ganz genau können wir uns den großen Fortschritt der letzten Wochen selbst auch nicht erklären.

Wenn Sie dieser Saison bewerten müssten, welche Note würde sie ihr auf einer Skala von Null bis Zehn geben?
Alonso: Eine Acht. Für eine Zehn müsste ich schon um den Titel fahren.

Wie schwer viel es Ihnen, sich mit kleineren Zielen zufrieden zu geben?
Alonso: Ich wurde schon bei den Wintertestfahrten darauf vorbereitet, dass ich dieses Jahr kleinere Brötchen backen muss. Deshalb war die Enttäuschung bei den ersten Rennen nicht ganz so groß. Nach zwei, drei Rennen war klar, dass ich den WM-Titel abschreiben kann und mir andere Ziele setzen muss. Wir haben dann in Spanien einen Schritt nach vorne gemacht, und ich dachte schon, dass wir vielleicht mit Podestplätzen rechnen konnten. Doch dann sind wir im Sommer in ein Loch gefallen. Das war der Tiefpunkt der Saison. Spa brachte die Wende. Seither geht es Schritt für Schritt bergauf.

Ist es manchmal eine heilsame Lektion, einen Schritt zurückzugehen?
Alonso: Für mich nicht. Als Formel 1-Fahrer dauert deine Karriere nur zehn bis zwölf Jahre. Da willst du kein Jahr verschenken.

Fahren Sie diese Saison besser als in Ihren Weltmeisterjahren?
Alonso: Nicht unbedingt. Die Herausforderung war eine andere. 2005 war ich in der Defensive. Ich hatte nicht das beste Auto. Deshalb musste ich jede Chance nutzen, immer das Maximale aus der jeweiligen Situation herausholen. 2006 im Duell gegen Schumacher gab es nur volle Attacke. Und jetzt? Für mich ist jede Runde eine Qualifikationsrunde. Ich darf mir keine Fehler erlauben. Nicht beim Setup, nicht beim Fahren.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie in diesem Sport nicht alt werden wollen. Warum hat sich das geändert?
Alonso: Weil ich wieder Spaß an meinem Job habe. Der war mir nach dem zweiten WM-Titel ein bisschen abhanden gekommen. Da dachte ich, zwei Titel sind eigentlich genug. Das hat sich seit dieser Saison geändert. Ich bin jetzt besser organisiert, weil ich gelernt habe, wie ich im Winter und zwischen den Rennen entspannen muss, um die Rennen zu genießen. Motorsport ist mein Leben. Und ich will es so lange wie möglich genießen und noch viele WM-Titel gewinnen.

Ist Ferrari Ihr Traumteam?
Alonso: Da wird von außen mehr hineingedeutet als tatsächlich der Fall ist. Es wäre sicher schön, einmal für Ferrari zu fahren. Ferrari ist das erfolgreichste Team der Geschichte, und wer dort fährt, wird ein Teil dieser Geschichte. Priorität hat für mich aber immer, ob mir mein Rennstall ein siegfähiges Auto zur Verfügung stellen kann. Dafür würde ich nichts opfern. Ich will lieber gewinnen als Geschichte schreiben.

Was ist bei McLaren schiefgelaufen?
Alonso: Um eines klarzustellen: Es hat nichts mit Hamilton zu tun. Ich respektiere ihn und er mich. Wir wollten beide gewinnen. Dass es da Reibungspunkte gibt, ist normal. Das Team konnte mit dieser Situation nicht umgehen. Sie haben kein offenes Spiel gespielt, weder mit Lewis noch mit mir. Sicher habe auch ich Fehler gemacht. Die macht jeder. Aber ich lasse mich nicht verbiegen. Ich bin fair, direkt und ich sage, was ich denke, wenn ich glaube, dass etwas in die falsche Richtung läuft. Das hat McLaren nicht gefallen.

Robert Kubica meinte kürzlich, Sie würden nicht zu BMW passen. Erinnert Sie BMW zu sehr an McLaren?
Alonso: Es wäre unfair, ein Urteil über BMW abzugeben, weil ich dieses Team nicht kenne. Ich glaube nicht, dass ich mit ihnen Probleme gehabt hätte. Ich sitze im Kart, seit ich drei Jahre alt bin. In den letzten 24 Jahren bin ich mit jedem Team gut ausgekommen, außer mit einem. Das ist das gleiche Team, mit dem Senna, Prost, Räikkönen und Montoya Probleme hatten. Vielleicht liegt es eher am Team als am Fahrer.

