Nächstes Rennen: 26. Mai 2013
GP Monaco

Alonso forderte mehrfach Stallregie

Massa erst beim dritten Befehl vom Gas

Massa und Alonso

Ferraris Stallregie in Hockenheim bewegt weiter die Fans. Nun sind einige weitere brisante Details zu der Affäre ans Licht gekommen. So hat Fernando Alonso über Funk mehrfach ein Vorbeiwinken gefordert. Massa kam dem Befehl jedoch erst im dritten Anlauf nach.

Als Felipe Massa in der 49. Runde demonstrativ auf der Gerade vom Gas ging, wusste die ganze Welt, was Ferrari für ein Spiel spielt. Offensichtlicher lässt sich Stallregie kaum praktizieren. Der Ferrari-Kommandostand zog dabei das letzte Register. In den Runden zuvor hatte Fernando Alonso einen Machtkampf auf der Strecke ausgetragen, von dem die Zuschauer an der Strecke nur wenig mitbekamen.

Der erste Angriff des Spaniers kurz nach dem Reifenwechsel endete bereits um ein Haar mit einer Kollision. Wie auto motor und sport in seiner aktuellen Ausgabe (17/2010) berichtet, begann Alonso am Funk zu jammern, dass er schneller sei. Es fiel sogar das Wort "lächerlich", gemünzt auf Massas Widerspenstigkeit. Alonso verlangte einen Platztausch, doch der Feldherrnhügel gab zunächst einmal zurück: "Wir können leider nichts für dich tun." Denn es wäre nach Paragraf 39.1 des Sportgesetzes verbotene Stallregie.

Alonso zeigt, dass er deutlich schneller ist

Dann passierte etwas Seltsames: Alonso ließ sich innerhalb von fünf Runden um insgesamt 3,4 Sekunden zurückfallen. Auch am Kommandostand wurde man unruhig. Alonsos Renningenieur Andrea Stella funkte ins Cockpit, dass sein Schützling die Lücke nicht allzu groß werden lassen soll. Doch der antwortete nur: "Keine Sorge. Ich fahre das Loch schnell wieder zu." Eine Ohrfeige für Massa.

Nachdem der Abstand zehn Runden stagnierte machte Alonso seine Drohung war. Innerhalb von nur fünf Runden hing er wieder hinter dem Heckflügel seines Teamkollegen. Er hatte deutlich bewiesen, dass er der Schnellere ist. Die Erklärung von Stefano Domenicali zu den Machtspielchen von Alonso fielen halbherzig aus. "Die Fahrer müssen zu unterschiedlichen Zeitpunkten den Motor schonen, und sie mussten den Abstand zu Vettel kontrollieren", versuchte der Italiener der Aktion die Brisanz zu nehmen.

Massa reagiert erst im dritten Anlauf

Als die beiden Ferrari wieder im Konvoi fuhren, bekam Massa drei Mal den versteckten Befehl, vom Gas zu gehen: "Alonso ist schneller. Hast Du das verstanden? Kannst Du das bitte bestätigen?", verpackte die Box die Anweisung zum Platztausch in eine relativ harmlos klingende Information.

Zwei Mal ignorierte Massa den Wunsch des Kommandostands, den Spanier überholen zu lassen. Beim dritten Mal ging Massa endlich und wie bekannt, nicht gerade unauffällig, vom Gas. Auch sein Renningenieur Rob Smedley sorgte dafür, dass jeder mitbekam, was für ein Spiel gespielt wird. Er sagte einen Satz, der die Sportkommissare veranlasste, die Beteiligten an der Schmierenkomödie zum Rapport zu bitten: "Gut gemacht, Felipe, und sorry dafür."

FIA-Kommissare nutzen Entschuldigung als Indiz

Ohne diese Entschuldigung hätte die FIA keine Handhabe für eine Untersuchung gehabt. "Es war das einzige Indiz, dass von außen eingegriffen worden ist", hieß es aus der Rennleitung. Sie verdonnerte Ferrari zu einer Zahlung von 100.000 Dollar.

Ferrari-Insider wissen: Alonso ist der uneingeschränkte Herrscher im Camp der Roten. Mehr, als es Schumacher je war. Der Champion von 2005 und 2006 setzt seine Interessen intern lautstark und mit beiden Ellbogen durch. "Vielleicht musst du so auftreten, wenn du hier die Nummer eins sein willst", resigniert man im Massa-Lager. Kritik am Spanier ist tabu.

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Michael Schmidt

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