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Alonsos Titelchancen

Defensivtaktik ist ein Risiko

Fernando Alonso GP Singapur 2012 Foto: Daniel Reinhard 94 Bilder

Fernando Alonso und Kimi Räikkönen steuern mit einer Defensivtaktik auf das WM-Finale zu. Teils gezwungenermaßen, teils beabsichtigt. Das kann bei der derzeitigen Stärke von McLaren und Red Bull in die Hose gehen.

26.09.2012 Michael Schmidt

Ferrari braucht diesen WM-Titel. Seit Kimi Räikkönen 2007 für die Scuderia den Titel gewann, wurde kein Ferrari-Fahrer mehr Weltmeister. Felipe Massa und Fernando Alonso verloren die Titelentscheidungen 2008 und 2010 nur knapp. Jeweils im WM-Finale. Die Niederlagen schmerzen heute noch. Deshalb ist die Eroberung des WM-Pokals aus Sicht von Ferrari fast so etwas wie eine Pflicht.

Bis zur Sommerpause sah Fernando Alonso wie ein sicherer Weltmeister aus. Er führte mit 40 Punkten vor Mark Webber, mit 42 vor Sebastian Vettel, mit 47 vor Lewis Hamilton und mit 48 vor Kimi Räikkönen. Alonso war ab dem GP Spanien bis zur Sommerpause mit Ausnahme des Rennens in Ungarn immer siegfähig. Fünf Mal landete er auf dem Podium. Der Spanier und sein Team strahlten eine Souveränität aus, die für seine Verfolger frustrierend wirkte.

Alonsos Vorsprung schrumpft

Drei Rennen später hat sich das Bild auf den Kopf gestellt. Alonsos Vorsprung auf seinen gefährlichsten Verfolger Vettel schrumpfte auf 29 Punkte. Der Abstand zu Räikkönen verringerte sich nur minimal. Von 48 auf 45 Zähler. Hamilton hätte nach der Wiedergeburt von McLaren massiv Boden gutmachen können, schrieb aber zwei Nuller.

Die 52 Punkte Differenz zu Alonso sind fast schon eine Vorentscheidung. Hamilton muss vier der verbleibenden sechs Rennen gewinnen, wenn er von der WM noch träumen will. Mark Webber ist mit 62 Zählern Rückstand praktisch raus aus dem Titelrennen. Der Australier hat nur noch eine Chance. Er muss in Suzuka gewinnen und hoffen, dass Ferrari oder Alonso einen schlechten Tag erwischen.

Sebastian Vettel hat in den letzten drei Grand Prix 13 Zähler auf den WM-Spitzenreiter gut gemacht. Das wiegt umso schwerer, da es eigentlich umgedreht sein müsste. In Spa und Monza war der Ferrari klar besser als der Red Bull. Da hätte Alonso sein Polster ausbauen müssen.

Ausfall in Spa kostet viele Punkte

Es kam anders. In Spa räumte ihn Romain Grosjean beim Start aus dem Weg. In Monza verbannte ihn ein Defekt im Training auf den zehnten Startplatz. Von dort war nur noch ein dritter Platz möglich. Selbst bei konservativer Rechnung hätte Alonso unter normalen Umständen auf den beiden schnellsten Strecken zwei zweite Plätze heimfahren können und somit 36 Punkte gemacht. 15 wurden es. Er kann dabei noch von Glück reden, dass Vettel in Monza leer ausging.

Jetzt kommen wieder Strecken, auf denen der Red Bull gleichwertig ist. Kurse wie in Korea oder Abu Dhabi favorisieren den Titelverteidiger sogar. Red Bull hat in Singapur aber nicht nur von der Strecke profitiert. Das Auto machte dank einer minimalen Korrektur an der Nase und am Frontflügel einen echten Sprung nach vorne. Das war schon fast McLaren-Niveau.

Bei Ferrari funktionierte nur das halbe Aero-Paket. Der neue Heckflügel wurde wieder eingepackt. Das muss Alonso beunruhigen. Er ist jetzt praktisch gezwungen, in Suzuka vor Vettel ins Ziel zu kommen. Weil die Achterbahn in der japanischen Provinz dem Ferrari mehr entgegenkommt als Singapur.

