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Analyse der drei Top-Teams

Verliert Red Bull die Führungsrolle?

Alonso Hamilton & Webber - GP Deutschland 2011 Foto: Wolfgang Wilhelm 25 Bilder

Der GP Deutschland war das zweite Rennen in Folge, in dem kein Red Bull gewann. Nicht nur Fernando Alonso kann die nicht mehr ganz so übermächtigen Red Bull schlagen, sondern auch Lewis Hamilton. Ist das der Beginn einer Trendwende?

25.07.2011 Michael Schmidt

Die Zeiten, in denen Sebastian Vettel an der Spitze eines Grand Prix sein eigenes Rennen fährt, sind vorbei. Ferrari und McLaren kommen näher. Lewis Hamiltons Sieg auf dem Nürburgring war kein Geschenk. "Er hat den Sieg verdient", applaudierte Sebastian Vettel. "Wir waren nicht schnell genug", analysierte Mark Webber. "Ich habe alles gegeben, aber es hat nicht gereicht. Ferrari und McLaren waren das kleine bisschen schneller. Man muss kein Einstein sein, um zu kapieren, dass wir hart arbeiten müssen, um unseren Vorsprung zurückzugewinnen."

Der GP Deutschland war das zweite Rennen in Folge, das Red Bull nicht gewann. Es war auch das zweite Rennen, in dem Ferrari die bessere Figur machte. Zumindest im Rennen, denn auf eine schnelle Runde sind die Red Bull weiterhin eine Bank. Weder Silverstone noch der Nürburgring sind Ferraris Paradestrecken. Bei beiden Rennen herrschten kühle Bedingungen.

Vor zwei Monaten hätte man bei den Roten noch von einem Worstcase-Szenario gesprochen und wahrscheinlich 1,5 Sekunden pro Runde auf die Red Bull verloren. Deshalb war Fernando Alonso auch mit Platz zwei so zufrieden: "Wir haben bei den letzten drei Rennen auf drei unterschiedlichen Streckentypen bei unterschiedlichsten Temperaturen um den Sieg gekämpft. Das zeigt, dass wir überall konkurrenzfähig sind."

McLaren überrascht sich selbst mit Sieg

McLaren ist noch nicht so weit. Lewis Hamilton überraschte sich selbst. "Den Speed hätte ich von uns nicht erwartet." Technisch ist McLarens dritter Saisonsieg nur unzureichend zu erklären. Es gab kleine Retuschen an den Heckflügelendplatten und Diffusor. Neuentwicklungen am Auspuff und DRS-System blieben genauso im Transporter wie der modifizierte Ferrari-Frontflügel. Für McLaren sprachen die fast winterlichen Temperaturen. Auf dem Asphalt wurden am gesamten Wochenende nur zwischen 15 und 23 Grad gemessen.

Kein Auto brachte so schnell Temperatur in die Reifen wie der McLaren. Das konnte man schon in Silverstone beobachten. Erstaunlicherweise bezahlte McLaren dafür nicht mit höherem Verschleiß. Was drei Gründe hatte. Am Nürburgring fehlen die schnellen Kurven. Die Ingenieure bekamen das Setup besser hin als in Valencia und Silverstone. Und Lewis Hamilton passte im Verlauf des Rennens seinen Fahrstil an.

Die Ingenieure assistierten ihm. "Mit dem ersten Satz sind wir am Ende des Turns früher eingebrochen als Ferrari und Red Bull. Das wurde besser, je mehr sich der Tank lehrte. Und ich änderte meine Fahrweise. Am Anfang bin ich in Kurve drei zuviel gerutscht. Und ich hatte in der schnellen Bergauf-Schikane gegen Webber keine Chance. Er heizte da voll durch, ich musste lupfen. Dann habe ich am Lenkrad ein paar Dinge verstellt, und damit haben wir in dieser Passage große Fortschritte gemacht."

