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Alonso gegen Räikkönen

Der ausgekochteste Fahrer im Feld

Räikkönen & Alonso - GP Spanien 2014 Foto: Ferrari 59 Bilder

Kimi Räikkönen fühlt sich in seinem Ferrari F14T langsam zuhause. Das Streckenlayout von Barcelona kam ihm entgegen, und Modifikationen am Auto gaben ihm das Fahrgefühl zurück. Prompt fuhr er Fernando Alonso vor der Nase herum. Aber nur 62 Runden lang. Dann zahlte sich Alonsos Schlitzohrigkeit aus.

13.05.2014 Michael Schmidt

Vier Rennen lang stand Kimi Räikkönen mit seinem Ferrari auf Kriegsfuß. Keiner verbremste sich so oft, keiner stand beim Beschleunigen so häufig quer. Das Auto untersteuerte. Kimi hasst Untersteuern. Diverse Modifikationen am Ferrari F14T, unter anderem ein Eingriff an der Vorderachse, brachten das Fahrgefühl zurück. Der Ferrari folgt jetzt wieder direkter den Lenkbefehlen. Dazu kam, dass Barcelona mit seiner flüssigen Streckenführung Räikkönens Probleme beim Bremsen und Beschleunigen weniger stark zum Tragen kommen ließ.

Prompt war der Finne im Training ein Gegner für Fernando Alonso. Räikkönen hatte im Qualifying um 0,036 Sekunden die Nase vorn. Alonsos Kommentar ließ durchblicken, dass ihn die Niederlage auf heimischen Boden wurmte: "Mich stören nicht die 36 Tausendstel Rückstand auf Kimi, sondern die 1,8 Sekunden auf Mercedes."

Täuscht Alonso Reifenprobleme nur vor?

Der Plan, Räikkönen beim Start auszutricksen ging schief. Und auf der Strecke fand Alonso keinen Weg vorbei. Der Spanier kann ein Rennen lesen wie kein Zweiter. Er weiß auch, dass für die Boxenstopps die eiserne Regel gilt: Wer vorne liegt, hat das Recht als erster zum Reifenwechsel zu kommen. Trotzdem bog nicht Räikkönen in der 16. Runde in die Boxengasse ab, sondern Alonso. Kritiker sahen darin einen klaren Beweis für den Status im Team.

Doch das konnte Ferrari einem Fahrer, den man für geschätzte 18 Millionen Euro Jahresgehalt zurückgeholt hat, nicht antun. Alonso trickste das Procedere einfach aus. Er klagte über starke Reifenabnutzung. "Das Heck wurde immer nervöser, und ich steckte im Verkehr. Deshalb wollte ich den Reifenwechsel vorziehen, auch auf die Gefahr hin, dass ich dann drei Mal stoppen muss."

Das Rundenprotokoll sagt etwas anderes. In den drei Runden vor seinem Stopp war Alonso zwei Mal fast gleich schnell wie Räikkönen und ein Mal schneller. So schlimm können die Reifenprobleme nicht gewesen sein. Im Verkehr steckten beide. Der Lotus von Romain Grosjean baute sich wie eine Wand vor den zwei roten Autos auf. Vielleicht hat sich Alonso einfach nur lauter am Funk beklagt als sein Stallrivale.

Beim zweiten Stopp wiederholte sich das Spiel

Im ersten Anlauf misslang der Trick. In der Runde nach seinem Boxenstopp steckte Alonso hinter den Sauber fest und verlor so viel Zeit, dass Räikkönen eine Runde später wieder vor ihm auf die Strecke bog. Also das gleiche Spiel noch ein Mal. Diesmal mit acht Runden Versatz.

Die Ingenieure warnten Alonso, dass er sich mit einem Reifenwechsel in Runde 35 endgültig auf eine Dreistopp-Strategie festlegen würde. Der Ex-Weltmeister ließ sich trotzdem darauf ein. Er wusste, dass er am Teamkollegen nur mit einer anderen Taktik vorbeikommen würde. Bei Räikkönen hielt Ferrari an seiner Zweistopp-Strategie fest.

Die Änderung des Marschplans zahlte sich aus. Alonso hatte endlich freie Fahrt. Die Rundenzeiten sanken um 1,5 Sekunden. Dass er mit Sebastian Vettel einen neuen Gegner bekam, der ihn am Ende auch wegen des früheren dritten Stopps schlug, war Alonso egal. Hauptsache an Räikkönen vorbei.

Erst Sprit sparen, dann überholen

Ab der 58. Runde fuhren die Ferrari-Piloten im Duett. Mit ungleichen Waffen. Räikkönen auf harten, Alonso auf weichen Reifen. Statt den Gegner sofort zu attackieren und einen Crash zu riskieren, wartete Alonso ab. "Ich lag mit dem Sprit leicht im Minus und habe hinter Kimi so viel gespart, um am Ende voll aufdrehen zu können." Als der Verbrauch wieder im Soll lag und der Energiespeicher voll war, startete Alonso mit seinem Reifenvorteil den entscheidenden Angriff.

Räikkönen hatte nach dem Rennen schlechte Laune. Zunächst mag der Verdacht mitgefahren sein, dass Ferrari seine Karten auf Alonso gesetzt hatte. In der Auslaufrunde verlangte er über Funk Aufklärung über die Strategie-Entscheidung.

Die Wahrheit war viel schlimmer. Alonso hatte ihn ausgetrickst wie einen Fahrschüler. Das gleiche war Räikkönen schon beim GP Australien passiert, als Alonso eine Safety-Car-Phase nutzte, um seinen Teamkollegen aus dem Windschatten zu schütteln.

Räikkönen könnte seine Ehrlichkeit auf den Kopf fallen. Sein Widersacher ist skrupelloser. Es gibt keinen ausgekochteren Fahrer im Feld als Alonso. "Fernando hat zu jeder Zeit den totalen Überblick", staunte der neue Ferrari-Rennleiter Marco Mattiacci bereits nach dem GP China.

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