Alonso-Taktik funktioniert nicht

Mit seiner Durchhaltetaktik wird Alonso Schiffbruch erleiden. Seit dem GP Ungarn erklärt er gebetsmühlenartig seine Aufgabe: "Ich konzentriere mich jeweils nur auf meinen nächsten Verfolger. Wenn ich vor dem ins Ziel komme habe ich mein Ziel erreicht." Falsch gerechnet. In Budapest war Webber die Nummer zwei. Alonso kam vor dem Australier ins Ziel. Beim GP Italien lag Vettel auf der Kronprinzenposition. Alonso kam vor dem Titelverteidiger ins Ziel. In Singapur richteten sich Alonsos Blicke auf den neuen WM-Zweiten Hamilton. Alonso kam vor dem McLaren-Piloten ins Ziel.

Jedes Mal hat er sein persönliches Ziel erreicht. Und trotzdem sitzt ihm die Nummer zwei enger im Nacken als je zuvor. Das Problem ist, dass sich die jeweils anderen Rivalen, die Alonso nicht im Auge hat, sukzessive näher an ihn heranrobben. Und dann reicht ein Grosjean oder ein Defekt aus, und der Abstand ist gleich null.

Dazu kommt ein psychologisches Moment. Wer in der Defensive fährt, macht leichter Fehler. Oder er schenkt Speed her, nur um keinen Fehler zu machen. Das überträgt sich auch auf das Team. Alonso behauptete zwar, Ferrari habe taktisch in Singapur alles richtig gemacht, doch darüber lässt sich streiten. Die Nummer eins wurde in der 29. Runde zum zweiten Reifenwechsel an die Box geholt, um auf den direkten Gegner Pastor Maldonado zu reagieren. Laut Technikdirektor Pat Fry hatten auch Alonsos Reifen zu stark abgebaut.

Der Rundenzeitenvergleich sagt etwas anderes. Alonso fuhr in den beiden Runden vor dem Stopp schneller als Vettel. So schlimm kann es mit der Reifenabnutzung nicht gewesen sein. Als drei Runden später die erste der beiden Safety-Car-Phasen kam, erwies sich der frühe Reifenwechsel des Spaniers als Handikap. Seine Reifen mussten vier Runden länger durchhalten als die der Konkurrenz.

Räikkönen kann nicht angreifen

Kimi Räikkönen fährt notgedrungen auf Ankommen. Sein Lotus zwingt ihn dazu. Seit dem GP China hat der Finne elf Mal in Folge gepunktet. Acht Mal davon zweistellig. Mit dieser Hamsterstrategie liegt er immer noch auf Platz drei. Weil er noch nicht gewonnen hat, nimmt ihn im Titelrennen keiner so richtig ernst. Ohne Sieg wird Räikkönen aber nicht Weltmeister.

Das kann sich aber schnell ändern. Wenn die große Technikoffensive von Lotus in Korea sticht, kann der Heimkehrer noch zum großen Geheimfavoriten werden. Schon 2007 hat er die WM aus dem Hinterhalt gewonnen. Mit einem unglaublichen Schlussspurt: Drei Siege in vier Rennen.

Fernando Alonsos beste Mitspieler sind die McLaren. Sie sind derzeit so stark, dass sie jedes Rennen gewinnen können. Damit nehmen sie Vettel und Räikkönen Punkte weg. Das gleiche gilt zwar auch für Alonso, doch dem Spitzenreiter tut es weniger weh als den Verfolgern, wenn die Plätze eins und zwei an Unbeteiligte gehen. Ab Rang drei werden die Punktabstände geringer. Das spielt immer dem Ersten in der Gesamtwertung in die Karten.

Trotzdem weiß auch Alonso. Für seinen dritten WM-Titel nach 2005 und 2006 braucht er mindestens noch einen Sieg. Und er darf sich keinen Ausfall leisten.

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