Sie sollen gesagt haben, dass Sie Felipe Massa zum Titel helfen wollen. Was haben Sie damit gemeint?
Alonso: Es ist ganz einfach nachzulesen, was ich gesagt habe, denn ich habe es bei der Pressekonferenz nach dem GP Japan gesagt. Richtig ist: Wenn Felipe in Führung liegt und ich dahinter, und wenn ich dadurch Hamilton Punkte wegnehmen würde, dann wäre ich happy. Es ist mein Job, für mein Team die bestmöglichen Ergebnisse einzufahren. Wir brauchen jeden Punkt. Ich würde nicht anders handeln, wenn die Situation umgekehrt wäre. Also Lewis vor Massa und ich dazwischen. Ich fahre mein eigenes Rennen. Es würde mich aber mehr freuen, wenn Felipe aus so einer Konstellation profitieren würde.

Warum macht Hamilton soviele Fehler?
Alonso: Wenn der Druck steigt, macht jeder mehr Fehler. Hamilton ist beim Start unnötige Risiken eingegangen, aber andererseits hat sich auch Felipe in ein unüberlegtes Manöver hineinreiten lassen.

Die Rennkommissare sprechen immer mehr Strafen aus. Wird heute weniger fair gefahren als früher?
Alonso: Es wird nicht weniger fair gefahren. Vielleicht gibt es deshalb so viele Strafen in diesem Jahr, weil sie eine strengere Linie durchsetzen wollen, damit wir in den entscheidenden Rennen absolut fair fahren. Mir ist es egal, ob sie streng oder nicht streng durchgreifen. Sie sollten bloß eine Linie haben. Das vermisse ich. Man weiß nicht, woran man sich halten soll.

Gehen Sie deshalb weniger Risiken ein?
Alonso: Wenn du im Auto sitzt, ist der Adrenalinspiegel so hoch, dass du nicht daran denkst, ob dir die nächste Aktion eine Strafe einbringen könnte.

Wird die Show durch diese Strafen entwertet?
Alonso: Aus Sicht des Zuschauers ist es nicht gut, wenn soviel Einfluss genommen wird. Er sieht ein Rennen und erfährt hinterher, dass das Ergebnis ein ganz anderes ist, als das, was er am TV-Schirm erlebt hat. Auf der anderen Seite fahren wir mit 300 km/h gegeneinander. Da musst von den Fahrer untereinander Respekt verlangen. Einige von uns spielen aber nicht nach diesen Spielregeln.

Meinen Sie damit Hamilton?
Alonso: Kein Kommentar.

Die Finanzkrise hat auch die Formel 1 erfasst. Wenn kein vernünftiger Sparplan abgesegnet wird, könnte Renault das vielleicht als Grund nehmen, auszusteigen. Beunruhigt Sie das?
Alonso: Ich glaube, da wird viel übertrieben. Wir geben soviel Geld für Dinge aus, die nicht absolut notwendig sind. Ich sehe keine Schwierigkeiten, die Kosten zu reduzieren, ohne dass die Teams darunter leiden müssen. Es wird immer noch genug Geld verschwendet.

Wer ist der beste Fahrer außer Fernando Alonso?
Alonso: Robert Kubica. Er wäre mir auch am liebsten als Weltmeister, aber ich fürchte, dass es mit seinen zwölf Punkten Rückstand ziemlich schwierig wird.

Was erwarten Sie von 2009?
Alonso: Es wird noch enger. Die Reifen sind schon gleich. Die Elektronik auch. Die Motoren sind fast gleich Die Aerodynamik wird 2008 stark eingeschränkt. Das ist fast eine GP2-Serie. Im nächsten Jahr wird es auf Kleinigkeiten ankommen. Auf das richtige Setup. Die klügere Strategie. Die richtige Reifenwahl.

GP China: Startaufstellung
GP China: Ergebnis Qualifikation

GP China: Ergebnis 2. Freies Training
GP China: Ergebnis 1. Freies Training

Formel 1 Datenbank

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden