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Alonso rechnet mit Vettel ab

"Überrascht, dass er 13 Runden gebraucht hat"

Fernando Alonso - GP England 2014 Foto: xpb 75 Bilder

Fernando Alonsos Grand Prix von England war ein Leidensweg. Er kassierte eine Strafe für einen Fehler in der Startaufstellung, sein Ferrari war zu langsam, und im Duell mit Sebastian Vettel gab es Zoff. Alonso lobte sich selbst. Für die 13 Runden, die er sich mit seinem waidwunden Ferrari vor Vettel hielt.

06.07.2014 Michael Schmidt

Es war nicht das Wochenende von Ferrari. Zum ersten Mal fiel eines der roten Autos aus. Durch den Unfall in der ersten Runde. Das andere kam mit vielen Mängeln auf Platz 6 über die Distanz. Trotz Startplatz 16. Und trotz einer Fünfsekunden-Strafe. Fernando Alonso ließ sich auf die Gedankenspiele was passiert wäre wenn, nicht ein: "Und wenn ich heute von der Pole Position gestartet wäre, mehr als Platz 6 lag nicht drin. Uns fehlte der Speed. Red Bull, Williams und McLaren waren besser."

Es begann mit dem 16. Startplatz. Alonso ging antizyklisch mit harten Reifen ins Rennen. Dann machte ihm der Unfall von Teamkollege Kimi Räikkönen das Geschenk, die harten Reifen vor dem Re-Start abzulegen. Ferrari entschied sich für ein Einstopp-Rennen mit zwei Garnituren Medium-Reifen. "Wir hatten 45 Minuten Zeit, uns das auszudenken. Ein Stopp, zwei Stopps, das gibt sich auf der Uhr nicht viel, aber wenn du Probleme hast, durch den Verkehr zu kommen, dann ist ein Einstopp-Rennen einfacher."

Alonso fand seinen Startplatz nicht

Der schöne Plan geriet schnell aus den Fugen. Alonso hatte sich gerade auf Platz 6 vorgekämpft, da erreichte ihn die Nachricht, die er nicht hören wollte. Die Rennleitung leitete eine Untersuchung gegen ihn ein. Weil er seine Startbox um drei Meter überfahren hatte. Red Bull und Force India hatten den Verstoß an die Rennleitung gepetzt.

Alonso verteidigte sich: "Ich sah das Schild für Kimi, und dann folgte schon das für Bottas. Bis ich wusste, wo ich war, stand ich vor meiner Startbox. Ich wollte noch den Rückwärtsgang einlegen, aber der klemmte, und als zwei Leuchten auf der Startampel auf Rot standen, war es höchste Zeit für den ersten Gang."

Alonso hoffte, dass das Missgeschick unbemerkt bleiben würde, oder dass die Sportkommissare Gnade vor Recht ergehen lassen. "Felipe ist das auch mal passiert. Und er kam ohne Strafe davon." Die Rennleitung verpasste ihm eine Fünfsekunden-Strafe, die Ferrari vor dem Reifenwechsel von Medium- auf Medium-Reifen abspulte. So blieb Alonso trotz des früheren Boxenstopps und schneller Runden im Anschluss hinter Jenson Button. Und so geriet er auch hinter Sebastian Vettel nach dessen zweiten Boxenstopp.

Das Überholmanöver des Tages

Daraus entwickelte sich das Duell des Tages. Es sollte 13 Runden lang dauern. Alonso nutzte die Phase, in der Vettels Reifen noch Grip aufbauten und pfeilte sich mit 240 km/h in Copse Corner außen vorbei. Fünf Stunden nach dem Rennende twitterte der Spanier: "Ich glaube nicht, dass ich das Manöver wiederholen möchte." Fortan saß ihm Vettel im Nacken. Die beiden Weltmeister bekriegten sich nach allen Regeln der Kunst. Und fanden dabei noch die Zeit, am Funk übereinander zu schimpfen.

Vettel klagte, dass ihm Alonso zu wenig Platz gelassen habe und eine Kollision in Kauf nehme. Alonso forderte seine Box auf, sie solle Vettel bei der Rennleitung anschwärzen, weil der im Zweikampf ständig die Strecke verließ. Vettel hörte davon und keilte mit gleicher Münze zurück. Später sah er ein: "Das war ein bisschen blöd von uns. Ich glaube nicht, dass es die Leute draußen interessiert hat, ob wir ein bisschen zu weit links oder rechts von der Strecke waren."

Heckflügel-Problem kostet Abtrieb

In der 47. Runde drehte Vettel den Spieß um. Wieder in Copse Corner. Alonso nahm das Wortgefecht gelassen hin. "Vettel hat mich überholt. Was regt er sich auf? Die Schlacht ist geschlagen. Für mich war das Duell absolut okay." Und warum lamentierte Alonso dann, dass sein Gegner ständig die Strecke verlassen hat? "Weil wir von der Rennleitung die Warnung bekamen, dass ich es nicht mehr tun soll. Ich bin im Windschatten von Button in der Zielkurve ein paar Mal neben die Strecke geraten, weil ich Abtrieb verloren habe. Was für mich gilt, muss für andere auch gelten."

Alonso wusste schon früh, dass er das Duell gegen Vettel verlieren würde. "Seb war zwei Sekunden pro Runde schneller als ich. Das hat man gesehen, als er an mir vorbei war. Deshalb bin ich stolz, dass ich ihn 13 Runden lang hinter mir gehalten habe. Ich war überrascht, dass er überhaupt so lange gebraucht hat. Wenn ich seinen Angriff vor Copse abgewehrt hätte, wäre ich in der nächsten Runde fällig gewesen."

Alonso fuhr mit mehreren unsichtbaren Problemen. Er musste Benzin sparen, verlor Motorleistung und ihn bremste ein aerodynamisches Problem. "Ab Runde 22 stand ich ein paar Mal gefährlich quer. In den schnellen Kurven ist die Strömung am Heckflügel abgerissen. Mein Ingenieur hat mich gewarnt, dass ich in Copse und Becketts vom Gas müsse. Das hat mich ungefähr zwei Zehntel gekostet." Möglicherweise war die Heckflügelwirkung durch Gummiteile beeinträchtigt.

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