Perfektes Rennen für McLaren

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh wollte aus dem Sieg nicht gleich eine Änderung in der Hackordnung herauslesen. "Webber, Alonso und Hamilton lagen so eng zusammen, dass sich der geringste Fehler katastrophal auswirken konnte. Vom Fahrer, von der Boxenmannschaft, von der Strategie. Bei uns hat alles perfekt gepasst."

Hamilton erkennt nach zehn Rennen einen gewissen Trend: "Uns liegen die kühlen Rennen mehr, unsere Gegner mögen es lieber heiß." Unter der Erkenntnis tut die Niederlage von Silverstone doppelt weh. Da herrschten für McLaren eigentlich ideale Bedingungen. "Wahrscheinlich haben uns da die Auspuffregeln mehr getroffen als die Konkurrenz", meint Hamilton.

Red Bull macht Fehler unter Druck

Ferrari ist konstanter. Deshalb betrachten sie die Red Bull-Strategen auch als gefährlichere Gegner. Wenn Red Bull die Niederlage vom Nürburgring komplett auf die frühwinterlichen Bedingungen schiebt, dann macht man in Milton Keynes einen Fehler. Die Gegner haben aufgeholt. Teilweise weil sie den Red Bull RB7 kopiert, teilweise weil sie beim Verständnis der Reifen Defizite abgebaut haben. "Wir sind jetzt in der Lage, Red Bull unter Druck zu setzen", konstatierte Alonso. "Vettel kann nicht mehr sein Rennen an der Spitze fahren. Dann schleichen sich automatisch Fehler ein."

Fehler bei der Abstimmung der Autos, Fehler beim Boxenstopp, Fehler bei der Reifennutzung, Ärger mit den Bremsen. Webber stellte erstaunt fest: "Unsere Reifen haben am Ende der Turns stärker abgebaut als bei Lewis und Fernando." Das hörte sich zu Saisonbeginn ganz anders an. Webber gibt jedoch zu bedenken: "Wir waren am Anfang der Saison überlegen, aber nicht so dramatisch wie es ausgesehen hat. Sebastian hat nie mit 20 Sekunden Vorsprung gewonnen."

Jetzt merkt auch Vettel wie es ist, wenn man im Pulk in Zweikämpfe verstrickt ist. Dann steigt der Reifenverschleiß. Dann wird die Anströmung und damit der Anpressdruck gestört. Dann fährt man nicht mehr die optimale Taktik, sondern diejenige, die einem der Gegner aufzwingt.

Red Bull erwartet starke Ferrari in Budapest

Von einer Trendwende will im Spitzentrio noch keiner sprechen. "Das wird sich am nächsten Wochenende in Budapest zeigen", glaubt Webber. Andere Strecke, neues Glück und wahrscheinlich höhere Temperaturen. 2010 war Red Bull auf dem Hungaroring unschlagbar. Doch diesmal erwarten die Experten Ferrari auf Augenhöhe. Weil dann der Sommer zurückkehrt. Weil Pirelli die weichsten Reifenmischungen auspackt. Und weil die Strecke hart für die Reifen ist.

"Dann sollten wir unseren Vorteil beim Verschleiß ausspielen können", glaubt Alonso. Der Spanier warnt aber auch: "Red Bull ist überall schnell. Um sie regelmäßig zu schlagen, müssen wir noch einen Schritt zulegen."

Neuer McLaren-Flügel erst in Spa

Nürburgring-Sieger Hamilton setzt seine Hoffnung auf den Heckflügel, der in DRS-Stellung zehn km/h mehr Top-Speed spendet. "Der kommt nicht vor Spa", winkt Whitmarsh ab. Ferrari-Rennleiter Stefano Domenicali ergänzt: "Unsere größte Entwicklungsstufe sind die weichen und superweichen Reifen." Adrian Newey schwieg. Der Starkonstrukteur war erst spät am Nürburgring angekommen. Er hatte zuhause über eine Antwort auf das Zwischenhoch von Ferrari und McLaren nachgedacht.

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