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Alonso gegen Vettel

Schattenboxen der Titelkandidaten

Pressekonferenz GP Brasilien 2012 Alonso, Schumacher, Vettel Foto: xpb 60 Bilder

Das erste Duell der WM-Kandidaten Sebastian Vettel und Fernando Alonso fand bei der Pressekonferenz am Donnerstag statt. Die beiden Titelaspiranten übten sich im Schattenboxen. Während Vettel auf locker machte, blickte Alonso gewohnt grimmig drein. Eine klaren Punktsieger gab es nicht.

22.11.2012 Michael Schmidt

Die beiden WM-Kandidaten gingen auf maximale Distanz. Sebastian Vettel und Fernando Alonso saßen bei der Donnerstags-Pressekonferenz in Sao Paulo weit auseinander. Michael Schumacher platzierte sich als Puffer zwischen die beiden WM-Rivalen. Auch sonst gingen die beiden auf Distanz. Während Vettel laufend mit Schumacher tuschelte, blickte Alonso immer stur gerade aus oder riskierte mal einen Blick auf sein Mobiltelefon. Als Vettel einen Witz riss, lachten alle außer Alonso. Das ist seine Art, den WM-Gegner als Gegner zu sehen. Bloss keine Freundlichkeiten. Zu einem gemeinsamen Foto der beiden besten Fahrer dieser Saison kam es trotz ausdrücklichem Wunsch der Fotografen nicht mehr.

Kein offener Schlagabtausch

Wer einen verbalen Schlagabtausch zwischen dem Red Bull-Fahrer und dem Ferrari-Piloten erwartet hatte, wurde enttäuscht. Es war mehr ein Schattenboxen. Beide redeten sich stark und ihre Situation schön. Vettel: "Ich bin in der Weltmeisterschaft in der besseren Situation, und wir haben ein Auto, das auf dieser Strecke immer gut gelaufen ist. Wir werden dieses Wochenende nehmen wie jedes andere, denn es gibt auch in Interlagos nur 25 Punkte für einen Sieg." Alonso spielte auf den psychologischen Vorteil des Jägers an. "Ich habe weniger Druck, weil ich nichts mehr zu verlieren und alles zu gewinnen haben. Unsere Aufgabe ist klar. Ich brauche mindestens einen Podestplatz. Wenn wir das geschafft haben, rechnen wir nach, wie viele Punkte Sebastian gemacht hat. Das liegt nicht in unserer Hand. Wenn Vettel gewinnt, werde ich ihm gratulieren, und es nächstes Jahr wieder versuchen. Ich bin erst 31 Jahre alt und habe noch viele Chancen."

Als Felipe Massas Getriebecoup von Austin angesprochen wurde, der Alonso einen Startplatz nach vorne brachte, ließ sich Vettel nicht aus der Reserve locken: "Jeder macht, was er für richtig hält. Das ist vielleicht ein anderer Ansatz als unserer. Wir konzentrieren uns nur auf uns." Alonso dagegen verteilte eine kleine Spitze an die Leute aus dem Red Bull-Lager, die direkt oder indirekt mit dem Finger auf Ferraris Unsportlichkeit zeigen. "Wie oft haben wir in diesem Jahr am Samstagabend darüber diskutiert, ob ein Auto den Regeln gesprochen hat oder nicht. Die Teams nutzen Schlupflöcher im Reglement aus. Unser Schachzug hat Felipe und mich auf die saubere Startseite gebracht und sich in beiden Fällen ausgezahlt. Ich bin stolz auf mein Team. Wir haben es nicht versteckt gemacht, sondern offen. Das können andere Teams nicht von sich behaupten."

Alonso braucht verrückte Umstände

Vor zwei Jahren hatten sich Vettel und Alonso in Abu Dhabi schon einmal im Finale zum WM-Finale getroffen. Mit einer vergleichbaren Ausgangssituation, aber umgekehrten Vorzeichen. Damals reichte Alonso ein vierter Platz. Gewonnen hatte der Herausforderer. Vettel glaubt nicht an die Duplizität der Ereignisse: "Ich wäre damals gerne in Fernandos Situation mit 15 Punkten Vorsprung gewesen." Auch Alonso glaubt, dass man die Situation nicht vergleichen kann: "Heute gibt es DRS und Kers. Sebastian hat gezeigt, dass man auch vom letzten Platz auf das Podium fahren kann. Das war vor zwei Jahren nicht möglich." Damals hieß Alonsos Trauma Vitaly Petrov, hinter dem er das halbe Rennen festhing.

Alonso spielte noch einmal auf seinen technischen Nachteil an. Das lässt seinen Stern heller strahlen. "Beim ersten Wintertest in Jerez hatten wir ein Auto, das zwei Sekunden zu langsam war. Wir haben hart gearbeitet, aber den Rückstand nie richtig aufgeholt. Das müssen wir jetzt über den Winter machen. Trotzdem kämpfen wir noch um den Titel. Darauf können wir stolz sein." Vettel erwiderte auf die Anspielung, dass bei ihm immer nur das überlegene Auto gewinnt: "Die Geschichte hat gezeigt, dass es noch nie Fahrer gab, die in einem schlechten Auto und einem schlechten Team erfolgreich waren. Ich bin auch schon in schwächeren Autos gefahren. Das haben wir zu Beginn unserer Karriere alle gemacht und haben unsere Highlights gesetzt. Fernando im Ferrari, Michael im Jordan, ich im ToroRosso." Fernando Alonso hatte das Schlusswort. Er fasst den großen Showdown im 20. Rennen auf seine Art zu sammen. Knapp, schnörkellos, realistisch: "Wenn alles normal läuft, wird Vettel Weltmeister. Ich brauche verrückte Umstände."

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